Video-Format "Premierenspion" Proben zu "Die Heimkehr des Odysseus": Wie Monteverdi in Weimar entsteht

Die Opern von Claudio Monteverdi gehören zu den frühesten überlieferten Werken des Musiktheaters. Damals funktionierte das "Dramma per musica" noch ganz anders: andere Instrumente, andere Kompositionstechniken, andere Vorstellungen von Gesang. Am Weimarer Nationaltheater wird aktuell eine Inszenierung von "Die Heimkehr des Odysseus" vorbereitet. Der "Premierenspion" hat mit der Kamera die Proben begleitet und zeigt, wie eine Barockoper heute umgesetzt werden kann. Regisseurin Nina Gühlstorff und Dirigent Gerd Amelung erklären darin, wie so ein Stück entsteht und warum sie bei der Arbeit besondere Freiheiten erlebt haben.

"Heimkehr des Odysseus" in Weimar
Taejun Sun als Ulisse Bildrechte: Fotografiert von Candy Welz, bereitgestellt vom Deutschen Nationaltheater Weimar

Die Oper erzählt das Ende der bekannten Geschichte von Odysseus, wie sie Homer aufgeschrieben hat: Nach zehn Jahren Irrfahrt und Abenteuer kehrt Odysseus nach Hause, wo alles anders ist. Nun muss sich der Held mit Schnorrern und Veränderungen auseinandersetzen. Genau davon erzählt auch die Musik: "Dass die Musik Dinge auf den Punkt beschreibt, ist wirklich sehr besonders und eine große Herausforderung an die Darstellenden", erklärt Regisseurin Nina Gühlstorff vom Deutschen Nationaltheater Weimar.

Neues Leben für Barockopern

Seit einigen Jahrzehnten entdecken Opernbühnen auf der ganzen Welt den Reiz barocker Opern wieder und gerade in der Corona-Krise werden sie gerne auf den Spielplan gesetzt. Denn in barocken Opern spielt oft ein kleineres Orchester und auf der Bühne spielen nur wenige Figuren – so können Abstände besonders gut eingehalten werden. Frühe Musiktheaterwerke wie "Die Heimkehr des Odysseus" von Monteverdi stellen aber auch besondere Anforderungen.

"Heimkehr des Odysseus" in Weimar
Bühnenprobe zu "DIe Heimkehr des Odysseus" am DNT Weimar. Bildrechte: Fotografiert von Candy Welz, bereitgestellt vom Deutschen Nationaltheater Weimar

Andere Hierarchien

Das beginnt schon mit den Instrumenten: Wer den Klang barocker Opern authentisch erzeugen will, muss auf älteren Instrumenten spielen: Das Cembalo ist eine kleine Herausforderung, doch im Weimarer Orchestergraben sitzen unter anderem eine barocke Laute oder eine Viola da Gamba. Die Noten für diese Instrumente sind jedoch nicht ausgeschrieben, sondern nur grob notiert: Beim basso continuo sind nur die unteren Töne angegeben und darüber sind Zahlen notiert, die angeben, welche Akkorde klingen sollen. "Das ist dann ein Findungsprozess, der sich stark daran orientiert, was szenisch passiert. Das leitet uns in der Improvisation, um zu etwas zu kommen, was nicht aufschreibbar ist, aber was doch eine fixe Version ist. Das ist bei dieser Art Musik toll, dass man viel festlegen muss, aber wir auch festlegen können, dass wir nichts festlegen, sondern wir etwas aus dem Moment entstehen lassen", beschreibt der musikalische Leiter, Gerd Amelung, die Faszination für die Musik.

Dieser Prozess des Austauschs hat auch die Regisseurin Nina Gühlstorff begeistert. Wie sie selbst erzählt, hat sie Barockopern bisher immer nur gehört oder gesehen und arbeitet in Weimar zum ersten Mal mit so einem Werk. Dabei beobachtet sie einen großen Unterschied: "Grundsätzlich ist es immer ein Kompetenzgerangel zwischen musikalischer Leitung und Regie. Das war dieses Mal nicht so. Es hat eine andere Art von Entspannung, weil wir viel gemeinsam entscheiden, es gibt viel Miteinander und wenig Gegeneinander. Ich glaube, das liegt auch an der Barockmusik, bei der die Hierarchie zwischen Szene und Musik stark auf dem Ausdruck der Schauspielenden ist."

Premierenspion "Ulisse" in Weimar
Lautenspieler bei der Orchestersitzprobe Bildrechte: Hannes Bessler/MDR

Informationen zum Stück "Die Heimkehr des Odysseus" wird am Deutschen Nationaltheater geprobt.

Musikalische Leitung: Gerd Amelung
Regie: Nina Gühlstorff
Austattung: Marouscha Levy
Dramaturgie: Lisa Mayer, Hans-Georg Wegner
Mit: Heike Porstein, Taejun Sun,
Sayaka Shigeshima, Emma Moore,
Jong-Kwueol Lee, Gevorg Aperánts,
Andreas Koch,
Oliver Luhn,
Alik Abdukayumov,
Walter Farmer Hart,
Georg A. Bochow,
Alexander Günther

Wegen der Corona-Pandemie sind die Theater in Thüringen noch mindestens bis zum 31. Januar geschlossen. Wann "Die Heimkehr des Odysseus" Premiere feiern wird, ist bisher noch unklar.

Kultur in Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. November 2020 | 11:05 Uhr