Sächsische Schweiz Die Zukunft des Kaspers: In Hohnstein soll eine Schauwerkstatt entstehen

Die Stadt Hohnstein in der Sächsischen Schweiz ist eine wichtige Heimat für den klassischen Kasper: Der Puppenspieler Max Jacob hat in den 1920er-Jahren auf der Burg Hohnstein die Figur in die Moderne geführt. Gerhard Berger hat in dem kleinen Ort jahrelang Puppen gebaut. Neben dem Festival für neue Kasperstücke und dem Kasperpfad soll nun eine Schauwerkstatt in der sächsischen Kleinstadt entstehen.

Holzköpfe aus Lindenholz
Kasperköpfe aus Lindenholz Bildrechte: dpa

Meist kommt er in Begleitung von Krokodil, Oma, Teufel oder Gretel – der Hohensteiner Kasper: lange Hakennase, rote Bommelmütze, ein Holzkopf im buntem Kostüm.

Hohnsteiner Tradition des Kaspers

"Alleine für den Kasper werden 18 verschiedene Materialien gebraucht", erklärt Birgit Großer, Maßschneiderin in Sebnitz. Bereits ihr halbes Leben lang näht sie Hohnsteiner Kasperpuppen. Die Kasperköpfe bekam Birgit Großer bisher von den Holzschnitzern Berger aus Hohnstein. Die idyllische Stadt mit Fachwerkhäusern und rund 3.000 Einwohnern liegt am Rande der Sächsischen Schweiz. Als Gerhard Berger senior, Puppenschnitzer und Kaspervater, 2018 mit 92 Jahren verstarb, ging der Vorhang zu für das alte Handwerk in der Kasperstadt.

 Gerhard Berger, bekannt als Hohnsteiner Kasperschnitzer, hält einen Kasper (l) und eine Prinzessin aus Lindenholz in den Händen. 2011
Der langjährige Puppenbauer Gerhard Berger Bildrechte: dpa

Doch soll der kleine Ort in der Sächsischen Schweiz eine Heimat für den Puppenkopf bleiben. Rick Bothmann, Stadtentwickler in Hohnstein, erklärt: "Hohnstein ist dahingehend eine Kasper-Stadt, da wir mit unserem Max-Jacob-Theater den Aufführungsort des Kaspers haben". Aktuell erinnert beispielsweise der Kasperpfad an die legendäre Gauklerfigur. Laut Bothmann soll der Weg im kommenden Jahr mit Hilfe von Fördergeldern saniert werden.

Stadtansicht Hohnstein
Blick auf Hohnstein Bildrechte: imago images/Shotshop

Nun kann zudem eine neue Schauwerkstatt entstehen, finanziert mit 200.000 Euro aus der sächsischen Staatskasse. Dieses neue Projekt soll im hiesigen Gewandhaus umgesetzt werden. "Es ist für die geplante Schauwerkstatt absolut ideal wegen der Größe, der Lage in der Stadt und dem Innen-Außen-Bezug", erklärt Architekt Axel Streit. "Dort soll eine richtig große Öffnung oder Tür rein, mit einer kleinen Terrasse davor, die wirklich bis zum Straßenrand geht, sodass die Schnitzerin, die zukünftige Puppenbauerin, sich sogar bei schönem Wetter davorsetzen kann", so stellt sich Streit die Werkstatt vor. Bereits die Vorbereitungen zogen im Vorfeld die Aufmerksamkeit auf sich. Immer wieder sollen Menschen gefragt haben, was an diesem Ort entstehen soll, sagt Streit.

Nachfolgerin gefunden

Noch stecken die Fachleute mitten in der Planung. Doch die Nachfolgerin von Puppenbauer Gerhard Berger wurde bereits – nach einer deutschlandweiten Ausschreibung – in Dresden gefunden: Paula Streit. Sie erlernte im tiefsten Bayern in Oberammergau den Beruf der Holzbildhauerin. "Die Herausforderung ist für mich, dass das schon so eine lange alte Tradition ist", erklärt die Puppenbauerin. "Jetzt komme ich hierher als junger Mensch, der auch seine Vorstellung hat. Ich muss jetzt Stück für Stück überlegen, was ich mich traue, auch daran zu verändern, was angenommen wird, dass ich aber auch niemanden überrumpele und einfach einen guten Mittelweg zu finden, vielleicht auch ein Stück weit in der Tradition weiterzugehen, aber auch den Platz zu haben, um meine eigenen Sachen zu zeigen."

Straßenkünstler
Regelmäßig werden in Hohnstein neue Kasperstücke aus aller Welt gezeigt. Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Den Kontakt zum Traditionsverein oder zur Puppennäherin Birgit Großer hat Paula Streit, die bevorzugt kleine Holzfiguren und charakteristische Holzköpfe gestaltet, schon hergestellt. Schon Puppenspieler Max Jacob stand für Wandel, dafür, Tradition und Moderne zu verbinden und den Kasper damit ins Heute zu holen, sagt Andrea Bigge, Kulturmanagerin am Max-Jacob-Theater: "Er hat den Kasper aus der traditionellen Rolle herausgeholt, diesen prügelnden Jahrmarktkasper. Er hat ihn in seiner Form als Kaspar zwar erhalten, den Charakter, er hat ihm aber eine neue, zeitgenössische Note gegeben."

Kasperpuppen aus dem Handwerksbetrieb in Hohnstein, Kreis Sächsische Schweiz.
Kasperpuppen aus dem Handwerksbetrieb in Hohnstein Bildrechte: dpa

Man darf daraus keine computeranimierte Show-Figur machen. Es ist ein holzgeschnitzter Kasper, der gerade dadurch seinen Wert hat. Aber ihn diesem Jahrhundert anzupassen, das ist die Aufgabe, die die Kaspertradition hat.

Andrea Bigge, Max-Jacob-Theater

Im August 2021 feiert der Ort mit "100 Jahren Hohnsteiner Kasperspiel" ein großes Jubiläum und setzt alles daran, auch die Schauwerkstatt zu eröffnen.

Holzköpfe aus Lindenholz 4 min
Bildrechte: dpa

Die Stadt Hohnstein in der Sächsischen Schweiz ist eine wichtige Heimat für den klassischen Kasper. Mit einer neuen Schauwerkstatt soll die Tradtion lebendig gehalten werden und Puppen für unsere Zeit entstehen.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 02.01.2021 06:00Uhr 04:16 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Holzköpfe aus Lindenholz 4 min
Bildrechte: dpa

Die Stadt Hohnstein in der Sächsischen Schweiz ist eine wichtige Heimat für den klassischen Kasper. Mit einer neuen Schauwerkstatt soll die Tradtion lebendig gehalten werden und Puppen für unsere Zeit entstehen.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 02.01.2021 06:00Uhr 04:16 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Januar 2021 | 08:15 Uhr

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei