Thüringer Theaterverband Eisenach: Kulturmanagerin Kathrin Schremb plant Produktionshaus für freie Szene

Kathrin Schremb ist studierte Kulturmanagerin und hat das Theater "stellwerk" in Weimar aufgebaut. Seit 2020 arbeitet sie jedoch hauptberuflich für den Thüringer Theaterverband. Dort koordiniert sie nun die Planungen für ein Produktionshaus der freien Theaterszene in Eisenach. Ihr Ziel: Freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern Handlungsräume ermöglichen.

Das Produktionshaus in Eisenach im Entwurf der Architekten
Das Produktionshaus in Eisenach im Entwurf der Architekten. Bildrechte: Architekturbüro v.Trott zu Solz, Eisenach

Seit Januar 2020 arbeitet Kathrin Schremb hauptberuflich für den Thüringer Theaterverband und verantwortet dort die Planung eines sogenannten Produktionshauses für die freie Theaterszene. In Eisenach soll so ein Treffpunkt und Arbeitsort für Theatergruppen geschaffen werden. Aktuell gebe es in Thüringen noch zu wenige Ausbildungs- und Ausprobierstätten. Junge Menschen gingen dafür in andere Bundesländer.

Man müsse Anreize schaffen, dass Talente da bleiben - oder auch wieder zurückkommen, so Schremb: "Das ist das Ziel: für Freischaffende, für freie darstellende Künste eine Verortung zu finden, wo wir auskömmliche Arbeitsräume, Arbeitszeiten und Handlungsräume ermöglichen können. Das ist so mein Hauptziel für Thüringen, weil die Strukturen, die da sind, aus meiner Sicht zu wenig sind, weil sie temporär sind, weil sie festivalorientiert sind", sagt die Kulturmanagerin. Es müsse eine Verortung in Form eines Produktionshaues geben, um der freien Szene Gewicht, Sichtbarkeit und Stärkung zu verleihen.

Die Standortfrage

Kulturmanagerin Kathrin Schremb.
Kulturmanagerin Kathrin Schremb Bildrechte: Katrin Ribbe

Die Planungen dafür sind noch voll in Gange. Baukonzept und inhaltliches Konzept liegen aktuell auf den Schreibtischen der Staatskanzlei und warten auf ihren Beschluss. Irgendwann einmal, so die Idee, soll das Produktionshaus am Landestheater Eisenach angegliedert sein. Die Standortfrage scheint aber noch nicht abschließend geklärt. Es stehen noch Fragezeichen im Raum. Kathrin Schremb ringe gerade um gute Argumente für den Standort Eisenach.

Ich werde eine Empfehlung geben. Das ist meine Position in dem ganzen Spiel.

Kathrin Schremb, Kulturmanagerin

"Ich werde eine Empfehlung geben, damit Fachreferate und Politik Entscheidungskompetenzen erlangen", so Kathrin Schremb. Von den Kreativen aus der freien Szene hört die Kulturmanagerin, dass es eine gute Infrastruktur vor Ort geben müsse. Dabei gehe es neben gutem W-LAN oder einer schnellen Verkehrsanbindung aber auch um Atmosphäre.

Der Ort des Produktionshauses müsse auch ein Ort sein, der inspiriert. Und auch die Eisenacher selbst müssten offen sein für die Ideen der freien Szene. "Da muss sich ein Publikum für zeitgenössische Kunst auch erschlossen werden. Das ist eine große, große Aufgabe. Und das wird auch eine Schwierigkeit sein, das dort zu entwickeln, weil es eine historisch geprägte Stadt ist. Das ist finde ich die Herausforderung und das Spannende", sagt sie.

Vom stellwerk zum Produktionshaus

Geboren im Jahr 1970 macht Kathrin Schremb nach Mauerfall und Wiedervereinigung zunächst eine Ausbildung zur Kauffrau für Wohnungswirtschaft. Die Zeit in den 90er-Jahren bedeutet Ankommen im wiedervereinigten Deutschland und Orientieren in der neuen Arbeits- und Lebenswelt. 1996 beginnt sie zunächst für einen Filmförderverein im Weimarer Land zu arbeiten.

Drei Jahre später dann ein prägendes Jahr: das Kulturstadtjahr Weimars. Zum ersten Mal fällt Kathrin Schremb auf, dass sie Strukturen in der Theater- und Kulturwelt verändern will. Gemeinsam mit Wegbegleitern gründet sie den Verein, aus dem schließlich das stellwerk Weimar wachsen soll. Eine Spielstätte, die sich zum Theaterlabor für zeitgenössische und experimentelle Formen entwickelt hat und dessen Leitung sie 2019 nach 17 Jahren Herzblut und Engagement einem neuen Team anvertraut.

"Das Stellwerk Weimar ist immer so ein kleiner pubertärer 'Rotzwanzt' für mich gewesen", sagt Schremb, "der streitet, der konstruiert, der auch scheitert, der aber immer auf der Suche sein sollte und da hab ich gedacht: Jetzt ist es Zeit, so ein Haus in die nächste Generation zu geben, die gerade genau das sucht, was ich damals gesucht habe."

Das Produktionshaus von innen.
So könnte es im Produktionshaus innen einmal aussehen. Bildrechte: Architekturbüro v.Trott zu Solz, Eisenach

Sichere Strukturen für andere schaffen

Strukturen schaffen, Konzepte entwickeln, freies Theater ohne Denkverbote möglich machen. Für Kathrin Schremb – so ergibt sich der Eindruck beim Gespräch mit MDR KULTUR - ist der Umweg, das noch nicht Gedachte, "the extra mile", wie man im Englischen sagen würde, Lebensmaxime. Dabei gibt es aber auch immer wieder Momente der Sicherheit, die für ihre Arbeit prägend sind. Vorrangig beschäftigt sie dann das Zusammenwirken von einem Künstler und ihr selbst: "Ich liefere die Sicherheit für die Rahmensetzung, dass der Künstler oder die Künstlerin Sicherheit auf der Bühne oder in dem Bühnenraum hat. Also das ist jetzt bisschen pathetisch, muss ich ein bisschen zugeben, aber mir geht’s da viel um eigene Sicherheit und vielleicht ist das die Motivation: Sicherheiten, da wo ich sie nicht habe, für andere zu liefern – weiß ich jetzt auch nicht, ob das jetzt ein kluger Satz ist."

Nicht nur ein kluger, auch ein mutiger Satz. Kathrin Schremb will trotz Krise optimistisch bleiben. Genau jetzt müsse man an Strukturen arbeiten, damit die freien darstellenden Künste auch nach Monaten der leeren Bühnen eine Zukunft haben. Vor allem in Thüringen.

Mehr über Kathrin Schremb hören Sie auch im Radio von MDR KULTUR. Am Samstag, den 10. April 2021 um 22 Uhr ist sie zu Gast in der MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. April 2021 | 22:00 Uhr

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