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Zuversicht durch Zuspruch - Kammerspiele Magdebrug trotzen Corona

Freies Theater

Zuversicht durch Zuspruch: Kammerspiele Magdeburg trotzen Corona

von Sandra Meyer, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt

Stand: 04. Februar 2021, 19:06 Uhr

Corona macht es auch dem Freien Theater Kammerspiele Magdeburg nicht leicht. Doch bleibt das dreiköpfige Ensemble optimistisch, denn offensichtlich haben sie sich in den vergangenen Jahren in die Herzen der Stadt gespielt. Dieser Zuspruch in Form von Preisen, Geld – und nun sogar die Hoffnung auf ein eigenes Theater stimmen sie selbst in der Krise zuversichtlich.

Schon in normalen Zeiten war es ein Vabanquespiel: zwei Schauspieler und ein Autor machen sich als freie Theatertruppe selbstständig. Doch bis Corona ging die Idee bestens auf. Dirk Heidicke schreibt die Texte, die Susanne Bard und Michael Günther geradezu kongenial umsetzen, fast immer mit Künstlerfreunden.

Ein Kassenschlager seit Jahren ist die Kultserie "Olvenstedt probierts", doch gerade sie wurde durch den Lockdown jäh gestoppt.

Sie war fertig geschrieben, auch probiert, da waren wir natürlich alle sehr traurig, inklusive Publikum. Aber wir hatten zehn ausverkaufte Ausstellungen, alle haben die Karten entweder umgetauscht fürs nächste Jahr oder haben den Preis an sich gespendet.

Dirk Heidicke über den Corona-Stopp für die Serie "Olvenstedt probierts"

Enorme Vorbereitung

Für ein Privattheater heißt Lockdown nicht Kurzarbeit, sondern mehr Arbeit: Immer wieder Umbuchen, Hygienemaßnahmen entwickeln und vor allem Programme verschieben – also Gastkünstler vertrösten und als es wieder losging, sämtliche Stücke gleichzeitig parat zu haben, erzählt Susanne Bard, die nicht nur spielt, sondern auch singt: "Das waren dann 17 Vorstellungen und zwar fünf verschiedene Stücke. Und ich habe wirklich gedacht, jetzt kann ich gleich nicht mehr, weil ich wirklich jeden Tag ein anderes Textbuch vor der Nase hatte. Ich habe durchgerechnet, dass ich in diesem einen Monat fünf Stücke parat haben musste, von insgesamt 200 Seiten. Die mussten verfügbar sein."

Kammerspiele-Autor Dirk Heidicke (links) Bildrechte: dpa

Bestärkender Zuspruch

Es sind Höchstleistungen, die man sich als Publikum kaum vorstellen kann, die letztlich aber doch gewürdigt werden. Bei der Wahl zum Magdeburger des Jahres erhielt die Truppe unlängst den dritten Preis, die Stadtwerke honorierten einen kleinen Auftritt im Kulturfenster und ihr Zahnarzt stellt einfach mal keine Rechnung.

Berührend war auch die Schachtel, die kurz vor Weihnachten anonym vor ihrer Tür lag zeigt Michael Günther: "Wenn man dieses Kästchen öffnet, kam das Lied. Und da drin lagen zwei 50 Euro-Scheine, gefaltet zu zwei Herzen. Das baut einen auf und das bringt einen durch die Zeit." Günther hatte aufgrund der Krise sogar überlegt, sich einen Kindheitswunsch zu erfüllen und Busfahrer zu werden. Sogar einen Vorsprechtermin hatte er schon.

Plötzlich ein eigenes Spielhaus in Sicht

Diesen Busfahrerwunsch hat Günther dann aber doch noch mal verschoben, denn eigentlich sehen die drei auch mit positiven Gefühlen in die Zukunft. Denn ein Investor hat ihnen angeboten, ein eigenes Theater für sie zu bauen.

Ein bescheidenes, kleineres Haus mit etwa 100-120 Plätzen. Und es liegt natürlich unglaublich schön, ziemlich zentral an der Elbe. Das macht sehr viel für den Hinterkopf, egal was jetzt ist. Wir können so viel planen und überlegen, es muss ja technisch ausgestattet sein. Und da sind wir nicht müde, drüber nachzudenken. Und das macht furchtbar viel Spaß!

Susanne Bard über die mögliche Spielstätte für die Truppe

Zwei Jahre wird es sicher noch dauern, bis dahin wird das vielfältige Repertoire noch erweitert – und nun auch, sobald es geht, wieder präsentiert.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 06. Februar 2021 | 08:15 Uhr