Ausblick Neue Spielzeit: Theater Chemnitz legt mit "trotzigem Optimismus" wieder los

Nach monatelanger, corona-bedingter Pause geht das Theater "mit trotzigem Optimismus" in die neue Spielzeit. Generalintendant Dittrich gab am Freitag einen Ausblick aufs Programm. Als besonderes Highlight sieht er die Inszenierung von Wagners "Tristan und Isolde" durch Elisabeth Stöppler. Außerdem wird der Ost-Fernsehklassiker "Spuk unterm Riesenrad" auf die Bühne geholt.

Mit dem Rock'n'Roll-Musical "Footloose" startet das Theater Chemnitz in die neue Spielzeit. Das sagte Generalintendant Christoph Dittrich am Freitag beim Ausblick auf das Programm. Nach monatelanger, corona-bedingter Pause gab er sich "trotzig optimistisch":

Wir wollen die gesamte Saison für unser Publikum da sein.

Christoph Dittrich Generalintendant Theater Chemnitz

Es werde im Herbst und Winter pandemiebedingt wohl eine Herausforderung sein, das richtige Maß zwischen Spielfreude und notwendiger Vorsicht zu finden, betonte Dittrich. Ziel sei aber, Einschränkungen gering zu halten und erneute Schließungen der Häuser zu vermeiden.

"Footloose", Wagners "Tristan", "Spuk unterm Riesenrad"

Los geht es mit der Premiere von "Footloose" von Tom Snow und Dean Pitchford im Opernhaus. Auch Wagner-Fans sollen auf ihre Kosten kommen: mit "Tristan und Isolde" in der Regie von Elisabeth Stöppler. Dittrich erklärte im Gespräch mit MDR KULTUR, er freue sich, die Arbeit mit Stöppler fortzusetzen. Deren Inszenierung von Wagners "Götterdämmerung" war 2019 mit dem renommierten Theaterpreis "Der Faust" ausgezeichnet worden. Das Theater Chemnitz hatte den vierteiligen "Ring"-Zyklus 2018 von vier Regisseurinnen in Szene setzen lassen. Dittrich ergänzte, im Übrigen habe Wagners Oper "Tristan und Isolde" den Vorteil, eigentlich ein Kammerspiel zu sein. Das könne helfen, auf veränderliche Pandemie-Bedingungen schnell zu reagieren.

Auf die Bühne geholt werden soll außerdem der Ost-Fernsehklassiker "Spuk unterm Riesenrad" als Musiktheaterstück. Das Ballett begibt sich auf die Spuren des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff mit einem Abend unter dem Titel "Wieso ist die Nase blau?".

Großer Umzug: Schauspiel im Spinnbau-Interim

Für Schauspiel und Puppentheater steht in der kommenden Spielzeit ein Umzug an. Grund ist die Sanierung des Schauspielhauses. Der von den Chemnitzern "heiß geliebte" Bau sei seit 1980 nicht mehr instandgesetzt worden, so Dittrich im Gespräch mit MDR KULTUR. Die Sanierungsarbeiten würden etwa zwei Jahre dauern. Dafür müsse der komplette Theaterbetrieb mit zwei Sparten, Magazinen, Werkstätten, Garderobenräumen ausgelagert werden. Das sei eine Herausforderung. Zugleich sei das Interim im ehemaligen Spinnereimaschinenbau sehr reizvoll und inspirierend für die künstlerische Arbeit. Der Saal transportiere sehr viel von dem, was Chemnitz ausmache, sagte Dittrich im Hinblick auf die reiche Industriegeschichte der Stadt. Diesen Ort gemeinsam mit dem Publikum zu erobern, das sei auch eine Chance. Im Spinnbau soll es ab Oktober erste Vorstellungen geben.

"Kein Schlussstrich!": Auf den Spuren von Selma Meerbaum-Eisinger

Auf dem Programm beider Sparten stehen zwei Inszenierungen zum bundesweiten Projekt "Kein Schlussstrich!" anlässlich des Auffliegens der NSU-Terrorzelle vor zehn Jahren. In einem Stück dazu begeben sich Künstler der freien Szene zusammen mit Jugendlichen der Stadt auf die Spuren der Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger, die 1941 in einem deutschen Arbeitslager starb.

Figurentheater: Arbeits-Migration, "Atlas der abgelegenen Inseln"

Unter dem Titel "So glücklich, dass du Angst bekommst" erzählt das Figurentheater Geschichten von Chemnitzer Frauen aus Vietnam im Spannungsfeld von Migration, Integration und Arbeit. Außerdem setzt das Figurentheater Judith Schalanskys Roman "Atlas der abgelegenen Inseln" als Text-Soundcollage um. Dittrich zufolge entstand dieArbeit weitestgehend in der Lockdown-Zeit, geprägt von dem Gedanken, dass Inseln Paradiese, in ihrer Einsamkeit aber auch die Hölle sein können. Mit den Mitteln des Figurentheaters ließe sich die wunderbare literarische Vorlage besonders sinnlich umsetzen, so Dittrich.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. Juni 2021 | 13:15 Uhr

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