Künstliche Intelligenz und Klassiker Was läuft im Theater? – Die spannendsten Aufführungen in Magdeburg, Dessau und Stendal im Dezember

In Magdeburg hat der neue Ballettdirektor seinen Einstand gegeben und konnte mit seiner ersten Arbeit gleich überzeugen. An der Elbe – Magdeburg und Dessau – gibt es überzeugende Romanadaptionen. Das Theater in Stendal ist wie so viele im Advent im Märchenrausch. Das sind die besten Aufführungen im Dezember.

Mehrere Menschen stehen in Magdeburg vor dem Eisernen Vorhang in einer Reihe.
Auf den Bühnen in Sachsen-Anhalt werden Erinnerungen verarbeitet. Bildrechte: Dorothea Tuch

Junges Schauspiel: "Monster wie wir" am Anhaltischen Theater Dessau 

Schmerz verschwindet nicht – das ist eine der traurigen Erkenntnisse dieses Abends am Anhaltischen Theater Dessau. Katrin Plötner hat den Romanerstling "Monster wie wir" der erfolgreichen Dichterin Ulrike Almut Sandig mit viel Energie auf die Bühne gebracht. Das Publikum verfolgt das Aufwachsen von Ruth und Viktor zwischen DDR und Wiedervereinigung. Das die beiden im Kindergarten Freunde werden, scheint unwahrscheinlich, doch beide teilen etwas – vor allem die Erfahrung von sexualisierter Gewalt. Die Familie arbeitet das nicht auf und der Schmerz wird unterdrückt. Ruth kompensiert es mit Musik und Viktor wird selbst zum Gewalttäter. In einem faszinierend wandelbaren Bühnenbild überzeugen Cara-Maria Nagler und Andreas Hammer mit ihrem Schauspiel und lassen auf der Bühne eine innige Beziehung entstehen. Ein berührender Theaterabend! 

Weitere Informationen "Monster wie wir" ist die Theateradaption des Romandebüts von Ulrike Almut Sandig.

Adresse:
Altes Theater Dessau
Am Alten Theater 13
06844 Dessau-Roßlau

Dauer: 60 Minuten, keine Pause

Termine:
1. Dezember, 18 Uhr
7. Dezember, 15 Uhr (Restkarten)
16. Dezember, 19 Uhr

Für Schauspiel-Freunde: "Im Menschen muss alles herrlich sein" am Theater Magdeburg

Dieser Abend in Magdeburg lebt von der Sprache und dem Spiel: "Die haben einfach Freude daran, zu spielen. Das Stimmungsspektrum reicht von heiter bis tieftraurig", freut sich MDR KULTUR-Kritiker Matthias Schmidt. Die Regisseurin Alicia Buddeberg hat den erfolgreichen Roman "Im Menschen muss alles herrlich sein" von Sasha Marianna Salzmann auf die Bühne des Magdeburger Theaters gebracht. Im Mittelpunkt stehen die Frauen Lena und Tatjana, die beide in der Sowjetunion aufgewachsen sind, aber inzwischen in Berlin leben. Immer wieder kommt es zu Konflikten mit ihren Töchtern, die nicht verstehen, warum die Mütter dem untergegangenen Land immer noch hinterhertrauern. Geschickt tippt die Inszenierung immer wieder andere geschichtliche Momente und zeigt damit auch, wie wichtig Erinnerung für die Gegenwart sein kann.

Weitere Informationen "Im Menschen muss alles herrlich sein" nach dem Roman von Sasha Marianna Salzmann
Für die Bühne bearbeitet von Alice Buddeberg und Viktoria Göke

Adresse:
Schauspielhaus Magdeburg
Otto-von-Guericke-Straße 64
39104 Magdeburg

Dauer: 150 Minuten

Termine:
11. Dezember, 18 Uhr
14. Dezember, 19.30 Uhr
25. Dezember, 19.30 Uhr

Märchen und Musik: "Die Bremer Stadtmusikanten" in Stendal

Es ist vielleicht die bekannteste Bandgeschichte aller Zeiten: Ein Hahn, eine Katze, ein Hund und ein Esel verabschieden sich von ihren Höfen und ziehen in die Welt – für eine Art zweiter Frühling. Der Autor Philipp Löhle hat aus dem Grimmschen Märchenklassiker ein Stück geschrieben, das nun auch in der Altmark zu erleben ist. "Regisseur Ulrich Cyran schafft es, in seinem Musiktheaterstück einerseits nah an der literarischen Vorlage des Grimmschen Märchens zu bleiben und die Handlung trotzdem ins Hier und Jetzt zu transportieren", ist Yulian Ide in der "Volksstimme" überzeugt.

