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Das Musical "Monty Python Spamalot" ist eine Zusammenarbeit der Bühnen Halle, der Staatskapelle sowie dem Kinder- und Jugendchor der Oper. Bildrechte: Falk Wenzel

Begeistertes PremierenpublikumMusical in Halle holt mit Monty Python eine Prise Broadway an die Oper

von Wolfgang Schilling, MDR KULTUR

Stand: 26. Februar 2022, 16:38 Uhr

Wer den schrägen und subversiven Humor der britischen Komikergruppe Monty Python mag, dem wird dieses Musical an den Bühnen Halle gefallen: In "Monty Python's Spamalot" wagt sich das Ensemble vom Neuen Theater Halle auf die Opernbühne und liefert ein mitreißendes Bühnenspektakel ab. Es läuft zwar nicht alles so perfekt wie am Broadway – gerade das sei aber ganz im Sinne der britischen Komiker, findet unser begeisterter Kritiker.

Den berühmt-berüchtigten Film "Die Ritter der Kokosnuss" von Monty Python, kennen wir wohl alle. Ob ihn jeder liebt, ist eine andere Frage. Wer allerdings den schrägen und subversiven Humor der britischen Komiker-Truppe mag, dem wird auch dieses Musical gefallen.

Musical von Oper, Theater und Staatskapelle Halle

Eric Idle von Monty Python hat das Stück "Monty Python's Spamalot" zusammen mit dem englischen Komponisten John Du Prez geschrieben. 2004 kam es am Broadway raus und wurde mehrfach Tony-prämiert. Später setzte es zu einem bis heute anhaltenden Erfolgslauf über die Musical-Bühnen des alten Europas an. Auch in Deutschland, wo zuletzt das Theater Altenburg-Gera mit seiner Version glänzte.

Vom Broadway nach Halle: Das Stück von Monty Python-Mitglied Eric Idle hat Musical-Bühnen auf der ganzen Welt erobert. Bildrechte: Falk Wenzel

Nun machen die Bühnen der Stadt Halle, will heißen die Oper, das Neue und das Thalia Theater und die Staatskapelle gemeinsame Sache in Sachen schrägen englischen Humors.

Kann Halle Broadway?

Big Apple an der Saale hellem Strande? Ich glaube, so vermessen ist hier niemand. Aber man hat in die Hände gespuckt und bei der Verpflichtung des Regisseurs ein wirklich gutes Händchen bewiesen. Der heißt Peter Dehler und war lange Jahre Schauspieldirektor in Schwerin. Hat dort auch Musical und Oper inszeniert. Teilweise mit über 100 Leuten auf der Bühne. Darunter nicht nur Profis.

Es ist nicht immer perfekt wie am Broadway, aber immer überzeugend und herzerfrischend – und kommt damit im Endeffekt auch dem Charme des Unperfekten entgegen, den wir von Monty Python kennen.

Wolfgang Schilling, MDR KULTUR-Theaterkritiker

Mit so einer wilden Mischung im Ensemble tritt Regisseur Peter Dehler auch hier an und holt im Prinzip aus allen mehr raus, als sie eigentlich können. Das ist nicht immer perfekt wie am Broadway, aber immer überzeugend und herzerfrischend – und kommt damit im Endeffekt auch dem Charme des Unperfekten entgegen, den wir von Monty Python kennen.

Die Mitglieder des Ensembles sind keine Musicalprofis – gerade das Unperfekte passt aber so gut zum britischen Humor der Komikergruppe Monty Python. Bildrechte: Falk Wenzel

Mit Humor auf der Suche nach dem heiligen Gral

Da sind zum einen König Artus und seine Tafelrundenritter. Diese Männerriege wird aus dem Ensemble des Neuen und des Thalia Theaters rekrutiert. Wo man bekanntermaßen auch gesanglich ziemlich gut unterwegs ist. Peter W. Bachmann schlägt als König Artus dabei insgesamt die eher feine Klinge. Seine krude Ritterrunde darf sich da schon radikaler austoben und nutzt die Chance, ohne Berührungsangst vor komischen Extremen.

Allesamt sind sie keine Musicaldarsteller. Aber sie haben den Anspruch, zumindest welche zu spielen. Wenn der Schlacks Matthias Walther bei seinem großen Showauftritt als Sir Robin mit dem Ballett etwas von Fred Astaire singt, kann er zwar nicht tanzen wie der, sich aber trotzdem herrlich bewegen. Sein breites Lachen, das Drüberstehen über den Dingen, das Aufgehen in jeder seiner vielen Rollen, die machen ihn zu einem Hingucker, zu einem Sinnbild für den Erfolg dieses Abends.

In dem Musical begibt sich König Artus mit seiner Ritterrunde auf die Suche nach dem Heiligen Gral. Bildrechte: Falk Wenzel

Musicalprofi aus Holland

Der Erfolg des Stücks, das muss man sagen, lebt in besonderer Weise von Dominique Aref. Sie ist Gast, Holländerin und wirklicher Profi im Musicalgeschäft – und zeigt schon mit ihrem eindrucksvoll wellenschlagenden Auftritt als Fee aus dem See nicht nur, wo das Schwert Excalibur, sondern wo der Hammer hängt. Gesanglich kommt da keiner mit. Da bleibt sie der ansehenswerte Solitär, der sich aber professionell und kollegial ins Bühnengefüge einschmiegen lässt, sodass am Ende alle glänzen.

Dominique Aref (links) bringt einige Erfahrung aus dem Musicalgeschäft mit und trägt so zum Erfolg des Stücks bei. Bildrechte: Falk Wenzel

Eine Inszenierung mit Kultpotential

Auch der Nachwuchs glänzt. Den Part von Chor und Ballett übernehmen die jungen Leute vom Kinder- und Jugendchor der Oper Halle. Mit ihnen hat der Choreograf Till Nau, der auch viel an Musicalschulen unterrichtet, perfekt gearbeitet. Die können wirklich was und wachsen, wie eigentlich alle an diesem Abend, um die 10 bis 20 Prozent über sich hinaus, die das Publikum am Ende von den Sitzen reißen. Ein Abend mit Kultpotenzial.

Angaben zum Stück"Monty Python's Spamalot"
Musical von Eric Idle und John Du Prez

Oper Halle
Universitätsring 24
06108 Halle

Musikalische Leitung: Yonatan Cohen
Regie: Peter Dehler
Bühnenbild: Birgit Voß
Kostümbild: Ulrike Engelbrecht
Choreografie: Till Nau

Mit dem Ensemble vom Neues Theater Halle, dem Kinder- und Jugendchor der Oper Halle und der Staatskapelle Halle.

Aufführungen:
26.02., 19:30 Uhr
05.03., 19:30 Uhr
11.03., 19:30 Uhr
18.03., 19:30 Uhr
03.04., 18:00 Uhr
08.05., 15:00 Uhr
21.05., 19:30 Uhr
01.06., 19:30 Uhr
10.06., 18:00 Uhr

Aktuelle Opern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 26. Februar 2022 | 12:15 Uhr