Coronabedingtes kleinteiliges Programm Sechs Tipps fürs Kunstfest Weimar

Mareike Wiemann
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Theaterinszenierungen, Installationen, Konzerte: Unter dem Motto "Weimar macht auf" lockt die Stadt in den kommenden drei Wochen mit zahlreichen Veranstaltungen. Hier fünf Empfehlungen, darunter Theaterstücke von Falk Richter und Theresia Walser und eine musikalische Bildvorstellung mit Anselm Kiefer und Matthias Goerne.

Kunstfest Weimar
In der Alten Feuerwache wird coronabedingt Open-Air-Theater beim Kunstfest geboten. Bildrechte: Alexander Grüner

Weimar dreht kulturell wieder voll auf: Zum Kunstfest wird in den kommenden drei Wochen ein üppiges Programm geboten, 200 Veranstaltungen in rund 60 Formaten stehen an, von der Aufführung über die Installation bis zu Ausstellung und Screening. 21 Ur- und Erstaufführungen an 12 Spielorten wird es in der Stadt selbst geben, zudem wird das Festival in 28 weiteren Orten in Thüringen präsent sein. Coronabedingt gibt es in diesem Jahr weniger internationale Produktionen, außerdem fallen alle Veranstaltungen etwas kleiner aus. Es ist deswegen ratsam, Karten bereits im Vorverkauf zu erwerben. Hier sechs Tipps zu Veranstaltungen, die herausragen.

Hinweis Wegen des Sturmtiefs Kirsten wurde die Eröffnung des Kunstfests Weimar um einen Tag verschoben. Die Terminänderungen werden berücksichtigt. Tickets behalten ihre Gültigkeit.

Theater: Five deleted messages

Falk Richter
Falk Richter Bildrechte: Esra Rotthoff

Für das Kunstfest ist es ein absolutes Prestigeprojekt: Theater-Regiestar Falk Richter hat eigens für das Festival ein Stück geschrieben. "Five deleted messages" ist eine Art Stream of Consciousness, eine Rede, bei der ein Schauspieler im Winter 2020 dabei ist, den Faust auswendig zu lernen. Er ist so vertieft in diese Arbeit, dass er den Corona-Ausbruch nicht mitbekommt – erst im Lockdown tritt er wieder an die Öffentlichkeit und fragt sich, was passiert ist. Teilweise zutiefst ironisch und subversiv entspinnt sich hier ein großes Experiment. Viele Fragen rund um die "neue Normalität", die wir ja meist schon als solche akzeptiert haben, werden aufgeworfen. "Five deleted messages" bringt uns mit viel Humor dazu, die vergangenen Monate zu reflektieren. Es spielt Dimitrij Schaad, Protagonist am Berliner Maxim Gorki Theater, der im Kino zuletzt in "Die Känguru-Chroniken" zu sehen war.

Zeit & Ort Alte Feuerwache Weimar (Open Air)
Freitag 28.8., 22:00 Uhr (verschoben)
Freitag 4.9., 20:30 Uhr
Donnerstag 10.9., 21 Uhr

Theater: Are we not drawn onward to new erA

Are we not drawn
Szene aus "Are we not drawn onward to new erA" Bildrechte: Mirjam Devriendt

Dieses multimediale Theatererlebnis trägt einen zungenbrechenden Titel – ganz bewusst, denn "Are we not drawn onward to new erA" ist ein Palindrom, kann also sowohl vorwärts, als auch rückwärts gelesen werden. Hier geht es um den Point of no return, es geht um die Frage, ob die Menschheit angesichts von Klimawandel, Meeresverschmutzung und Artensterben noch zu retten ist: Ist es fünf vor oder bereits fünf nach zwölf? Trotz der ernsten Thematik ist dies kein bleischwerer Gewissensabend, sondern spielerische Unterhaltung. Der erste Teil läuft ab einem Wendepunkt wieder zurück, allerdings mit überraschender Bedeutungsverschiebung. So enthüllt sich in einem intellektuellen, innovativen Puzzlespiel der Abend - ein wirklicher Theaterzauber. "Are we not drawn onward to new erA" ist eine Produktion der flämischen Kompanie Ontroerend Goed, beim Kunstfest wird die deutsche Erstaufführung gezeigt.

