"Der Name der Rose" Gernroder Stiftskirche wird zur Theaterbühne für Ecos Mittelalter-Krimi

Bereits 2007 hatte in der Stiftskirche Quedlinburg die Theateradaption von „Der Name der Rose“ nach dem berühmten Roman von Umberto Eco Premiere. Seitdem wurde die Inszenierung immer wieder angepasst mit neuem Ensemble und in wechselnden Kirchen. Wegen Bauarbeiten musste das Nordharzer Städtebundtheater wieder einen neuen Ort suchen und entschied sich für die Stiftskirche in Gernrode. Ein spannender Ort mit einigen Herausforderungen.

"Der Name der Rose" in Gernrode 4 min
Bildrechte: Ray Behringer

Wer in den vergangenen Tagen in den Hof oder den Kirchenraum der Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode schaute, wird sich vielleicht in eine andere Zeit versetzt fühlen: Überall laufen Männer in Mönchskutten herum. Ihre Haare sind meist struppig, ihre Gesichter wirken schmutzig.

"Der Name der Rose" in Gernrode
William von Baskerville (Mathias Kusche, Mitte) und Adson von Melk (Frederik Reents, rechts) sprechen mit dem Abt (Arnold Hofheinz, links). Bildrechte: Ray Behringer

Die Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode entstand bereits um das Jahr 960 und steht bis heute fast unverändert im alten Stadtkern. Die Mauern sind hoch und massiv. Zwei schlanke Türme flankieren die halbrunde Apsis. Nur die Dächer waren vermutlich nicht immer so grün vom Wetter verfärbt. Im Inneren finden sich noch zahlreiche restaurierte Malereien am Altarraum und bei der Orgelempore – Das helle Blau verleiht dem Raum eine fröhliche Atmosphäre. Hoch über dem Publikum gibt es rechts und links zwei Gänge mit runden Fenstern und weiteren Deckenbemalungen.

Blick auf Gernrode richten

Diese authentische Kirche ist der neue Spielort für die Produktion von "Der Name der Rose" nach dem berühmten Roman von Umberto Eco. Die Leitung des Nordharzer Städtebundtheaters war sich lange nicht sicher, ob sie mit der Produktion wirklich an diesen Ort ausweichen sollen, nachdem die Stiftskirche in Quedlinburg wegen Umbauarbeiten nicht mehr zur Verfügung stand. Sie hatten Sorgen, dass das Publikum den vergleichsweise weiten Weg nicht auf sich nehmen würde.

Gernrode - Stiftskirche St. Cyriakus
Seit dem Mittel Bildrechte: Jürgen Meusel

Doch Rosmarie Vogtenhuber, die das Stück seit 2007 immer wieder neu inszenierte, hat sich für diesen Ort stark gemacht. "Es ist einer meiner Lieblingskirchen", sagt sie. Vor allem schätzt sie, dass dieser Ort kaum umgebaut wurde, anders als die Stiftskirche in Quedlinburg. Ihrer Meinung hat der Ort Gernrode mehr Aufmerksamkeit verdient und sie hofft, dass die Theaterproduktion dabei hilft.

Besonderheiten der Kirche

Die dichte Bauweise im Inneren – mit den Seitengängen, dem Heiligen Grab und den vielen Säulenkonstruktion – begeistert die Regisseurin besonders: "Man hat auch wirklich das Gefühl, das Gebäude geht in alle Richtungen weiter. Man ist in so einem Kern und drumherum besteht eine riesige Abtei. Das ist auch zum Inszenieren sehr spannend."

"Der Name der Rose" in Gernrode
Ein Chor aus Laien begleitet den gesamten Theaterabend. Bildrechte: Ray Behringer

Vor allem bei Ihrem Ansatz: Vogtenhuber will dem Publikum das Gefühl vermitteln, dass es mittendrin sei im klösterlichen Leben. Deswegen wird die Inszenierung von einem Chor begleitet, der aus Laien aus der Umgebung besteht. Die gregorianischen Gesänge füllen den Raum aus und strukturieren die Zeit im Kloster. Die Mönche laufen ständig hin und her, ganz nah an den Zuschauerinnen und Zuschauern vorbei. Auf der Bühne hätte sie das alles anders gelöst, erzählt Vogtenhuber. "Aber wenn ich mich entscheide, in einen originalen Raum zu gehen und mich in dieser Kirche bewege, wollte ich so nah wie möglich dranbleiben. Auf der Bühne würde ich den Leuten niemals nur schwarze Kutten anziehen."

