Interview Sorgen am Theater Bautzen – Intendant Hillmann: "Sehe die Zukunft nicht sehr rosig"

Die Corona-Pandemie belastet die Haushalte – und damit auch die Kultur. "Bautzner Theater bekommt weniger Geld" titelte nun die Sächsische Zeitung. Was ist dran? Kehren sich die coronabedingt geringeren Ausgaben durch Kurzarbeit und abgesagte Aufführungen nun gegen die Theaterhäuser? Was bedeutet das für das Deutsch-Sorbische Volkstheater in Bautzen? Intendant Lutz Hillmann blickt der Zukunft im Interview besorgt entgegen.

Theater Bautzen, Großes Haus 8 min
Bildrechte: Theater Bautzen / Foto: Brigitte Zimmermann

Gibt es große Kürzungen beim Deutsch-Sorbischen Volkstheater in Bautzen? Ist das Haus sogar in seiner Existenz gefährdet? Wir haben mit Intendant Lutz Hillmann gesprochen.

MDR KULTUR - Das Radio Do 29.07.2021 12:00Uhr 08:26 min

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MDR KULTUR: In diesem und im nächsten Jahr, so ist in der Sächsischen Zeitung zu lesen, soll ein Zuschuss von jeweils 1,76 Millionen Euro auf 1,56 Millionen Euro gekürzt werden. Zusätzlich werden 1,66 Millionen Euro vom Landkreis gekürzt. Hat das mit der Corona-Situation zu tun?

Lutz Hillmann: Na klar hat es mit der Corona-Situation zu tun. Weil wir, und das kann man nicht leugnen, weniger gespielt und deshalb nicht alle Personalkosten gebraucht haben. Und auch die Energiekosten, Reinigungskosten sind geringer ausgefallen im Jahr 2020, sodass wir finanziell etwas besser dastehen.

Lutz Hillmann
Lutz Hillmann Bildrechte: imago images / lausitznews.de

Der Landkreis hat aber ähnliche prekäre Situationen, wie viele öffentliche Kassen. Die Sozialausgaben, die Jugendhilfe – all das steigt beim Landkreis. Und der hat ja keine andere Einnahmemöglichkeit als die Kreisumlage bei den Städten und Gemeinden im Kreisgebiet. Sodass es zwischen uns Gespräche gegeben hat, wie wir dort vielleicht mithelfen können.

Wir sind ja in Trägerschaft des Landkreises. Wie es dem wirtschaftlich geht, kann uns nicht egal sein. Und deswegen haben wir darüber geredet.

Und es geht nicht um eine Kürzung – das muss ich auch mal richtig stellen – sondern es geht um eine Verschiebung einer Erhöhung. Es sollte in 2021 eine Erhöhung des Zuschusses stattfinden – und die wird jetzt erstmal ausgesetzt.

Und das aber offenbar im Dialog mit Ihnen?

Das haben wir miteinander besprochen. Sonst wäre unser Protest viel lauter ausgefallen!

Trotzdem bleibt eine prekäre Situation bestehen. Wenn der Landkreis in einer prekären Situation ist, dann dürfte es die Stadt wohl auch sein. Sind da ähnliche finanzielle Probleme absehbar?

Alle Städte und Gemeinden, alle öffentlichen Kassen unterhalb des Landes und des Bundes haben größere finanzielle Probleme. Das wird sich noch verschärfen, auch durch Corona. Das hängt auch damit zusammen, dass Landkreisen und Gemeinden viele Aufgaben gegeben worden sind, die sie jetzt plötzlich alle finanziell stemmen müssen. Das wird ein Problem sein.

Die Stadt hat finanzielle Probleme. Inwieweit die hausgemacht sind, will ich jetzt gar nicht beurteilen, da gucke ich nicht so genau dahinter. Aber die Situation für die Kürzungsankündigung von Seiten der Stadt Bautzen ist eine vollkommen andere, weil man da den gesetzlich vorgeschriebenen Sitzgemeindeanteil, der zu entrichten ist, um die Kulturraumförderung in Sachsen zu bekommen, nicht mehr in voller Höhe entrichten will und wir dadurch den Kulturraumanteil gleich mit verlieren würden. Und damit wäre das Theater in Gänze in der Existenz gefährdet und eigentlich nicht mehr zu betreiben.

Das Deutsch-Sorbische Volkstheater in Bautzen, 2011
Das Deutsch-Sorbische Volkstheater in Bautzen Bildrechte: IMAGO

Und das hat einen ganz anderen Stellenwert, hat auch einen ganz anderen Hintergrund. Noch dazu, wo die Stadt Bautzen seit 2013 diesen Sitzegemeindeanteil in einer stabilen Höhe entrichten konnte und nun erst eine ganz moderate Steigerung von 30.000 Euro vorgesehen ist. Sodass diese Absichten, die formuliert und auch laut gesagt worden sind, eigentlich vollkommen unverständlich und existenzbedrohend für uns sind.

Der Kulturraum ist einer der größten Geldgeber, auch für das Theater Bautzen. Dennoch gibt es die finanzielle Schieflage, jetzt beim Landkreis und bei der Stadt. Was bedeutet das für das Theater? Wie sehen Sie der Zukunft entgegen?

Ich sehe die Zukunft nicht sehr rosig, muss ich sagen. Die Auseinandersetzungen, wer Geld bekommt und in welcher Höhe, werden härter. Wir müssen uns auch von unserem Ruf her so festigen, dass es auch bei den Leuten hier im Landkreis und in der Stadt den Rückhalt gibt. Das wird uns vielleicht auch dann die Zukunft sichern.

Lěćne dźiwadło 2021: NSLDź Budyšin, Sommertheater Bautzen
Aktuelle Aufführung des Sommertheaters Bildrechte: Matej Zieschwauck/MDR

Da sind wir auf einem wirklich guten Weg. Wir haben auch jetzt bei unserem laufenden Sommertheater kaum Einbußen, haben eine sehr gute Zuschauerresonanz, sodass wir auch mit guten Argumenten in solche Diskussionen gehen können. Trotzdem werden die Auseinandersetzungen härter werden.

Das Gespräch führte Moderatorin Julia Hemmerling für MDR KULTUR.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Juli 2021 | 13:10 Uhr

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