Zeit & Ort DNT, großes Haus
Dienstag 1.9., 19:30 Uhr
Mittwoch 2.9., 19:30 Uhr

Theater: Endlose Aussicht

Theresia Walser
Theresia Walser Bildrechte: Susanne Jeffs

Ebenfalls eine Auftragsproduktion extra fürs Kunstfest ist "Endlose Aussicht" von Theresia Walser. Protagonistin Jona befindet sich in Quarantäne auf einem Kreuzfahrtschiff und weiß weder ein noch aus: Wie lange sitzt sie hier schon fest? Und was bedeutet schon Zeit, wenn man den Lockdown in einer fensterlosen Kabine verbringt? Jona entblättert ihr ganzes Leben vor dem Publikum, drum herum ereignen sich viele kleine Dramen, etwa eine Liebesgeschichte im Subtext des Stückes. Theresia Walser (zuletzt tätig für die Salzburger Festspiele) hat hier einen wortgewaltigen Text verfasst, Judith Rosmair, lange Jahre Schaubühnenprotagonistin, setzt Kontrapunkte mit ihrer Zartheit und Fragilität. Dazu kommt die starke Bebilderung von Documenta-Künstler Theo Eshetu.

Zeit & Ort Alte Feuerwache Weimar (Open Air)
Donnerstag 3.9., 20:30 Uhr
Mittwoch 9.9., 20:30 Uhr
Freitag 11.9., 20:30 Uhr

Installation: Melancholie der Sammlung

Zwei Besucher schauen sich die Ausstellung von verschiedenen Tieren an.
Die Installation ist Teil des Kunstprojekts "The big sleep", ein weiterer Part folgt im November im Naturalienkabinett Waldenburg. Bildrechte: Gustav Franz

Die junge Leipziger Company Hecke/Rauter/Willmann zeigt hier eine begehbare Installation, die sich mit der Taxidermie beschäftigt: der Kunst der Haltbarmachung von Tierkörpern. So ist der Text zu "Melancholie der Sammlung" auf Basis von Interviews mit Tierpräparatoren entstanden. Diese haben ein ganz spezielles Verhältnis zu den toten Geschöpfen, denen sie auf eine künstliche Art wieder den Anschein des Lebens einhauchen. Die Menschen sprechen über die Tiere wie über vertraute Freunde – das hat etwas Morbides, etwas Berückendes, teilweise etwas Komisches. Gleichzeitig geht es auch ums Artensterben (denn viele Tiere sind die letzten ihrer Art) und um die menschliche Sammelwut: Ist es am Ende sinnvoll, unzählige ausgestopfte Tiere in Museumsdepots zu lagern? Die Installation ist im Weimarer Reithaus zu sehen, zu bestimmten Zeiten finden außerdem Live-Präparationen statt.

Zeit & Ort Reithaus Weimar

Freitag 4.9., 16 - 22 Uhr
Samstag 5.9., 12 - 22 Uhr
Sonntag 6.9., 12 - 22 Uhr

Live-Präparation:
Freitag 4.9., 16 Uhr
Samstag 5.9., 14 Uhr

Konzert: Uraufführung eines Bildes

Anselm Kiefer
Anselm Kiefer Bildrechte: Charles Duprat

Anselm Kiefer gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Maler weltweit. Für das Kunstfest hat er das großformatige Bild "Secolo d'oro" (Das goldene Jahrhundert) geschaffen, eine Hommage an das klassische Weimar, die nun in einem außergewöhnlichen Konzertformat präsentiert wird: Der in Weimar geborene Bariton-Star Matthias Goerne besingt das Bild mit Franz Schuberts berühmtem Liedzyklus "Winterreise", begleitet wird er dabei vom Leipziger Pianisten Alexander Schmalcz. Die Einführung zu Kiefers Werk und Schaffen wird der Kunstschriftsteller Heiner Bastian übernehmen.

Zeit & Ort DNT, Großes Haus
Freitag 4.9., 19.30 Uhr

Installation: Im tiefen queeren Wald

Im tiefen queeren Wald
In der Installation geht es um die Selbstverständlichkeit queeren Lebens abseits der Städte. Bildrechte: Dominik Steinmann

In einem Gartenlokal in der Anlage "August Fröhlich" haben Mara May aus Weimar und der Leipziger Künstler Micha Kranixfeld eine Sound-Installation aufgebaut, in der alternativen, queeren Lebensformen im Thüringer Wald nachspürt wird. Basierend auf Interviews ist hier ein sehr vergnügliches Theaterstück für die Ohren entstanden, das auch spezifisch Bezug auf den Installationsort nimmt, denn vom Lokal aus hat man einen wunderbaren Blick in die Weite. Der Besuch dieser Sound-Installation ist kostenfrei möglich, in der Gaststätte und dem dazu gehörigen Biergarten gibt es zudem Getränke.

Zeit & Ort Gartenlokal August Fröhlich
Donnerstag 27.8. - Sonntag 13.9.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. August 2020 | 08:40 Uhr