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Am Deutschen Nationaltheater bleibt die Bühne ohne Orchester. Bildrechte: Andreas Nickel

Aktion

#SangUndKlanglos: Stiller Protest gegen den Kultur-Lockdown

Stand: 03. November 2020, 14:00 Uhr

Leere Bühnen und stumme Instrumente – Orchester, Theater und andere Kultureinrichtungen müssen erneut schließen. Mit der Aktion "20 Minuten Stille" haben sie auf ihre Lage in der Corona-Pandemie aufmerksam gemacht.

Mit einer Aktion unter dem Motto "#SangUndKlanglos: 20 Minuten Stille" haben am Montagabend zahlreiche Orchester, Theater und andere Kulturschaffende gegen den zweiten Lockdown in der Kulturbranche protestiert. Sie stellten Auftritte ins Internet, bei denen sie und ihre Instrumente stumm blieben. Damit wollen sie auf die prekäre Situation in der Kulturbranche angesichts der coronabedingten Schließungen aufmerksam machen. Von der Jenaer Philharmonie hieß es zum Beispiel in einer Pressemitteilung, man sei enttäuscht über die pauschale Schließung, die signalisiere dass ihre Arbeit von politischen Entscheidungsträgern als nicht relevant betrachtet werde.

Individuell gestaltete Stille

Wie genau die Ensembles ihren Beitrag zur Aktion gestalteten, blieb ihnen überlassen. Die Musikerinnen und Musiker der Jenaer Philharmonie beispielsweise betraten die Bühne, verweilten 20 Minuten in Stille und verließen sie wieder. "Wir haben einmal deutlich machen wollen, wie es ist, wenn das Orchester wirklich still ist", erklärte Orchesterdirektorin Ina Holthaus von der Jenaer Philharmonie bei MDR KULTUR.

Aus unserer Sicht ist es einfach ungerechtfertigt, uns in dieser Situation jetzt nochmal komplett lahm zu legen.

Ina Holthaus, Orchesterdirektorin der Jenaer Philharmonie

Holthaus warnte davor, die Kultur weiter einzuschränken bis die Branche am Boden liege und keine Chance habe, auch nur ansatzweise aufzustehen. Die Aktion sei aber auch ein Beispiel dafür, wie die Kulturbranche derzeit beginne zusammenzuarbeiten. Das sei der einzige positive Aspekt der derzeitigen Krise, so Holthaus.

Das Theater Nordhausen filmte seine leeren Bühnen und Foyers, die Staatoperette Dresden zeigte Mitschnitte alter Aufführungen ohne Ton, die Staatskapelle Weimar machte mit einem Goethe-Zitat auf sich aufmerksam: "Wie seltsam uns ein tiefes Schicksal leitet und, ach ich fühl's, im Stillen werden wir zu neuen Szenen vorbereitet." Am Meininger Staatstheater stimmte sich das Orchester noch ein, ehe die Musikerinnen und Musiker verstummten.

Das Gewandhausorchester Leipzig meldete sich in seinem Aktionsvideo mit einem Statement zu Wort: "So sehr wir nachvollziehen können, dass den Maßnahmen zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung hohe Priorität eingeräumt wird, so schwer fällt es, zu verstehen, weshalb gerade Konzerthäuser und Theater als besonders risikoreich angesehen werden."

Kultur im Lockdown

Wegen der Corona-Pandemie sind Auftritte Kulturschaffender bis Ende November komplett untersagt worden. Bereits zuvor galten monatelang strenge Hygieneauflagen. Zur Aktion "#SangUndKlanglos: 20 Minuten Stille" hatte die Gemeinschaft #AlarmstufeRot aufgerufen, die auf eine Initiative der Münchner Philharmoniker zurückgeht.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt | 03. November 2020 | 06:30 Uhr