Preisverleihung Oper!Awards: Theater Weimar und Erfurt für beste Wiederentdeckung ausgezeichnet

Theaterkulisse
Szene aus "Lanzelot" am DNT Weimar Bildrechte: Candy Welz

Die Koproduktion "Lanzelot", eine Oper von Paul Dessau und Heiner Müller, des Deutschen Nationaltheaters Weimar und des Theaters Erfurt ist mit dem Oper!Award als beste Wiederentdeckung ausgezeichnet worden. Die Preisträger wurden am Abend des 30. Novembers in einem Stream des Fachmagazins Oper! bekannt gegeben. Die Preise wurden zum zweiten Mal in 20 Kategorien an europäische Opernhäuser verliehen.

Viele Kunstschaffende überzeugten in Mitteldeutschland

So wurde Rameaus "Les Indes galantes" an der Opéra national de Paris als beste Aufführung und "Macbeth Underworld" von Pascal Dusapin am Théâtre de la Monnaie als beste Uraufführung gewählt. Als bester Regisseur wurde Tobias Katzer ausgezeichnet, der 2019 an der Oper Halle Mozarts "Bastien und Bastienne" inszenierte. Den Preis als bester Kostümbildner erhielt Josa Marx, der am Leipziger Schauspiel bereits mehrfach mit Gordon Kämmerer arbeitete. Als beste Sängerin wurde Anita Rachvelishvili ausgezeichnet, die unter anderem an der Dresdner Semperoper engagiert war.

Oper!Awards
Sowohl Piotr Beczała als auch Anita Rachveshvili wurden mit einem Oper!Award ausgezeichnet. Bildrechte: imago/Eastnews

Alle Preisträgerinnen und Preisträger

  • Beste Aufführung: "Les Indes galantes" an der Opéra national de Paris
  • Beste Uraufführung: "Macbeth Underworld" von Pascal Dusapin am Théâtre de la Monnaie
  • Beste Wiederentdeckung: "Lanzelot" am DNT Weimar und dem Theater Erfurt
  • Beste Orchester: Wiener Philharmoniker
  • Bester Chor: Chor der Oper Köln
  • Bestes Education-Programm: Junge Opern Rhein-Ruhr
  • Bestes Solo-Album: "Vinceró" von Piotr Beczała
  • Beste Opern-Gesamtaufnahme: "Benvenuto Cellini" unter John Eliot Gardiner an der Opéra de Versailles
  • Bester Kostümbildner: Josa Marx
  • Bester Bühnenbildner: Ersan Mondtag
  • Beste Regie: Tobias Kratzer
  • Beste Dirigentin: Oksana Lyniv
  • Bestes Festival: Salzburger Festspiele
  • Bestes Opernhaus: Staatsoper Hannover
  • Bester Nachwuchs: Bruno de Sà
  • Bester Sänger: Benjamin Bernheim
  • Beste Sängerin: Anita Rachveshvili
  • Lebens- und Ehrenpreis: Hans Neuenfels
  • Beste Förderer: TIB MOLIBOL, Centogene und andere
  • Größtes Ärgernis: Fantasielosigkeit und passive Opferhaltung der Opernhäuser in der Pandemie

Pandemie im Mittelpunkt

Die Preisverleihung stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der Pandemie – nicht nur, weil die Verkündung nur als Stream mit kurzen Teasern auf Videos im Internet veranstaltet wurde. Bruno de Sà, der als bester Nachwuchskünstler ausgezeichnet wurde und an der Oper Halle in Peter Konwitschny Inszenierung von Händels "Julius Cäsar in Ägypten" sang, sprach davon, wie sehr ihm das Publikum fehlen würde. Daniel Froschauer vom Vorstand der Wiener Philharmoniker fragte, warum Fußball gespielt werden darf, aber das Orchester nicht auftreten kann. Als beste Förderer wurden Labore hervorgehoben, die die Opernhäuser bei ihrer Arbeit unterstützten.

Die Jungen Opern Rhein-Ruhr wurden für ihr pädagogisches Programm ausgezeichnet, das trotz Schließung Kontakt zum Publikum halten sollte und Dirigentin Oksana Lyniv spricht über die Herausforderung einer Kinoproduktion. Als größtes Ärgernis – laut den Organisatoren ein Negativpreis – wurden die Opernhäuser als gesamtes erwähnt: Weil viele keine Ausfallhonorare zahlten und gerade am Beginn der Pandemie keinen angemessenen Umgang mit der schwierigen Situation gefunden haben. "Nicht wenige hochsubventionierte Häuser richteten sich bequem in der Opferrolle ein und forderten die Solidarität von Politik und Gesellschaft, die sich selbst gegenüber ihren verdienstvollsten Mitarbeitern nicht auch nur im Ansatz zeigten", heißt es von Oper!-Redakteur Stephan Schwarz-Peters.

Musiktheater in Sachsen, Thüringen und Anhalt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. November 2020 | 17:00 Uhr

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