Sommertheater in alter Silbermine "Ein Sommernachtstraum" in Freiberg: Theater mit viel Tempo und wenig Tiefgang

"Ein Sommernachtstraum" ist ein beliebtes Stück für Sommertheaterinszenierungen. Das Mittelsächsische Theater in Freiberg hat für die Inszenierung einen einzigartigen Spielort gefunden: die historische Silbermine "Alte Elisabeth". Das Theater setzt den Ort faszinierend in Szene. Die Regisseurin überzeugt mit viel Tempo, aber schafft wenig Tiefgang.

Ein Sommernachtstraum in Freiberg 4 min
Bildrechte: Jörg Metzner/Mittelsächsisches Theater

Hoch über Freiberg, wo einst das montane Herz der alten Bergstadt schlug, liegt das Gelände des historischen Silberbergwerks "Alte Elisabeth". Es ist ein Ort, zu dem gerade die jungen Freiberger gerne abends pilgern, um hier beim Sonnenuntergang zu picknicken und sich danach auf mitgebrachter Decke vielleicht noch ein bisschen näher zu kommen.

Der Ort passt also bestens zum Liebestaumel in Shakespeares "Sommernachtstraum", den das Mittelsächsische Theater in diesem Jahr als Sommertheaterstück gewählt hat. Das weiß auch der Mann am provisorischen Theaterkassenhäuschen, der heute Abend aber streng bleibt. "Wir mussten gerade wieder ein paar junge Leute wegschicken", meint er. "Ohne Ticket kommt heute keiner auf den Berg."

Ein Sommernachtstraum in Freiberg 4 min
Bildrechte: Jörg Metzner/Mittelsächsisches Theater
Ein Sommernachtstraum in Freiberg 4 min
Bildrechte: Jörg Metzner/Mittelsächsisches Theater

Theater im Freiberger Museumsbergwerk

Die Vorstellung ist ausverkauft: 400 Besucher sind zu Fuß oder mit dem Shuttle hochgekommen. Die Anfahrt mit dem Auto empfiehlt sich wegen der unübersichtlichen Baustellensituation nur Menschen mit bester Schleichwegkenntnis! Los geht es eigentlich erst um 21 Uhr, doch ein Großteil des Publikums ist schon weitaus früher da, vielleicht wegen des Sonnenuntergangs oder wegen alter Erinnerungen an eine ganz persönliche Sommernacht – wer weiß.

Pragmatische Typen mögen auch wegen der freien Platzwahl etwas eher gekommen sein. Ist der Sitzplatz in bester Lage erstmal gesichert, kann man sich dann von bereitstehenden Museumsbergmännern die alten Schachtanlage erklären lassen oder am Verpflegungszelt mit einem extra kreierten "Skakes-Beer" des ortsansässigen Brauhauses die Zeit vertreiben.   

Großartiges Lichtdesign

Punkt neun Uhr schlägt ein Gong dreimal und es kommt Leben auf die Halde. Die ersten Ahs und Ohs gibt es für die vom Ausstatter Tilo Staudte entworfene sommernachtstraumhafte Spiellandschaft hier oben auf dem Berg. Der Mann kann nicht nur Operetten-Seebühne auf der Talsperre Kriebstein, sondern auch Shakespeare-Klassik im Montanrevier. Mit viel Licht wird die Natur im Stil einer großen Show in Szene gesetzt. Das setzt ein nicht nur spiel- sondern auch lauffreudiges Ensemble voraus.

Ein Sommernachtstraum in Freiberg
Ausstatter Tilo Staudte hat die Mine in einer mythischen Ort verwandelt. Bildrechte: Jörg Metzner/Mittelsächsisches Theater

Darauf kann Regisseurin Annett Wöhlert bauen. Sie hat den Klassiker auf eine 90-minütige pausenlose Variante zusammengestrichen, die dem Kenner des Stücks nichts vorenthält, den Neuling sozusagen mit Spielfilmlänge bei Laune hält.

"Ein Sommernachtstraum" in Freiberg: Viel Show ohne Feinheiten

So jagt nicht nur der allgegenwärtige Puck durchs Revier. Auch alle anderen Darsteller sind auf der ungefähr hektargroßen Spielfläche im rasanten Hin und Her unterwegs und dank gut ausgesteuerter Mikro-Ports dabei aber jederzeit gut zu verstehen.

Ein Sommernachtstraum in Freiberg
Die Inszenierung fordert viel Tempo vom Ensemble. Bildrechte: Jörg Metzner/Mittelsächsisches Theater

Bei dieser Form des gewollten Theatersports bleibt freilich die eine oder andere Feinheit des Stücks auf der Strecke – ein Tribut an das Spektakel, das weitaus größer hätte sein können, wenn die von der Freiberger Theatertischlerei grandios in die Landschaft gezimmerte Skater-Bahn auch als solche genutzt worden wäre. Warum die von der Ausstattung bereitgestellten Roller aber nur dafür genutzt werden, um ab und zu etwas uninspiriert durchs Wiesengras geschubst zu werden, bleibt ein Geheimnis des Abends – oder vielleicht des Arbeitsschutzbeauftragten am Mittelsächsischen Theater.

Was der Freude des Publikums am Ende aber keinen Abbruch tat. Das Ensemble wurde mit lang anhaltendem Applaus zu einigen zusätzlichen Sprinteinlagen mit anschließender Verbeugung gezwungen. Einer Pflicht, der man offensichtlich gerne nachkommt.

Weitere Informationen "Ein Sommernachtstraum" ist eine Produktion des Mittelsächsischen Theater Freiberg-Döbeln in der historischen Silbermine "Alte Elisabeth".

Fuchsmühlenweg
09599 Freiberg

Regie: Annett Wöhlert
Ausstattung: Tilo Staudte
Mit: Martin Ennulat, Susanna Voß, Anna Bittner, Farina-Liza Tollewski, Peter Peniaška, Robert Kapelle, Las Fuegas und Voice Dance

Termine:
13. und 14. August jeweils um 21 Uhr
15., 17., 20., 21. und 22. August jeweils um 20 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. August 2021 | 07:10 Uhr

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