Premiere am 12. Mai Prinzen-Musiker Tobias Künzel bringt in London Musical auf die Bühne

Auch abseits seiner Band Die Prinzen ist Tobias Künzel musikalisch sehr aktiv. Eine besondere Vorliebe hat er für Musicals. In London feiert nun sein neustes Musical "Copperfield! The Musical" Premiere. Mit Julia Hemmerling von MDR KULTUR hat Künzel über den Schaffensprozess und seine Ehrfurcht vor der literarischen Vorlage aus der Feder von Charles Dickens gesprochen.

Tobias Künzel von den Prinzen hat sich schon lange als umtriebiger Musiker gezeigt. Nun hat er ein Musical geschrieben, das den Titel "Copperfield! The Musical" trägt und am 12. Mai Premiere in London hat – der Metropole, die neben New York eine der internationalen Musical-Hauptstädte ist. "Copperfield" kommt dort auf die eher kleine, feine Bühne des "Gatehouse", ein Pub mit Theaterraum für ca. 150 Besucherinnen und Besucher im Norden Londons.

Ein Sessel als Thron, dahinter eine orangefarbene Wand
Die Bühne des Gatehouse-Pub in Highgate im Norden von London bei einer Aufführung 2014. In britischen Pub-Theatern wie in diesem wird, ähnlich wie im Volkstheater zu Shakespeares Zeiten, Unterhaltung für alle geboten. Bildrechte: dpa

Musiker aus Taucha bei Leipzig vertont Weltliteratur

Das Musical reist in die englische Geschichte, David Copperfield ist die Figur des gleichnamigen Bildungsromans von Charles Dickens, der autobiografische Züge des Autors trägt und Mitte des 19. Jahrhunderts veröffentlicht wurde. In Großbritannien zählt das Werk zur Nationalliteratur, es beleuchtet auch die Schattenseiten der britischen Gesellschaft, beispielsweise die Fabrikarbeit von Kindern, und prangert soziale Missstände an.

Umso größer der Respekt, den Künzel vor diesem Werk der Literaturgeschichte hat, zumal im Heimatland des Romans.

Charles Dickens ist englische Literatur-Ikone

Als sein Freund Harry Meacher mit der Idee ankam, mit ihm ein Theaterstück zu Copperfield auf die Bühne zu bringen, bei dem Künzel nicht nur die Musik sondern auch die Texte beisteuern soll, bremst ihn der Musiker mit den Worten: "Charles Dickens ist eine Literatur-Ikone in England! Und ich komme jetzt als Deutscher aus Taucha bei Leipzig und schreibe die Texte? Das mache ich nicht, die Texte musst du selber schreiben!"

Foto von Charles John Huffam Dickens
Charles Dickens (1812-1870) schrieb unter anderem "David Copperfield", "Oliver Twist" und "Eine Weihnachtsgeschichte" Bildrechte: imago images/UIG

So geschah es. Künzel verlegte sich auf den musikalischen Teil. Und aus der 2018 geborenen Idee wurde nach und nach das nun fertige Musical.

Melodie entsteht beim Lesen der Texte

Beim Arbeitsprozess inspirieren Künzel die Texte derart, dass er quasi sofort die passende Melodie dafür findet. Der Musiker erläutert: "Wenn ich einen Text bekomme und den vertonen soll, dann habe ich, wenn ich den Text lesen, meistens schon die Melodie. Ich singe denn meistens schon, während ich ihn lese."

So entwickeln sich nach und nach musikalische Motive für die einzelnen Figuren, so Künzel, beispielsweise erhält so die "Unschuld vom Lande" einen Mollcharakter und Titelheld David Copperfield bekommt eine etwas schräge Melodie.

Zeichnung, ein kleiner Junge mit einer leeren Schüssel steht vor einem Mann mit Suppenkelle und Kessel, dahinter sitzen mehrere Kinder an einem Tisch
Zeitgenössische Zeichnung aus dem Roman "Oliver Twist" von Charles Dickens Bildrechte: imago images / Photo12

Erinnerungen an eigene Kindheit im Thomanerchor

In der Geschichte des David Copperfield sieht Künzel sogar leichte Parallelen zu seinem eigenen Leben – denn auch Künzel war durch seine Mitgliedschaft im Thomanerchor und die Internatsunterbringung schon früh auf sich alleine gestellt, hatte viel Heimweh.

"David Copperfield hatte natürlich eine extrem harte und schwere Kindheit im Roman. Das kann man nicht vergleichen", betont der Musiker aber sofort und möchte sich nicht wirklich mit dem Schicksal des kleinen Copperfield gleichtun.

Zwei Männer in britischer Polizei-Uniform stehen auf einer Theaterbühne
Tobias Künzel (l.) und Tony Marshall in dem Comedy-Musical "Come back Karl Marx!" im Thalia Theater im Puschkinhaus in Halle 2018 Bildrechte: dpa

Zumal Künzel im Nachhinein ein sehr positives Fazit aus seiner Thomanerzeit zieht: "Ich habe da wirklich tatsächlich neun Jahre lang im Thomanerchor gelebt und gewohnt und gesungen und gelernt – und das hat sich extrem bezahlt gemacht. Da bin ich heute auch sehr dankbar dafür und habe auch viel von der Welt gesehen dadurch."

Tobias Künzel und seine Affinität zu Musicals

"Copperfield! The Musical" ist nicht das erste Musical, das die musikalische Handschrift von Künzel trägt. Bereits 1998 legte er das Musical "Elixier" vor, bei dem er die Hauptrolle des Hagen spielte, die Texte stammen von seiner Frau Kati Naumann. 2013 kam zudem in Plauen das Musical "Comeback! Das Karl-Marx-Musical" auf die Bühne, das er mit Maximilian Reeg und Steffen Lukas geschrieben hatte.

Zwei Männer im Laborkittel stehen vor chemischen Apparaten, einer schaut durch ein Mikroskop
Tobias Künzel (r.) spielte in seinem Musical "Elixier" persönlich mit, hier bei der Aufführung in der Musikalischen Komödie der Oper Leipzig 1998 Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. Mai 2022 | 11:05 Uhr

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