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Wie lang Theaterhäuser noch ohne Zuschauer bleiben müssen, wollen Bund und Länder am Mittwoch entscheiden. Bildrechte: Colourbox

Kultur-Lockdown

Wie Intendanten aus Mitteldeutschland auf den Corona-Winter blicken

Stand: 25. November 2020, 19:18 Uhr

Am Mittwoch wollen Bundesregierung und Länder entscheiden, wie es mit dem Kultur-Lockdown weitergeht. Momentan sieht es nicht gut aus für die Kultureinrichtungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, was den Spielbetrieb angeht. Verlängerungen bis zum 20. Dezember sind im Gespräch, teilweise ist von Schließungen bis zum kommenden Frühjahr die Rede. MDR KULTUR hat mit Intendanten aus Mitteldeutschland darüber gesprochen, wie sie auf die kommenden Wochen und Monate schauen.

Die Kultureinrichtungen sind coronabedingt geschlossen. Am Mittwoch steht die Entscheidung an, wie es in den kommenden Wochen weitergehen soll. Während sich die Theater im Frühjahr auf digitale Angebote fokussiert haben, stand im November-Lockdown bei vielen das Proben im Vordergrund, in der Hoffnung, im Dezember wieder Publikum empfangen zu können.

Diese Hoffnung hat sich aufgrund der immer noch hohen Infektionszahlen mittlerweile bei vielen gelegt, wie Gespräche mit Intendanten aus Mitteldeutschland zeigten. Bis wieder vor Zuschauern gespielt werden darf, wollen sie aber nicht tatenlos abwarten, sondern erarbeiten alternative Vorschlägen, wie der Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters in Bautzen, Lutz Hillmann, MDR KULTUR sagte.

Lutz Hillmann für schulische Veranstaltungen in Theatern

In Anbetracht der aktuellen Lage hat sich Intendant Hillmann für schulische Veranstaltungen in Theatern ausgesprochen. Er sagte, Bestandteil eines Briefes an Ministerpräsident Kretschmer sei der Vorschlag, Schüler und Schülerinnen in ihren Klassenverbänden ins Theater zu bringen. Dort seien sie einem stärkeren Hygienekonzept unterworfen als in der eigenen Schule und bekämen kulturelle Bildung statt Unterrichtsausfall.

Intendant Hillmann ist für kulturelle Bildung statt Unterrichtsausfall. Bildrechte: dpa

In den Schulen gäbe es in der aktuellen Lage gegenwärtig viel Unterrichtsausfall. "Die Gefahr in den Theatern ist geringer als in den Schulen und wir könnten noch eine ganze Menge vermitteln. Alle Theater haben ihre Weihnachtsangebote vorbereitet, die sie jetzt natürlich, wenn der Lockdown weitergehen sollte, erstmal verschieben oder sogar vergessen können", so Hillmann.

NT-Intendant Brenner warnt vor Langzeitschäden

Auch der Intendant des Neuen Theaters in Halle, Matthias Brenner, wünscht sich, für Schüler spielen zu können. "Da liegt unsere Hoffnungen drin, dass sich da in Zukunft etwas ändert, dass wir zur Bildung nicht nur dazugehören, sondern ein Baustein der Bildung sind. Denn das ist unsere Hauptarbeit, die wir machen." Am NT sei man jedenfalls mit Inszenierungen für Schüler gerüstet und könnte – gäbe es grünes Licht – loslegen.

Brenner warnt im Gespräch mit MDR KULTUR auch davor, dass durch die Corona-Pandemie Langzeitschäden für Theater entstehen. Mit Blick auf die künftige Kulturförderung sagte Brenner, die Furcht, was danach komme, sei groß. Es sei sehr teuer, was derzeit ablaufe. Man müsse schauen, was nach der Corona-Pandemie alles finanziell berücksichtigt werden müsse. "Und da habe ich das Gefühl, dass wir nicht dazugehören würden und sicherlich man auf das Gut Theater als Erwerbsberuf beziehungsweise als Kunst und Kulturgut am ehesten und am wahrscheinlich verzichtbar würde. Und das wäre eine Tragödie, denn das wäre ein Langzeitschaden, der sich nicht wiedergutmachen ließe. Dennoch fände er es herausragend, wie die Gesellschaft derzeit versucht, sich selbst sozial zu stützen.

DNT-Intendant Weber fordert Solidarität

Der Generalintendant am Nationaltheater Weimar, Hasko Weber, appelliert vor allem an ein gemeinsames Durchstehen der Corona-Krise. Er sagte MDR KULTUR, Theater seien zwar ein sicherer Ort, eine Öffnung einzelner Bereiche sei aber nicht die Lösung. Es gehe jetzt um Solidarität über die Theater hinaus.

Hasko Weber meint, aus der Krise kommen wir nur solidarisch. Bildrechte: dpa

Es gäbe viele Bereiche, die Sicherheitskonzepte aufgestellt haben. Alle hätten denselben Grund zu sagen, warum dürfen wir nicht? Ohne gemeinschaftliches Handeln käme man aus der Pandemie aber nicht heraus, meint Weber: "Ohne dass wir als Gesellschaft gemeinsam in dieser Krise etwas tun, wird sich nichts verändern. Und damit stelle ich unsere Ansprüche nicht irgendwohin zurück, aber ich versuche mich zuzuordnen." Theater und Orchester seien ein wichtiger, vielleicht sogar unverzichtbarer Teil der Kultur, aber eben ein Teil, so Weber. "Wir sind Teil der öffentlichen Kultur und dann müssen wir jetzt irgendwie gemeinsam durch."

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 25. November 2020 | 08:10 Uhr