Vorbericht Premiere: Christoph Heins Roman "Guldenberg" kommt in Meiningen auf die Bühne

Christoph Hein gilt als genauer Beobachter und Chronist ostdeutscher Lebensverhältnisse. Zum Schauplatz seines jüngsten Romans machte er die kleine fiktive Stadt "Guldenberg". Dort gerät alles in Aufruhr, als eine Gruppe junger Syrer in ein Heim am Stadtrand einquartiert wird. Am Samstag feiert die Inszenierung von Regisseur Max Claessen am Staatstheater Meiningen Uraufführung. Dafür holt er auch Geflüchtete auf die Bühne. Ein Vorbericht.

Christoph Heins Roman "Guldenberg" in einer Bühnenfassung am Staatstheater Meiningen
Am 26. November feiert "Guldenberg" nach dem Roman von Christoph Hein in Meiningen Premiere. Bildrechte: Staatstheater Meiningen / Fotograf: Jochen Quast

Los geht es mit Beschimpfungen und zerstochenen Reifen, dann fliegen Steine und am Ende ein Molotow-Cocktail. Christoph Heins "Guldenberg" dokumentiert die Chronik fremdenfeindlicher Eskalation. Ausgelöst durch die neuerliche Anwesenheit einer Gruppe unbegleiteter junger Syrer und Afghanen, die in einem Gebäude am Stadtrand untergebracht sind.

Geflüchtete auf der Meininger Bühne

Max Claessen, der seit über zehn Jahren als freischaffender Regisseur arbeitet und zuletzt an den Theatern in Lübeck und Münster inszeniert hat, holt in der Meininger Uraufführung die auf die Bühne, die aus eigener Erfahrung sprechen können.

Mir war wichtig, dass die Geflüchteten auch von Geflüchteten gespielt werden, anders hätte das für mich nicht funktioniert.

Regisseur Max Claessen

Überschneidung von Fiktion und Realität

Diese Überschneidung von Fiktion und Realität soll das Schicksal der Figuren plastischer machen. Gespielt werden Adil, Enis und Hakim von drei jungen Männer aus Syrien, die als Jugendliche vor dem Krieg nach Deutschland geflohen sind. Heute sind sie in Schule, Ausbildung und Beruf. Theater haben sie bisher, wenn überhaupt, nur hobbymäßig gemacht. Die gemeinsame Arbeit von Professionellen und Laien hat Claessen als sehr befruchtend wahrgenommen: "Es wirkt sich auf die Spielweise aus, fördert die Durchlässigkeit."

Heins "Guldenberg" als Folie für die ostdeutsche Provinz mit klischeehaften Figuren

Buchcover - Christoph Hein: "Guldenberg"
2021 erschien Christoph Heins jüngster Roman "Guldenberg". Bildrechte: Suhrkamp Verlag

Das Städtchen "Guldenberg" wird in dem Roman von Christoph Hein als scheinbar austauschbare Schablone ostdeutscher Provinz angelegt. Die Figuren, die er skizziert, sind dabei entschieden klischeehaft gehalten. Die zugewandte, aber unsentimentale Leiterin der Flüchtlingsunterkunft. Ein Priester als guter Hirte. Ein überforderter Bürgermeister, der versucht im Chaos Dienst nach Vorschrift zu machen. Ein Dorf-Polizist, der daran arbeitet, das stetige Stammtisch-Geraune salonfähig zu machen.

Verhärtete Fronten und "versperrte Seelen"

Christoph Hein, Schriftsteller
Schriftsteller Christoph Hein Bildrechte: IMAGO / epd

Die Fronten in Guldenberg lassen sich nicht aufweichen, sodass es auch für die Figuren keinen Raum für Entwicklung gibt: Gut bleibt gut und böse bleibt böse. Der Abend von Regisseur Claesson sucht dennoch nach Momenten der Begegnung zwischen Figuren, in denen der ganze Schwulst aus Verbitterung und Hass abfällt, die Ideologie kurz erschlafft und die Gemeinsamkeit des Menschseins, mit allem was dazu gehört, sichtbar wird:

"Es gibt diesen Satz im Stück – 'Die Seelen sind versperrt' der ist für mich bezeichnend für die Einwohner der Stadt Guldenberg", sagt Regisseur Claessen. Auch wenn die Handlung in Ostdeutschland angesiedelt ist, soll der Abend kein Ost-Bashing sein. Was die Erzählung im Kern rüber bringen möchte, ist aus Sicht des gebürtigen Hannoveraners eine universelle Herausforderung: Es zeigt, was passiert, wenn die Globalisierung mit ihren Folgen auf reaktionäre Gesellschaftsbilder prallt. "Vor hundert Jahren sind natürlich noch keine Syrer nach Deutschland geflüchtet."

Angaben zum Stück Staatstheater Meiningen - Kammerspiele
Bernhardstraße 5
98617 Meiningen


"Guldenberg"
26. November - Premiere
Publikumsgespräch im Anschluss

Weitere Aufführungen:
26.11., 19:30 Uhr
29.11., 19:30 Uhr

04.12., 19 Uhr
22.12., 19:30 Uhr

08.01., 19 Uhr

03.02., 19:30 Uhr
15.02., 19:30 Uhr

09.03.2023, 19:30 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. November 2022 | 08:15 Uhr

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