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Regie-DebütMaler Markus Lüpertz inszeniert "La Bohème" am Staatstheater Meiningen

von Mareike Wiemann, MDR KULTUR

Stand: 26. November 2021, 17:10 Uhr

Neo Rauch in Bayreuth oder Georg Baselitz in München: Bei der Kritik kam es in den vergangenen Jahren nicht unbedingt gut an, wenn Bildende Künstler sich am Genre Musiktheater versuchten. Dies hält das Staatstheaters Meiningen aber nicht davon ab, es nun auf die Spitze zu treiben – Malerstar Markus Lüpertz wird beim Opernklassiker "La Bohème" nicht nur Bühnenbild und Kostüme entwerfen, sondern auch die Regie übernehmen.

Markus Lüpertz hat sich in seinem 80-jährigen Leben künstlerisch durchaus ausgetobt. Er hat Gedichte geschrieben, Kirchenfenster gestaltet, und sich mit seinen neo-expressionistischen Bildern in die oberste Riege zeitgenössischer deutscher Künstler gemalt. Doch ein Lebenstraum blieb ihm bislang verwehrt: das Inszenieren einer eigenen Oper. Das ändert sich nun, in Meiningen erhält er mit "La Bohème" die große Bühne: "Ich bin kein Bühnenbildner, ich bin kein Regisseur. Ich bin ein Bildermaler. Und von dieser Idee des Bildermalens gehe ich aus. Ich versuche, mit diesem Apparat Oper ein Bild zu malen!"

Ein Bühnenbild ganz anders als "Tatort"

"La Bohème" als klingendes Bild auf der Bühne – durchaus passend für einen Maler, der sich selbst schon des Öfteren als Bohemien bezeichnet hat. Und der, so wie ja auch die Protagonisten in Puccinis Oper, als junger Mann in den 50er-Jahren Not hatte, sich von seiner Kunst zu ernähren.

Markus Lüpertz bei einer Probe. Bildrechte: Marie Liebig

Für Lüpertz spielte das bei der Auswahl des Werks aber keine Rolle, er wehrt sich gegen jedwede Form von realen Bezügen. Alles, was auf der Bühne zu sehen sei, sei von ihm erfunden, betont er. Und grenzt sich vom modernen Regietheater ab: "Das Ganze ist mehr einem Kasperletheater ähnlich als der heutigen Bühne. Ich mag es einfach nicht, wenn Inszenierungen immer aussehen wie der Tatort im Fernsehen. Das geht mir auf den Wecker."

Und so singen Lüpertz' Protagonistinnen und Protagonisten nach vorne, zum Publikum hin. Im Stehen. "Ich will nicht, dass sie gehen wie man geht, dass sie singen, wie sie singen", so der Maler, "Ich will, dass sie ein ganz bestimmtes Ritual einhalten." Es solle ein bestimmter Reigen getanzt werden, der bei den großen Arien vorne an der Bühne ende: "Damit sie wirklich die Musik feiern können. Dass die Farben, die sie darstellen, singen."

Requisiten und Kostüme aus dem eigenen Pinsel

Verschiedene Kostüme auf einer Kleiderstange. Bildrechte: Marie Liebig

Seit Anfang November ist Lüpertz nun in Meiningen, von früh bis spät leitet er die Proben und arbeitet im Malsaal, denn auch Bühnenbild und Kostüme stammen von ihm. Die Gewänder sind schlicht und sackartig, sie werden von ihm bemalt. Und auch die Requisiten sind nicht etwa dreidimensionale Gegenstände, sondern durchweg gemalt. Ein Wagen ist nicht schlicht ein Wagen, sondern ein Pappaufsteller, auf den ein Wagen aufgemalt wurde.
Ein Konzept, das laut Theaterintendant Jens Neundorff von Enzberg aufgeht: "Ich bin immer wieder beeindruckt, mit welcher Kreativität, aber auch Schnelligkeit Lüpertz in der Lage ist, Dinge visuell sichtbar zu machen!“

Der Unterschied zu Neo Rauch

Den Intendanten und den Maler verbindet eine langjährige Freundschaft, sie haben bereits in Bonn und Regensburg zusammen gearbeitet. Neundorff von Enzberg traut Lüpertz zu, dass er die Herausforderung Regie meistern wird.

Markus Lüpertz und Jens Neundorff von Enzberg Bildrechte: Marie Liebig

Dennoch betont er, dass "La Bohème" kein Freifahrtschein sei. Lüpertz arbeite mit einem erfahrenen Co-Regisseur zusammen, der seine Vorstellungen in konkrete Handlungsanweisungen für die Bühne übersetze. Nach anfänglichen Schwierigkeiten arbeite man nun sehr produktiv zusammen. Neundorff von Enzberg ist zuversichtlich, dass dieses Opernexperiment besser ausgeht als diejenigen von Neo Rauch oder Georg Baselitz: "Ich glaube, im Unterschied zu den beiden anderen Künstlern bleibt Lüpertz auf eine sehr spezielle Art und Weise seinen Möglichkeiten treu und versucht gar nicht, etwas zu imitieren, was er vielleicht nicht aus dem Handwerk heraus kann."

Überregionale Aufmerksamkeit

Wie auch immer die Oper am Ende bei der Kritik ankommt, positiv für das Meininger Theater ist schon jetzt das große Medieninteresse. Die Süddeutsche Zeitung war da, der ORF auch, das passiert nicht alle Tage. Markus Lüpertz geht mit den vielfältigen Erwartungen auf seine ganz eigene Weise um. Es sei eine Hybris, oder ein Versuch, der vielleicht auch scheitere.

Vielleicht klappt das alles gar nicht, was ich mir vorstelle. Dann kann ich nur hoffen, dass es wegen der Pandemie abgesagt wird.

Markus Lüpertz

Mehr zur InszenierungStaatstheater Meiningen
Bernhardstr. 5, 98617 Meiningen

Die Premiere ist geplant für den 10. Dezember.

Weitere Termine:
Sonntag, 12. Dezember um 18 Uhr
Sonntag, 19. Dezember um 15 Uhr
Sonnabend, 25. Dezember um 18 Uhr
Donnerstag, 6. Januar um 19:30 Uhr
Freitag, 14. Januar um 19:30 Uhr
Sonntag, 23. Januar um 18 Uhr
Sonnabend, 12. Februar um 19:30 Uhr
Donnerstag, 3. März um 19:30 Uhr
Sonnabend, 26. März um 19:30 Uhr
Sonntag, 3. April um 18 Uhr
Sonntag, 17. April um 18 Uhr

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 27. November 2021 | 08:45 Uhr