Humor Warum der Magdeburger DDR-Komiker Rolf Herricht bis heute begeistert

Der Magdeburger Rolf Herricht ist einer der populärsten Komiker der DDR. Vor allem dank der vielen Sketche mit Hans-Joachim Preil spielte er sich in die Herzen der Zuschauer. Viel zu früh schied er im Alter von 53 Jahren aus dem Leben. Herricht starb vor 40 Jahren: am 23. August 1981 auf der Bühne während der Aufführung von "Kiss Me, Kate" am Berliner Metropol-Theater an einem Herzanfall.

Polizeiwachtmesiter Fritz Bachmann (Rolf Herricht) mit Teddy.
Rolf Herricht beherrscht publikumswirksam die Spielarten des Komischen Bildrechte: DEFA Stiftung / Herbert Kroiss

Rolf Herricht ist einer der angesehensten Komiker der DDR, vielleicht sogar der beliebteste. Vor allem mit seinen gemeinsamen Sketchen mit Bühnenpartner Hans-Joachim Preil erobert er die Herzen – und die Lachmuskel des Publikums.

Doppeldeutiger Humor

Der Humor der Komikexperten speist sich oft aus der Doppeldeutigkeit von Begriffen, lebt von Wortähnlichkeiten – und natürlich von der Gegensätzlichkeit der beiden Figuren. Hier der leicht überheblich wirkende Besserwisser Preil, da der Herricht-Charakter, bei dem man nicht genau sagen kann, inwieweit die Naivität vorgetäuscht ist.

Sendungsbild
Das erfolgreiche Komikerduo Rolf Herricht und Hans-Joachim Preil (l.) Bildrechte: SWR/RBB/DRA

Zum Beispiel beim Klavier-Sketch: Herricht braucht Hilfe. Er möchte sich ein Klavier kaufen. Preil steht prompt parat, doch seine Unterstützung ist beileibe nicht selbstlos. So kann er zu einer seiner vielen Lektionen ansetzen und zur Schau stellen, was er so alles weiß über dieses Instrument:

In Magdeburg zusammengefunden

Hinter den Lachmuskelattacken steckt harte Arbeit, so Preil: "Drei bis vier Monate gingen schon ins Land, bis so ein Sketch reif war. Dann wurde er draußen in Veranstaltungen erst einmal reif gemacht: getingelt und abgeschliffen, weggenommen, neu dazu gemacht – bis er die Brillanz hatte, die er haben musste. Und dann, so nach zwei Jahren, kam er im Fernsehen."

Die Idee, gemeinsam Sketche aufzuführen, wird 1953 geboren – "im Garten von Rolfs Eltern" in der Magdeburger Zackelbergstraße, wie Herrichts Partner in seinem Erinnerungsbändchen "Aber, Herr Preil!" schreibt. Mit der "Schachpartie" geht es los, viele weitere Sketche folgen. Sie werden häufig aus ganz alltäglichen Situationen gewonnen: einem Kinobesuch, dem Sammeln von Briefmarken oder dem Gärtnern.

Rolf Herricht
In Magdeburg startete die gemeinsame Karriere von Rolf Herricht mit Spielpartner Joachim Preil. Bildrechte: MDR/DRA/Winkler

Mehr Humor in der DDR

Das Publikum nimmt das witzige Gespann dankend an. Die Fangemeinde wächst und wächst und geradezu zwangsläufig kommen neue Aufgaben auf die beiden zu. So ist Herricht in den DEFA-Komödien "Geliebte weiße Maus", "Meine Freundin Sybille" oder "Der Baulöwe" zu erleben – und hat dennoch Anlass zur Klage.

Seiner Meinung nach werden in der DDR zu wenig Lustspiele gedreht: "Wenn wir im Jahr beispielsweise drei machen würden – da könnte ruhig mal ein schlechtes dabei sein, es würde gar nicht so auffallen. Aber wenn wir nur alle drei Jahre einen Film machen und der ist dann schlecht, dann gibt’s Prügel."

Polizeiwachtmeister Fritz Bachmann (Rolf Herricht) dirigiert den Verkehr am Dresdner Körnerplatz mit Charme und Souveränität.
Rolf Herricht als Verkehrspolizist in dem Film "Geliebte weiße Maus" Bildrechte: MDR/PROGRESS

Für alle Generationen

Nun jährt sich Rolf Herrichts 40. Todestag. Ein guter Zeitpunkt, noch einmal den absurden Sketchen von Herricht und Preil nachzugehen, den Sketchen, die man als Kind vielleicht wieder und wieder gehört hat, mit denen so viele aufgewachsen und älter geworden sind. Und wer die beiden tatsächlich noch nicht kennt: Es ist eine Bildungslücke, die keine bleiben sollte!

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. August 2021 | 06:40 Uhr

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