Landesbühnen Sachsen Winnetou-Stück feiert im Lößnitzgrund vor Publikum Premiere

Mit der Aufführung von "Winnetou I" im Lößnitzgrund kehrt der Held an den Ort seiner Entstehung zurück: Da die Felsenbühne in Rathen derzeit saniert wird, feiert das Stück seine Premiere heute auf der Freilichtbühne in Radebeul. Im vergangenen Jahr musste die Aufführung aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden. Nun kann die Freilichtbühne in Radebeul, auf der sonst die Karl-May-Festtage bespielt werden, beweisen, dass sie mehr als eine Ersatzlösung ist.

Jan Baake und Michael Berndt-Cananá - Szene aus "Winnetou I" im Lößnitzgrund 4 min
Bildrechte: Landesbühnen Sachsen/Thomas Arndt

Mit der eindrucksvollen Kulisse, die die Felsenbühne in Rathen bietet, kann der Lößnitzgrund in Radebeul nicht mithalten. Zumindest nicht die hier aufgebaute Westernstadt "Little Tombstone" – eine ebenerdige Freilichtbühne, die normalerweise zu den Karl-May-Festtagen bespielt wird. Allerdings hat man bei den Landesbühnen Sachsen keine Mühen gescheut und einen Schauplatz geschaffen, der eine Adaption der Rathener Winnetou-Inszenierung möglich macht. Zum Beispiel wurde ein über zehn Meter hoher Felsturm aufgestellt.

Karl May erfand Winnetou im Lößnitzgrund

Manuel Schöbel, Regisseur des Stücks und Intendant der Landesbühnen Sachsen, sieht in der Aufführung im Lößnitzgrund aber weitaus mehr als nur eine Ersatzlösung, solange auf dem Gelände der Felsenbühnen gebaut wird. Für ihn sei es wie eine Verbeugung vor Winnetou:

Winnetou kehrt heim, hier, wo Karl May die Figuren erfunden hat, genau hier, wo er vielleicht spazieren gegangen ist und auf den Namen Winnetou gekommen ist, hier spielen wir jetzt dieses Stück.

Manuel Schöbel, Regisseur und Intendant der Landesbühnen Sachsen

Tatsächlich hat Karl May damals nur wenige hundert Meter entfernt von der Bühne gewohnt, als er den ersten Teil von Winnetou verfasste. Dass hier 1891 die Buchausgabe der so genannten Reiseerzählungen beschlossen wurde, geht aus einem Achtzeiler Mays an seinen Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld hervor.

Fortwährende Aktualität des Karl-May-Stoffes

WINNETOU
Zeitgemäß wird darauf verzichtet, die indianischen Figuren rot zu schminken. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bereits in seinem Vorwort zu Winnetou sprach Karl May vom Indianer als sterbendem Mann und beklagte die Ausrottung der Roten Nation durch den vermeintlich überlegenen weißen Mann. Heute sind die Problemlagen ähnlich: Der Wohlstand der einen wird auf dem Rücken der anderen ausgetragen, weshalb Millionen von Menschen weltweit auf der Flucht sind, vor Krieg, Armut und Naturkatastrophen.

Um bei Winnetou zu bleiben, bräuchte es eine Menge guter Ratgeber wie den weisen Klekih-petra, der für ein gleichberechtigtes Miteinander eintritt. So heißt es in dem Stück: "Dieser Weg ist schwer und unendlich lang, erst unsere Kinder und Kindeskinder werden ihn erreichen." Michael Berndt-Cananá, der Darsteller des Winnetou, beschreibt den speziellen Reiz seiner Figur und die gleichermaßen fortwährende Aktualität des Karl-May-Stoffes damit, dass wir in einer Zeit des Austausches leben:

Wenn wir jetzt über den kulturellen Austausch nachdenken, nimmt Winnetou - aber auch Old Shatterhand - sich einer fremden Kultur an. Und darum geht es, dass eine gewisse Offenheit einem Fremden gegenüber existiert.

Michael Berndt-Cananá, Darsteller des Winnetou

Jan Baake und Michael Berndt-Cananá - Szene aus "Winnetou I" im Lößnitzgrund
Das Pfeifen der Lößnitzgrundbahn sorgt neben waghalsigen Ritten und effektvollen Stunts für eine Atmosphäre des Wilden Westens. Bildrechte: Landesbühnen Sachsen/Thomas Arndt

Lößnitzgrundbahn sorgt für authentische Atmosphäre

Dass die Inszenierung noch an anderer Stelle gegenwärtige Diskurse aufgreift, erwähnt Jürgen Haase, der ab 1984 als Winnetou, dann viele Jahre als Old Shatterhand und nun als goldgieriger Bandit Santer über die Bühne reitet. Auf Anraten des Theaters würden die Indianer nicht mehr rot geschminkt: "Ich sehe es zwar ein bisschen kritisch, weil wir zitieren ein Stück oder eine Zeit, die vor 150 Jahren war. Aber ansonsten gab es da keine großen Diskussionen."

Die Unterhaltung kommt auf der Freilichtbühne im Lößnitzgrund keinesfalls nicht zu kurz. Waghalsige Ritte, effektvolle Stunts und nicht zu vergessen das Pfeifen der Lößnitzgrundbahn, die zumindest kurz vor Vorstellungsbeginn im Hintergrund vorbeidampft. So wird eine Atmosphäre von Wildem Westen geschaffen wie man sie bei Mays Winnetou findet, als die Eisenbahngesellschaft ihre Gleise quer durch das Gebiet der Indianer verlegte. Insofern überrascht es nicht, dass die Landesbühnen Sachsen auch künftig Karl-May-Stücke auf dieser Bühne inszenieren wollen, immer unter dem Motto: "Der Lößnitzgrund ruft."

Die Aufführung "Winnetou I" von Olaf Hörbe nach Karl May auf der Freilichtbühne im Lößnitzgrund Radebeul.

Termine:
Samstag, 29. Mai, 19.30 Uhr (ausverkauft)
Sonntag, 30. Mai, 19.30 Uhr
Donnerstag, 3. Juni, 19.30 Uhr
Freitag, 4. Juni, 19.30 Uhr
Samstag, 5. Juni, 19.30 Uhr
Sonntag, 6. Juni, 19.30 Uhr
Donnerstag, 10. Juni, 19.30 Uhr
Freitag, 11. Juni, 19.30 Uhr
Samstag, 12. Juni, 19.30 Uhr
Sonntag, 13. Juni, 19.30 Uhr

Für das Publikum gelten die aktuell gültigen Hygienevorschriften des Freistaates Sachsen. Für den Eintritt ist der Nachweis eines tagesaktuellen negativen Corona-Testergebnisses notwendig. Vor Ort werden kostenfreie Tests angeboten.

Das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes ist auch während der Vorstellung vorgeschrieben. Zu fremden Hausständen muss ein Abstand von 1,5 Meter eingehalten werden.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Mai 2021 | 07:45 Uhr

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