Spielzeit 2021/22 Neuer Intendant, neue Spielzeit, neue Pläne für das Meininger Theater

Der künftige Meininger Theaterintendant Jens Neundorff von Enzberg stellt seine Pläne für die neue Spielzeit 2021/22 vor. Geplant sind Klassiker wie die "Zauberflöte", "Lohengrin", "Der Fliegende Holländer", aber auch ein Musical und Neuinterpretationen von alten Texten. Was von Enzberg umtreibt, hat er MDR KULTUR-Autorin Blanka Weber erzählt.

Jens Neundorff von Enzberg, aktuell Intendant am Theater Regensburg, steht vor dem Meininger Theater. Neundorff von Enzberg wird ab der kommenden Spielzeit das Meininger Theater leiten
Jens Neundorff von Enzberg, aktuell Intendant am Theater Regensburg, steht vor dem Meininger Theater. Neundorff von Enzberg wird ab der kommenden Spielzeit das Meininger Theater leiten. Bildrechte: dpa

Derzeit pendelt Jens Neundorff von Enzberg noch zwischen dem bayrischen Regensburg und dem südthüringischen Meiningen. Während er in Bayern ein Fünf-Spartenhaus leitet, erwarten ihn in Thüringen gleich zwei Häuser – neben Meiningen auch das Landestheater in Eisenach. Beide werden von einer Kulturstiftung getragen und sind trotzdem von einer Gemengelage, die herausfordernd sein dürfte. Von Enzberg ist optimistisch: "Ich freue mich auf ein größeres Haus, als ich es momentan leite. Die Möglichkeiten in Meiningen im Musiktheater sind wirklich richtig angenehm, schier unerschöpflich."

Der designierte Intendant – übrigens ein gebürtiger Ilmenauer – war bereits Anfang der 90er-Jahre in Meiningen Dramaturg. Seine jetzigen Pläne fasst er so zusammen: "Ich bin ein großer Fan des Ensembletheaters und ich muss sagen, wir werden in der kommenden Spielzeit die sieben Musiktheater-Premieren nahezu aus dem eigenen Musiktheater Ensemble besetzen können. Wir haben insgesamt 18 Sängerinnen und Sänger."

Vom "Fliegenden Holländer" bis zum Musical – von Enzberg als "Ermöglicher"?

Intendant Jens Neundorff von Enzberg, Meininger Staatstheater
Jens Neundorff von Enzberg Bildrechte: Christina Iberl

Geplant sind unter anderem eine Händel-Oper im September und der "Fliegende Holländer" im Oktober. Folgen sollen "Lohengrin", "Die Zauberflöte" und auch ein Musical steht als Premiere auf dem Programm. Für die Puccini-Oper "La Bohème" soll der Künstler Markus Lüpertz Regie, Bühnenbild und Kostüme verantworten. Damit werde sich Lüpertz zum ersten Mal in seinem Leben mit Musiktheaterregie befassen, erklärte Neundorff von Enzberg. Er habe mit dem Maler bereits andere Male zusammengearbeitet: "Nach Neo Rauch in Bayreuth und Baselitz in München, wird nun Lüpertz in Meiningen arbeiten."

Bewährtes, Bekanntes, aber auch Neues will Jens Neundorff von Enzberg wagen, vor allem Schauspiel: "Was gibt es für Stücke, die wir möglicherweise noch nicht kennen, die in ihrer Zeit sehr erfolgreich waren, da gilt es zu befragen, warum die möglicherweise versunken sind oder ist es gerecht oder ungerecht." Genau so hat er es auch bislang in Regensburg gehandhabt. Als er damals dort antrat, wollte er sich ausdrücklich aus "Ermöglicher" verstanden wissen.

Kronleuchter an der goldenen Decke im Theater Meiningen
Kronleuchter an der goldenen Decke im Theater Meiningen Bildrechte: MDR/Heinz Diller

Er holte Stücke wie das selten gespielte und 1870 in Weimar uraufgeführte "Dame Kobold" auf die Bühne; liebevoll inszeniert und mit guten Kritiken bedacht. Der "Otello" im vergangenen September musste anders werden. Und auch jetzt fegt die Pandemie manche Idee vom Tisch: "In so einer Situation ist natürlich auch noch eine andere Form von Kreativität gefordert und das ist einerseits aufregend, andererseits hat es natürlich auch immer so dieses gewisse Maß der Unsicherheit", so der künftige Intendant.