Auf diese Weise versucht sie auch dem Stoff mehr gerecht zu werden. Sie spricht davon, dass das Vorhaben verwegen sei, diesen Roman auf der Bühne zu erzählen. Denn Ecos Buch sei zu reichhaltig. Das Stück erzählt vor allem, wie der Mönch William von Baskerville und sein Gehilfe Adson von Melk eine Reihe mysteriöser Mordfälle aufklären. In den Dialogen wird aber noch viel mehr verhandelt.

"Der Name der Rose" in Gernrode
Eco erzählt in seinem berühmtesten Roman unter anderem, wie mehrere Mönche sterben. Bildrechte: Ray Behringer

Die neuen Herausforderungen

Besonders froh ist Vogtenhuber, dass sie nun endlich einen Raum für die Bibliothek gefunden hat, um die sich in der Geschichte alles dreht. Da aus Hygiene-Gründen nur wenige Menschen in die Vorstellungen dürfen, stehen sich immer zwei Bänke gegenüber, sodass das Publikum bequem in beide Richtungen schauen kann. Deswegen kann sich das Team erlauben sowohl den Altarraum als auch die Orgelempore zu bespielen.

Doch es gibt auch neue Herausforderungen in Gernrode: Immer wieder muss die Probe unterbrochen werden, weil die Wege nicht klar sind oder länger dauern als gedacht. Auch die Akustik ist in jeder Kirche anders und muss erstmal erkundet werden. "Normalerweise würde ich die Sätze eigentlich doppelt so schnell sprechen", erzählt Mathias Kusche, der Bruder William spielt. "Ich muss mich hier unglaublich im Zaum halten, jedes Wort deutlich zu sprechen und zu greifen. Sonst hat man hier keine Chance in der Kirche."

"Der Name der Rose" in Gernrode
Manchmal verteilt sich der Chor im ganzen Kirchenraum. Bildrechte: Ray Behringer

Angst gegen Lachen

Für Frederik Reents, der gerade erst am Nordharzer Städtebundtheater engagiert wurde, ist alles bei dieser Produktion neu: "Ich habe noch nie in einer Kirche gespielt, und ich glaube, das hat mir auch gut für den Adson geholfen, weil er ja auch alles gerade neu entdeckt und staunend zum ersten Mal erblickt."

"Der Name der Rose" in Gernrode
Die Mönche diskutieren die Bedeutung von Humor und Furcht. Bildrechte: Ray Behringer

Sein Kollege William Kusche hingegen kennt sein Rolle und die Kirche in Gernrode schon länger. Er spielt zwar auch gerne unangenehme Figuren, aber schätzt die Ansichten seiner Figur, die vor allem humanistisch geprägt sind. Die Themen des Stückes sind immer noch aktuell meint der Schauspieler: "Hier geht es um Angst, um das Schüren von Angst. Das ist wieder ganz aktuell, nicht nur in der Politik, sondern auch im sozialen Miteinander. Wenn man wirklich ein ein Problem von vielen Seiten betrachtet und eben nicht nur von einer, lassen sich manchmal Probleme mit einer Leichtigkeit, auch mit einem Lachen, lösen."

Deswegen hätte sich das Team auch gerne mehr Zeit für die Proben genommen, um diese Gedanken zu vertiefen. Doch jetzt müssen sie vor allem schauen, dass sie die Herausforderungen des neuen alten Kirchenraums meistern.

Weitere Informationen "Der Name der Rose" ist eine Produktion des Nordharzer Städtebundtheaters und wird aktuell in der Stiftskirche St. Cyriakus Gernrode gespielt.

Burgstr. 3
06502 Gernrode

Musikalische Leitung: Martin Orth
Inszenierung: Rosmarie Vogtenhuber
Ausstattung: Anita Fuchs
Mit: Mathias Kusche, Frederik Reents, Arnold Hofheinz, Fernando Blumenthal u.a.

Weitere Termine: 23., 24., 30., 31. Juli, 6., 7. August

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Juli 2021 | 13:40 Uhr

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