Debatte um Kulturförderung Freie Kulturszene Sachsen-Anhalt richtet sich mit Forderungskatalog an Kulturministerium

Die freie Kulturszene reagiert mit konkreten Vorschlägen zur Verbesserung ihrer finanziellen Situation auf einen Appell von Kulturminister Rainer Robra vor zwei Wochen. Damit solle ihre professionelle Arbeit sichergestellt werden und auch die soziale Lage der Künstlerinnen und Künstler beachtet werden.

Der Schriftzug Theater und ein Pfeil auf einem Schild
Die freie Kulturszene steht nicht nur durch die Corona-Situation unter Druck. Bildrechte: dpa
Rainer Robra (CDU), spricht im Plenarsaal des Landtages zu den Abgeordneten.
Rainer Robra ist seit 2016 Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt Bildrechte: dpa

Die Irritation der freien Kulturszene nach dem Appell von Kulturminister Rainer Robra war groß. Der hatte in einem MDR-Interview am 9. Januar 2022 die Kulturschaffenden im Land aufgerufen, sich aktiver für einen stabilen Kulturhaushalt stark zu machen. Die freie Kulturszene antwortete, man sei mit konkreten – auch finanziellen – Problemen befasst, und werde nicht die Aufgabe der Politiker übernehmen.

Forderungskatalog der freien Kulturszene

Das Landeszentrum freies Theater und auch die Netzwerke für Kultur in Magdeburg und Halle haben nun mit öffentlichen Briefen und einem Forderungskatalog die öffentliche Debatte gesucht. Darin schlagen sie konkrete Lösungen für ihre Probleme vor. In der Veröffentlichung fordern sie:

  • Die freie Szene solle für das laufende Jahr eine Genehmigung zum sogenannten "vorzeitigen Maßnahmebeginn" erhalten, da sich die Verabschiedung des Haushalts noch bis Mai hinziehen werde. Analog zu den Städtischen Theatern solle eine gesicherte Bereitstellung von Haushaltsmitteln ab Jahresbeginn erfolgen und eine frühzeitige Bewilligung erfolgen. Nur so könnte die Co-Finanzierung von Projekten gesichert und auch für andere Kulturprogramme Planungssicherheit geschaffen werden.

  • Die freien Theater befänden sich "in einer Fördermittelschwierigkeitsspirale": Durch extrem späte Fördermittelbescheide gäbe es Probleme bei der unterbrechungsfreien professionellen Arbeit, die unter anderem dazu führten, dass auch Fördermitteln aus anderen Förderprogrammen nicht eingeworben werden könnten.

  • Bei der Neuauflage von "Kultur ans Netz" solle die Stipendienhöhe auf monatlich min. 2.000 EUR angehoben werden, um damit die Honoraruntergrenze und der Honorarempfehlung des Bundesverbandes der freien darstellenden Künste umzusetzen. Durch eine angemessene Finanzierung soll die soziale Lage der Künstlerinnen und Künstler berücksichtigt werden.

Sexuelle Gewalt Symbolbild
Die finanzielle Situation freier Kulturschaffender ist häufig schwierig Bildrechte: dpa

Offene Briefe und Einladung

Mit den öffentlichen Briefen an das Kulturministerium Sachsen-Anhalts wollen die Netzwerke der freien Kulturszene Halle und Magdeburg auf Robras Appell reagieren. Der Tenor dabei lautet "Kultur ist ein Lebensmittel und kürzen heißt hungern".

Auch haben die Aktiven das Kulturministerium und den Landtag zu einem fachlichen Austausch eingeladen, da aus ihrer Sicht die aktuellen Arbeitsbedingungen der freien Kulturszene in den entsprechenden Landesgremien kaum bekannt seien.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. Januar 2022 | 07:30 Uhr

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