Das Interessante bei dieser Pressekonferenz war, dass die Staatssekretärin in Erfurt und der Bürgermeister von Meiningen beide ein klares Bekenntnis zu dem Theater abgegeben haben. Das ist ja die ganz große Angst aller Theatermacher, dass die Träger, die Zuwendungsgeber ihnen das Geld entziehen, weil ja absehbar das Steueraufkommen – sagen wir mal optimistisch – nicht wachsen wird. Es wird wahrscheinlich eher sinken.

Uwe Friedrich, MDR KULTUR-Theaterexperte

Neues Team mit neuem Schauspieldirektor

Er weiß, Theater ist immer ein Seismograph und ein Schaufenster nach außen – aber auch etwas, mit dem sich eine Stadtgesellschaft identifizieren will. Und so kommt Jens Neundorff von Enzberg mit einem neuen Team – und auch mit einem neuen Schauspieldirektor nach Meiningen. 

Ich (...) habe auch die Erfahrung gemacht, dass gerade auch das Meininger Publikum sehr offen ist für Neues, für neue Wege und da denke ich, werden wir hoffentlich in einen interessanten Austausch kommen.

Jens Neundorff von Enzberg, Meininger Theaterintendant ab der Spielzeit 2021/22

Von Enzberg will Meiningen überregional stärken

Gleich nach seinem Studium war von Enzberg vier Jahre lang Dramaturg in Meiningen, wechselte später an die Staatstoper Dresden, das Theater Bonn und auch nach Braunschweig. In Regensburg hat er sich stark gemacht für andere Formen von Begegnung zwischen Mensch und Kunst. Aus "Lola rennt" wurde eine Oper und die Jugend erreichte er mit einem Nachtangebot ab 22 Uhr mitten in der Stadt.

Und jetzt also Meiningen. Von Enzberg reizt das Potenzial und der Auftrag, den Ort überregional noch etwas mehr zu stärken. Und vielleicht ist manch ein Stoff dabei, für den jetzt die Zeit reif ist, um aus Alt etwas Neues zu machen. Ausgrabungen reizen ihn, ungewöhnliche Handlungen oder Bekanntes – aber anders erzählt.

In Meiningen ist es so, dass sie die Nachfrage der Schulen gar nicht befriedigen konnten in der Vergangenheit, jetzt eine neue Spielstätte dazu nehmen. Also geradezu eine Insel der Seligen in Meiningen, wo das Theater – auch Verdienst des scheidenden Intendanten Ansgar Haag – wieder so ist, dass denen das Theater eher eingerannt wird.

Uwe Friedrich, MDR KULTUR-Theaterexperte

Ausdrückliches Lob an Vorgänger, Produktions-Übernahmen geplant

Ansgar Haag
Sein Vorgänger Ansgar Haag. Bildrechte: dpa

Manch eine Produktion wird er in der neuen Spielzeit aus der alten übernehmen, weil diese noch nicht aufgeführt werden konnte. Bei anderen sei man sich gar nicht mehr sicher, ob sie jemals zu sehen sein würden. Ausdrücklich lobt Jens Neuendorff von Enzberg den "Noch-Intendanten" Ansgar Haag. Man habe eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und Übergabe. Dass trotzdem einige Ensemblemitglieder derzeit den Hut nehmen oder nehmen müssen, sei hier nur am Rande erwähnt und – so heißt es – das sei ja auch normal im Theater.

Mit "1.000 Serpentinen Angst" nach dem hochgelobten Roman von Olivia Wenzel wird im September das Schauspiel neue Akzente setzen. Ein Doppelabend aus Shakespeares "Julius Caesar" und "Die Politiker" von Wolfram Lotz sowie die Tragödie "Antigone" folgen. Man darf gespannt sein – und der neue Intendant ist es vermutlich auch.

Von Streaming, von Bearbeitungen für kleine Versionen war gar nicht die Rede. Alle hoffen darauf, dass das gesamte Land Deutschland eine Anstrengungen unternimmt, vor der Bundestags- und Landtagswahl in Thüringen, damit im Herbst wieder ein "normaler" Theaterbetrieb möglich ist.

Uwe Friedrich über die Vorstellung des Spielplans des Meininger Theaters

Passend zum Thema weiterlesen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. April 2021 | 16:10 Uhr

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei