Personalentscheidungen Theaterstreit: Bühnen Halle kommen nicht zur Ruhe

Eigentlich schien der Theaterstreit in Halle beendet. Die als Ursache ausgemachten Personen – Geschäftsführer Stefan Rosinski und Opernchef Florian Lutz – gehen weg. Doch nun schwelt ein neuer Konflikt an den Halleschen Bühnen. Warum in Halle noch immer kein Frieden einkehrt, hat Theo M. Lies für MDR KULTUR erkundet.

Opernhaus in Halle 4 min
Bildrechte: IMAGO

Eigentlich schien der Theaterstreit in Halle beendet, die als Ursache ausgemachten Personen, Geschäftsführer Rosinski und Opernchef Lutz gehen weg. Doch nun schwelt ein neuer Konflikt an den halleschen Bühnen.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 15.02.2021 15:30Uhr 03:54 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Der Theaterstreit von Halle hat die Saalestadt immer wieder in die Schlagzeilen gebracht, in den letzten beiden Jahren lähmte er den Kulturbetrieb und endete im Sommer 2020 schließlich mit der Trennung der beiden vermeintlichen Streithähne: Geschäftsführer Stefan Rosinski und Opernintendant Florian Lutz. Doch nun flammt erneut ein Konflikt auf, denn im Aufsichtsrat der Theater Oper Orchester Halle GmbH (TOOH) fliegen weiter die Fetzen.

Bernd Wiegand
Halles OB Bernd Wiegand ist Vorsitzender im Aufsichtsrat der Bühnen Halle Bildrechte: imago/VIADATA

Das ist nach wie vor für mich hier ein Krieg, der gegen die Geschäftsführung geführt wird. Und deshalb kann ich nur alle Beteiligten dringend aufrufen, auf den Friedenspfad zurückzukehren.

Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand

Zwei Lager im Aufsichtsrat

Was war geschehen? Im Aufsichtsrat der TOOH polarisierte der Streit von Geschäftsführer Rosinski und Opernintendant Lutz auch dieses Gremium und schuf zwei Lager. Eine klassische Ausgangssituation für ein bühnenreifes Drama.

Florian Lutz, Operndirektor, Intendant, Oper Halle
Florian Lutz Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Das Zünglein an der Aufsichtsrats-Waage sind dabei die Vertreter der TOOH-Mitarbeiter. So kam es, dass mit wechselnden Mehrheiten beide Streithähne schließlich das Haus verlassen mussten.

Während Lutz bereits vorfristig aus seinem Vertrag entlassen wurde und mit Walter Sutcliffe bereits der Nachfolger feststand, war die Stelle des Geschäftsführers jedoch vakant. Kurzerhand wurde mit Uta van den Broeck eine Hallesche Wirtschaftsprüferin ins Amt gehoben, ohne ein bereits anlaufendes Auschreibungsverfahren abzuwarten.

Das läge durchaus in den Kompetenzen eines Aufssichtsrates, meint Inés Brock, die für Bündnis 90/Die Grünen in dem Gremium sitzt und zum Lager der Florian-Lutz-Unterstützer zählt. Sie sagt: "Die Rechtsauffassung, die ich – unter anderem auch der Oberbürgermeister und die BBMA, also die Beratungsgesellschaft, die wir als Stadträte haben – vertrete, ist, dass der Aufsichtsrat durchaus auch Geschäftsführer bestellen kann. Jenseits eines Verfahrens, wie man es möglicherweise in anderen Stellenbesetzungen hat. Ich gebe zu, dass das sozusagen eine Entscheidung war, die sehr schnell gefällt werden musste. Aber das lag natürlich an der Geschichte, dass wir ja sehr schnell auch eine funktionierende Geschäftsführung haben mussten, nachdem klar war, dass Rosinski sozusagen freigestellt ist."

Klage vor Gericht gegen die Stellenbesetzung

Doch Brocks Rechtsauffassung wird nicht von allen geteilt. Vor allem nicht von dem parteilosen Stadtrat Detlef Wend, der als stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat sitzt. Er führt an: "Ein Neustart wäre für mich gewesen, wenn wir im Rahmen der Ausschreibung des Geschäftsführers jemanden genommen hätten, der von außen auf die Sache guckt, der von außen kommt und der die Gemüter, die unterschiedlichen Fraktionen beruhigen kann."

Wir haben jetzt Folgendes gemacht: Es ist eine Geschäftsführerin ausgewählt worden, die eben aus einer dieser Streitfraktionen stammt. Das heißt, mit der neuen Geschäftsführerin ist eigentlich diese Konfliktlinie indirekt wieder hineingetragen worden.

Detlef Wend, stellvertretender Vorsitzender im TOOH-Aufsichtsrat
Stefan Rosinski, 2016
Stefan Rosinski Bildrechte: dpa

Nun klagt Wend gemeinsam mit zwei weiteren Aufsichtsratskollegen des erklärten Rosinski-Lagers gegen die Stellenbesetzung vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts Halle. Eine Entscheidung wird frühestens im April erwartet. Das brachte ihnen den Vorwurf ein, demokratische Entscheidungen nicht zu akzeptieren, wenn die Mehrheiten eben gegen die eigenen Auffassungen stehen.

Ein Stellvertreterkrieg?

All das hat sich in den letzten Wochen weitgehend hinter den verschlossenen Türen der Gremien abgespielt. Bis der Wirtschaftsplan der TOOH-Geschäftsführung im Stadtrat beschlossen werden sollte.

Der ist als solcher bereits im Finanzausschuss beraten und dort mehrheitlich zur Beschlussfassung weitergereicht worden. Dazu gehörte auch der Vorschlag, einen Assistenten der Geschäftsführung mit juristischen Kenntnissen für die komplexe Vertragsgestaltung einzustellen sowie auch die Theaterpädagogik endlich wieder zu besetzen. Doch bei der Abstimmung vor zwei Wochen wurden beide Stellen abgeschmettert.

Das ist so ein bisschen Stellvertreterkrieg. In der Vergangenheit war es eher die Ausnahme. Ich kann mich an keinen konkreten Fall erinnern, wo der Stadtrat im Nachhinein nochmal in Wirtschaftspläne hineinregiert hat.

Inés Brock

Am Mittwoch steht der Wirtschaftsplan noch einmal auf der Tagesordnung des Stadtrates Halle. Dessen vorangegangene Online-Sitzung muss wegen juristischer Bedenken komplett wiederholt werden. Und wieder gibt es zwei Lager: die einen, wie Inés Brock, wünschen sich eine erneute Diskussion der TOOH-Pläne – und die anderen, wie Detlef Wend, nur noch eine formale Absegnung der fraglichen fünf Beschlüsse en bloc. Doch das wird wohl erst am Sitzungstag entschieden.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Februar 2021 | 16:10 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Kultur

Grit Lemke  vor dem letzten noch vorhandenen Block des damaligen Vertragsarbeiterwohnheims mit Audio
Grit Lemke, aufgewachsen in Hoyerswerda, vor dem letzten noch vorhandenen Block des damaligen Vertragsarbeiterwohnheims. Sie wohnte in der gleichen Straße, wurde vom Angriff im benachbarten Jugendklub "Der Laden" völlig überrascht. Über ihre Kindheit und den September 1991 hat sie nun ein Buch geschrieben, das im September erscheint: "Kinder von Hoy". Bildrechte: ohne Angabe

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei