Bärenzwinger Dresdner Sommertheater gendert mit Witz: "Moliéres Frauen"

Spaß haben, die Welt verändern und damit Geld verdienen. So lautet das Motto der Kammerspiele Dresden. Täglich außer montags bringt die Truppe um Impresario Peter Förster ein Stück auf die Bühne im Dresdner Bärenzwinger und avanciert so seit Jahren zum "meistgespielten Sommertheater". Diesmal wagt sie sich an die Genderproblematik. Förster hat sich, unterstützt von Shakespeare und Moliére, dem Miteinander der Geschlechter in der Ehe gewidmet, ohne erbitterte Kampfhaltung, dafür zutiefst human und mit Witz.

"Moliéres Frauen – Ein Shakespeare aus Paris"
Bildrechte: Kammerspiele Dresden

Was steckt eigentlich hinter dem Superlativ "meistgespieltes Dresdner Sommertheater"? Machen wir es kurz: Ein Mann und sein Theater. Peter Förster ist im besten Sinn ein Impresario. Er schreibt und inszeniert die Stücke, sitzt an der Kasse und begrüßt das Publikum persönlich. Wenn er auch noch mitspielen würde, dann wäre er so etwas wie der Willi Millowitsch von der Elbe. Aber das tut er nicht, das Spielen überlässt er anderen.

Sommertheater täglich außer montags

Nämlich einem Pool von professionellen Schauspielern aus ganz Deutschland. Und wenn es heißt: 'Wir machen Sommertheater." Dann gibt es jede Menge Arbeit. Denn meistgespieltes Dresdner Sommertheater bedeutet, dass die Darsteller bis zum 5. September täglich außer montags auf der Bühne stehen. Das müssen sie auch, da die Kammerspiele eine private Bühne sind, die sich nicht durch Fördermittel, sondern das Eintrittsgeld der Zuschauer finanziert. Originalton Peter Förster:

Eh ich mit so einem Fördermittelantrag durch bin, habe ich doch schon wieder ein Stück geschrieben.

Peter Förster Impresario der Kammerspiele Dresden

Spaß haben, die Welt verändern und damit Geld verdienen

Klingt gut und erklärt auch das Motto der Truppe: "Spaß haben, die Welt verändern und damit Geld verdienen". Diesmal mit "Moliéres Frauen – Ein Shakespeare aus Paris". Dieser Titel findet sich in keinem Werkverzeichnis. Denn auch wenn sich Peter Förster traditionell bei Shakespeare bedient und diesmal, weil er beim Alten aus Stratford schon genug gewildert hat, bei Moliére gelandet ist, schreibt er alles selbst. Bedient sich motivisch bei den alten Meistern. Bleibt auch stilistisch bei ihnen. Als Reime-Schmied, gern auch mal mit dem groben Hammer, doch immer mit Sinn und Verstand.  

Komödie mit Köpfchen

Mit viel Humor und Anstand, Werk und Publikum gegenüber. Das nicht vor den Kopf gestoßen, sondern unterhalten sein will. Was ja nicht ausschließt, dass es dabei auch seinen Kopf einsetzt. Worum geht's konkret? Auf den Punkt gebracht, um das Miteinander der Geschlechter in der Ehe. Das packt Peter Förster facettenreich in eine "Drunter-und-drüber-Dramaturgie": Alter Junggeselle holt sich ein junges, unbedarftes Mädchen zwecks Heirat aus einem klösterlichen Waisenhaus ins eigene Heim. Junger Mann entdeckt sie dort zufällig im Bade und ist blitzverliebt. Was auf Gegenseitigkeit beruht und sofort von der Magd des Hauses, die wiederum auf den Jüngling scharf ist, bemerkt wird. Dazu gibt es dann noch den Vater des Jünglings, der es in Amerika zu Reichtum und einer geheimnisvollen Verlobten gebracht hat, mit der es ihn zurück in die alte Heimat zieht. Eine krude Konstruktion, an der sich so ziemlich alles abarbeiten lässt, was zwischen den Geschlechtern so abgeht.

Traditionelles Familienbild trifft Gender-Wirklichkeit  

Da bleibt nichts außen vor. Da klingt das augenzwinkernde Miteinander von Frauen an, oder das, was einen Mann in Frauenkleidern ausmacht. Doch nicht in schrillen Scharaden, sondern im gewitzten Extemporieren. Und wenn dann in einem erregten Zwiegespräch zwischen Herrschaft und Magd mal das Wort "Mitarbeiterin" ausgesprochen wird, lacht der Saal und wir sind mittendrin in dieser Sternchen-Unterstrich-Innen-I-Debatte. Das bleiben aber nonchalante Eingriffe voll Heiterkeit. Hier gibt es keinerlei verbitterte Kampfhaltung von welcher Seite auch immer. Das ist zutiefst humanes Theater für ein menschgebliebenes Publikum.

Am Ende alles gut?

Da sind fünf Schauspieler, die auf einer kleinen Bühne in erstaunlich kostbaren Kostümen alles geben. Simon Altmann einen skurrilen alten Junggesellen. Sandra Eckhardt ist umworbenes Waisenkind und ihr eigner Schwiegervater. Nadine Pirchi eine resolute Zofe mit Hang zur "Jetzt-aber-los-Erotik". Leonie Hassfeld weiß als Bordellchef und Äbtissin, wie als mütterlicher Deus Ex Machina zu überzeugen. Thomas Zimmer bleibt der fast schon undankbare junge Liebhaber, den er aber als überzeugenden Anchorman des Normalmenschlichen auf die Bühnen stellt.

Fazit: So sieht es aus, wenn ein kleines, feines Team einen verdienten Erfolg einfährt.

Angaben zum Stück "Moliéres Frauen – Ein Shakespeare aus Paris"
Kammerspiele Dresden
Buch & Regie: Peter Förster

Täglich außer montags
Bis 5. September, jeweils 20 Uhr

Bärenzwinger
Brühlscher Garten 1
01067 Dresden

Karten-Telefon: 0351 / 212 67 23

Theater in Sachsen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Juli 2021 | 08:40 Uhr

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