Bühne Der Kasper bleibt frech - Wettbewerb für neue Kasperstücke in Hohnstein

"Weck den Kasper in Dir" – mit diesem Aufruf startet der Traditionsverein Hohnsteiner Kasper zum dritten Mal einen Wettbewerb für die Entwicklung neuer Kasperstücke. 5.000 Euro stehen dem Gewinner oder der Gewinnerin zur Verfügung, um Ausstattung und Premiere im Max-Jacob-Theater in Hohnstein zu realisieren. Vor fast 100 Jahren stand der Puppenspieler Max Jacob mit seinem legendären Hohnsteiner Kasperpuppe zum ersten Mal auf einer Bühne. Seitdem hat er - in Ost und West - Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistert.

Kasperpuppen aus dem Handwerksbetrieb in Hohnstein, Kreis Sächsische Schweiz.
Kasperpuppen aus dem Handwerksbetrieb in Hohnstein: Die Symbolfigur Kasper wird hier seit 1928 geschnitzt, seit er durch das künstlerische Handpuppenspiel von Max Jacob weltbekannt wurde. Bildrechte: dpa

Cornelia Fritzsche, Puppenspielerin und Preisträgerin des zweiten Kasperwettbewerb in Hohnstein weiß, wie man kleine und große Nasen zum Lachen und zum Nachdenken bringt - mit dem Kasper.

Das Kasper-Genre ist ein Genre für sich, man muss eine Art Volkshumor haben und einen Dialekt. Der Kasper ist frech.

Cornelia Fritzsche, Puppenspielerin

"Kasper und das Märchenpuzzle", ihr preisgekröntes Kasperstück handelt von der Oma, die nur mal schnell in die Apotheke muss, vom Kasper und seinem Freund Krokodil, die auf die Suche nach Keksen gehen und vom Teufel, der inzwischen alle Märchen aus dem Lesebuch verzaubert und komplett durcheinanderbringt.

Der Wettbewerb soll frischen Wind in den Kasper bringen

Aufführung im Variete Theater am 10.03.2011 in Dresden, mit dem Figurentheater von Cornelia Fritzsche.
Puppenspielerin Cornelia Fritzsche bei der Arbeit Bildrechte: dpa

Neu, erfrischend und kaspertreu, das sind die Kriterien auch im dritten Wettbewerbsjahrgang, sagt Historikerin Andrea Bigge, Kulturmanagerin am Max-Jacob Theater Hohnstein: "Also der Hintergrund zur Idee des Kasper-Wettbewerbs lag darin, dass wir das traditionelle Hohnsteiner Handpuppenspiel eben speziell mit dem Hohnsteiner Kasper auch weiterleben lassen wollen. Es gibt Handpuppenspiel klar, jeder kann eine Handpuppe nehmen, Tri-Tra-Trallala sagen und kurzen bisschen hin und her wackeln. Und das war sozusagen die Idee, das Ganze hier in Hohenstein wieder in eine neue Richtung anzuschubsen."

Als die Studienfreunde von Cornelia Fritzsche im Puppenspiel schon längst mit dem Objekt- und Materialtheater experimentierten, entdeckte die Dresdner Studentin an der Ernst-Busch-Hochschule Berlin, den Hohnsteiner Kasper für sich. Neue Texte für den alten Kasper, der Hohnsteiner Kasperwettbewerb sprach sie sofort an: "Da dachte ich mir, das ist doch mal eine Idee, ein drittes Stück. Also ich habe mittlerweile eins, zwei, drei, vier Kasperstücke."

Die Jury wünscht sich Stücke von jungen Autoren

Profi- und Hobbypuppenspieler haben sich bei den ersten zwei Jahrgängen des Kasperwettbewerbs gemeldet, auch einige Neuinterpretationen alter Max-Jacob-Stücke waren dabei. Doch die Jury in Hohnstein wünschte sich noch mehr Resonanz und mehr Stücke von jungen Autoren oder Querdenkern wie Cornelia Fritzsche. Die alten Max-Jacob-Stücke interessieren sie weniger, aber die Geschichte vom Kasper sollte nicht in Vergessenheit geraten.

Kasper ist eigentlich nicht lustig, weil ihn gibt es seit Hunderten von Jahren. Und in jeder Epoche hat er eigentlich Prügel bekommen. Bei den Nazis da hat er die Juden verhauen. 1972 hat er das Halstuch gebügelt. Der wurde immer für die jeweilige Gesellschaftsordnung mehr oder weniger ausgenutzt. Und da sage ich: So lustig war das nicht.

Cornelia Fritzsche, Puppenspielerin

Der Kasper war ursprünglich kein Kindertheater

Auch der Kasper mit dem erhobenen Zeigefinger entspreche nicht der Hohnsteiner Tradition, sagt die Dresdner Puppenspielerin, die sich inzwischen mit dem großen Missverständnis arrangiert: Kasperspiel: "Für Kindertheater war der Kasper nie vorgesehen, das ist irgendwann mal so erfunden worden. Also ich bin gegen 'Zahnpasta- Kasper', gegen 'Verkehrskasper' - ein völliger Schwachsinn, sag ich jetzt mal so. Ein Kasper würde nie sagen: Ihr dürft erst bei Rot über die Straße. Nein: Ihr müsst aufpassen, dass Ihr nicht überfahren werdet, das ist der Kasper."

"Jeder Kasperspieler gibt seiner Figur einen eigenen Charakter", sagt Andrea Bigge. "Nur dadurch lebt dieser Kasper auch, sonst wäre es nur ein Nachspielen. Je besser man das umsetzt, umso besser und umso schöner ist es eigentlich dann auch für den Betrachter."

Jeder Kasperspieler gibt seiner Figur einen eigenen Charakter.

Astrid Bigge, Kulturmanagerin Max-Jacob-Theater Hohnstein

2021 steht der Hohnsteiner Kasper seit nunmehr seit 100 Jahren auf den Bühnen der Welt. Wenn alles gut geht, wird dann eine neue Schauwerkstatt in Hohnstein eröffnet, der Nachlass Max Jacobs in einer Jahresausstellung präsentiert und vielleicht auch ein neues packendes Kasperstück als Wettbewerbssieger im Max Jacob Theater gezeigt. Diesmal vielleicht mit einem braven Teufel? Cornelia Fritzsche widerspricht: "Nein, deine Rolle ist besetzt. Schluss! Aus! Du bist und bleibst der Teufel."

Bewerbung Bis zum 30. Juni 2021 läuft die Bewerbungsfrist im Traditionsverein Hohnsteiner Kasper e.V.
Die Premiere des Gewinnerstücks ist im Oktober 2021 in Hohnstein geplant.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. Dezember 2020 | 12:40 Uhr

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