Weitere Informationen "Die Bremer Stadtmusikanten" von Philipp Löhle nach dem Märchen der Brüder Grimm

Termine und Adressen:
Kulturhaus Salzwedel
Vor dem Neuperver Tor 10
29410 Salzwedel
am 4. Dezember, 15 Uhr

Theater Itzehoe
Theaterplatz
25524 Itzehoe
am 11. Dezember, 16 Uhr

Theater der Altmark
Karlstraße 6
39576 Stendal
am 24. Dezember, 10.30 Uhr
am 25. Dezember, 15 Uhr

Für Opernkenner: Puccinis "Turandot" am Theater Magdeburg

Lange musste Opernliebhaber in Magdeburg auf die Rückkehr der "Turandot" warten, die ganz am Beginn der Pandemie Premiere feierte. Der italienische Komponist Giacomo Puccini wollte mit diesem unvollständig gebliebenen Werk ein etwas grausames Märchen erzählen: Die Prinzessin Turandot verweigert sich all den Prinzen, die um Ihre Hand anhalten. Stattdessen stellt sie ihnen Rätsel und bestraft die fehlende Lösung mit dem Tod. Regisseur Michiel Dijkema versetzt diese Geschichte noch weiter in die Vergangenheit kurz vor der Bronzezeit und überzeugt dabei mit stimmigen Bildern. Bemerkenswert ist jedoch die Leistung der musikalischen Leitung, die eben nicht nur schwelgt, sondern die Brüche und Härte der Protagonistin unterstreicht. "Originell und überraschend" nannte Opernkritiker Roland Dippel diese Produktion in der "Neuen Musik-Zeitung".

Bühnenszene: Eine Frau mit Stofffetzen-Kleid und Schädelkrone hält einen Speer. Im Hintergrund sind weitere archaisch wirkende Personen in blaues Licht getaucht.
Michiel Dijkema hat in Magdeburg einen eigenwilligen Zugang zu "Turandot" gefunden. Bildrechte: Andreas Lander

Weitere Informationen "Turandot" von Giacomo Puccini in der Regie von Stephan Kimmig

Adresse:
Opernhaus Magdeburg
Universitätsplatz 9
39104 Magdeburg

Dauer: 150 Minuten

Termine:
4. Dezember, 16 Uhr
10. Dezember, 19.30 Uhr
25. Dezember, 19.30 Uhr

Für Tanz-Fans: "Verklärte Nacht/Mahler 4" am Theater Magdeburg

Arnold Schönberg komponierte seine "Verklärte Nacht" nach einem gefühlsstarken Gedicht von Richard Dehmel. Das nimmt auch Choreograf und Magdeburger Ballettchef Jörg Mannes auf und konzentriert sich vor allem auf die Emotionen, die er in Tanz übersetzt. Daran schließt auch der zweite Teil des Abends zu der Musik der Vierten Sinfonie von Gustav Mahler an – ein Zeitgenosse von Schönberg, aber mit einer anderen Tonsprache. Rolf-Dietmar Schmidt von der Volksstimme ist begeistert vom Einstand des Choreografen an der Elbe und zeigt sich begeistert von dem originellen Zugang zum Tanz: "Jörg Mannes gelingt eine Synthese von Mahlers Musik in Soli und Gruppentänzen, vor allem aber in Pas de Deux und Trois von unglaublicher Anziehungskraft."

Eine Frau in einem weißen Kleid streckt sich rückwärts weit nach hinten und wird dabei von einem Mann in weißem Shirt und schwarzen Hosen gehalten
Das Magdeburger Tanzensemble interpretiert "Verklärte Nacht" von Arnold Schönberg. Bildrechte: Nilz Böhme

Weitere Informationen Der Tanzabend "Verklärte Nacht/Mahler 4" von Jörg Mannes

Adresse:
Opernhaus Magdeburg
Universitätsplatz 9
39104 Magdeburg

Dauer: 130 Minuten, eine Pause

Termine:
11. Dezember, 18 Uhr
23. Dezember, 19.30 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. September 2022 | 07:40 Uhr

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