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"Der Prozess des Hans Litten"Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt zeigen Theaterstück über NS-Gegner Hans Litten

Stand: 02. September 2022, 04:00 Uhr

In der ARD-Serie "Babylon Berlin" hat der "Anwalt des Proletariats" eine Nebenrolle: Hans Litten, geboren 1903 in Halle. Heute fast vergessen, machte er sich in den 1920er-Jahren als Anwalt der Roten Hilfe und Nazi-Gegner einen Namen. In einem Aufsehen erregenden Prozess nahm er 1931 Adolf Hitler ins Kreuzverhör. An den mutigen Juristen, der im KZ Dachau starb, wird jetzt erinnert: mit der Aufführung des Theaterstücks "Der Prozess des Hans Litten", das ab 2. September in Prettin, Bernburg, Halle und Magdeburg zu sehen ist.

In mehreren Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt wird im September und Oktober ein Theaterstück über den NS-Gegner und Juristen Hans Litten gezeigt. Geboren 1903 in Halle, machte er sich zunächst einen Namen als "Anwalt des Proletariats", bis er 1931 in einem Aufsehen erregenden Prozess Hitler blamierte.

Premiere in Prettin: "Der Prozess des Hans Litten"

Die Premiere ist für den 2. September in der Schlosskirche St. Anna im Schloss Lichtenburg Prettin geplant, wie die Veranstalter der Organisation Arbeit und Leben mitteilten. Auch in der Gedenkstätte Moritzplatz in Magdeburg, in der JVA Halle und im Theater Bernburg wird das Stück zu sehen sein. Die Gedenkstättenstiftung Sachsen-Anhalt unterstützt das Projekt.

Litten blamiert Hitler im Kreuzverhör und stirbt im KZ

Der junge Rechtsanwalt Hans Litten hatte im sogenannten Edenpalast-Prozess 1931 Adolf Hitler ins Kreuzverhör genommen. Darin ging es um den Überfall auf ein vornehmlich von linken Arbeitern besuchtes Berliner Tanzlokal durch ein SA-Rollkommando. Litten vertrat vier der Verletzten. Zugleich wollte er nachweisen, dass Hitlers NSDAP hinter der Terroraktion steckte und wie sie als anti-demokratische Partei mit illegalen Praktiken die Weimarer Republik angriff. Dazu konfrontierte er Hitler mit einer Schrift von Goebbels und eigenen Aussagen. Der erst 28-Jährige Litten trieb Hitler über zwei Stunden in die Enge.

Gedenktafel am Berliner Landgericht für Hans Litten Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Mit der "Machtergreifung" der Nazis 1933 wurde Litten umgehend verhaftet. Trotz der verzweifelten Versuche seiner Mutter, Irmgard Litten, und auch internationaler Interventionen, ihn freizubekommen, begann für Litten ein leidvoller Weg durch mehrere KZ. Fünf Jahre später starb er im Alter von 34 Jahren im Konzentrationslager Dachau.

Regisseur Kaloff: Litten als "vergessener Held aus Sachsen-Anhalt"

Das Stück von Mark Hayhurst zeichnet Littens Weg durch Zuchthaus und KZ nach. Regisseur ist Marcus Kaloff, Träger des Monica-Bleibtreu-Preises der bundesweiten Privattheatertage. Ihn habe es gereizt, das Stück über diesen vergessenen Helden aus Sachsen-Anhalt zu inszenieren, sagt Kaloff. Ihn beeindrucke vor allem Littens Mut.

Marcus Kaloff, Regisseur des Theaterprojekts "Der Prozess des Hans Litten", ist "beeindruckt von Littens Mut". Bildrechte: dpa

Workshops für Schulklassen

Die Organisatoren kündigten ein politisches Stück an, das auf historischen Tatsachen basiert. Dass Litten und seine Zellennachbarn Carl von Ossietzky und Erich Mühsam bis zuletzt Humor bewiesen, zeige ihre Größe und gebe dem Stück neben seiner Spannung eine Prise Humor und Hoffnung. Gezeigt werde gleichzeitig ein intensives menschliches Drama: der vergebliche Kampf von Irmgard Litten um das Leben ihres Sohnes. Für Schulklassen soll es begleitende Workshops zu den Themen Demokratie und Courage geben.

Andreas Steinke (l) als Vater Fritz Litten und Marion Elskis in der Rolle der Mutter Irmgard Litten proben in der Gedenkstätte Moritzplatz Bildrechte: dpa

Angaben zum Stück"Der Prozess des Hans Litten"
Theaterstück von Mark Hayhurst

Premiere am 2. September in der Schlosskirche St. Anna im Schloss Lichtenburg
Lichtenburger Str.
06925 Prettin

Nächster Termin:
12. November 2022, 15 Uhr, JVA Halle Anstaltskirche

Das Projekt wird u.a. von der Gedenkstättenstiftung Sachsen-Anhalt unterstützt.

Theater in Sachsen-Anhalt

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 02. September 2022 | 08:40 Uhr