Auszeichnung Leipziger Performerin Jana Zöll erhält Theater-Förderpreis

Die Leipziger Performerin Jana Zöll wird für ihre interaktive Online-Performance "Ich bin" mit dem Nachwuchsförderpreis des Deutschen Bühnenvereins ausgezeichnet: dem Dr. Otto Kasten-Preis 2021. Das Stück ist am Theater der Jungen Welt entstanden. Jana Zöll führte selbst Regie und erarbeitete die Performance in ihrer Privatwohnung. Per Zoom-Konferenz setzt sie sich darin mit den Themen Körper, Identität, mit Selbst- und Fremd-Zuschreibungen auseinander.

Jana Zöll streckt ihre Hände beschwörend nach vorne.
Die Performance "Ich bin" der Leipziger Schauspielerin Jana Zöll entstand im Januar 2021. Bildrechte: Steven Solbrig

Für ihre interaktive Online-Performance "Ich bin" erhält die Leipziger Performerin Jana Zöll den Dr. Otto Kasten-Preis 2021. Wie das Theater der Jungen Welt am Dienstag mitteilte, entstand die Performance im Januar 2021 als Teil der TdJW-Spielzeitreihe "Challenge Accepted". Jana Zöll beschäftigt sich darin per Zoom-Konferenz mit dem Themenfeld Körper, Identität, mit Selbst- und Fremd-Zuschreibungen.

Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Preis gilt als der wohl bedeutendste Nachwuchsförderpreis der deutschen Theaterlandschaft. Er wird diesmal zu gleichen Teilen an fünf Einzelkünstlerinnen, -künstler und Gruppen für ihre digitalen Projekte verliehen.

Privatwohnung wurde zur (Probe-)Bühne

In "Ich bin" zeigt Zöll, inwiefern die Einordnung in Kategorien dem Wunsch nach einer offenen Gesellschaft widerspricht. Die Idee dazu hatte die Leipziger Performerin in ihrer persönlichen Lockdown-Situation in ihrer Wohnung. Dort fanden auch alle Proben und Aufführungen von "Ich bin" statt. Die Produktionsbeteiligten kommunizierten nur über Zoom miteinander. Jana Zölls 20 Quadratmeter großes Zimmer wurde dabei ihr Wohn-, Arbeits-, Lager- und Bühnenraum.

Somit sei eine intime Arbeit entstanden, die sowohl einen Einblick in die herausfordernden Arbeitsbedingungen von Zöll gebe und zugleich Sichtbarkeit für Schauspielerinnen und Schauspieler mit Behinderung schaffe, die in Pandemiezeiten Risikogruppen angehörten und mit der herausfordernden Situation umgehen mussten, so das Theater der Jungen Welt weiter.

Daher freue sich die Leipzigerin Jana Zöll angesichts der Pandemiesituation besonders über die Auszeichnung: "Die Pandemie hatte meine Möglichkeiten der Berufsausübung zu Beginn doch sehr in Frage gestellt. Noch dazu ist 'Ich bin' meine erste Performance in Eigenregie."

Es ist wirklich schön, dass meine Arbeit so anerkannt wird.

Jana Zöll, Schauspielerin und Performerin

Über den Preis

Der Dr. Otto-Kasten-Preis ist ein Förderpreis für Nachwuchs-Theaterprojekte und wird seit 1985 von der Intendantinnengruppe im Deutschen Bühnenverein an Künstlerinnen und Künstler aller Sparten vergeben. Mit dem Preis werden diesmal fünf Projekte ausgezeichnet, die während des Lockdowns entstanden sind. Neben Jana Zöll geht der Förderpreis an Regisseurin Sapir Heller, Dramaturgin Lena Wontorra, Regisseurin Franziska Angerer, die Performance-Gruppe pulk fiktion sowie die Online-Inszenierung "Wir sind noch einmal davongekommen" des Studiengangs Schauspiel der Theaterakademie August Everding.

Über die Schauspielerin Seit 2008 arbeitet die 36-jährige Jana Zöll als Schauspielerin. Sie war Gast an verschiedenen Bühnen, am Staatstheater Darmstadt engagiert und zog schließlich nach Leipzig. Hier entdeckte sie das Tanzlabor Leipzig, wo sie das Kollektiv Polymora Inc. mitgründete. Da sie aufgrund ihrer Glasknochen im Rollstuhl sitzt und als Risikopatientin gilt, kann sie aktuell nur von zu Hause aus arbeiten.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 18. Januar 2022 | 12:30 Uhr

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