Pandemie Wie bereitet sich das Theater "Clack" in Wittenberg auf den Neustart vor?

Privat geführte Theater wie das Varieté Clack haben mit dem Lockdown zu kämpfen. Doch in Wittenberg zeigen sie sich kreativ und erfahren Solidarität vor Ort. Julia Hemmerling hat für MDR KULTUR bei den Theaterbetreibern Mario Welker und Stefan Schneegaß nachgefragt.

Coronas-bedingte Fernmikrofonierung zweier Männer auf der Bühne
Mario Welker, Stefan Schneegaß und MDR KULTUR-Reporterin Julia Hemmerling (vlnr) Bildrechte: MDR/Julia Hemmerling

Privat geführte Theater wie das Clack Theater in Wittenberg stehen in Pandemiezeiten vor ganz besonderen Herausforderungen. So auch die beiden Betreiber des Clack Theaters, Mario Welker und Stefan Schneegaß. Doch sie finden in der Krise kreative Lösungen, beispielsweise werden Prachtexemplare aus dem Kostümfundus verkauft – und davon hat dieses Varietétheater einige zu bieten.

Stilvolle Theaterbar
Auch die Theaterbar des Clack ist derzeit verwaist. Bildrechte: MDR/Julia Hemmerling

Feinste, maßgeschneiderte Stoffe lassen die Frage aufkommen, was der edle Zwirn wohl wert ist. Eines ist beispielsweise das Kostüm der Königin der Nacht. Schneeßag betont den ideellen Wert eines solchen Stückes, weshalb man den wahren Wert gar nicht schätzen könne. Auf dem Kleid seien "über 5000 Strasssteine, alle per Hand aufgenäht." Viele Karnevalsvereine haben derartige Exemplare schon abgekauft.

Kostüme von berühmten Häusern

Kostümfundus
Ein Blick in den bunt bestückten Kostümfundus des Clack. Bildrechte: MDR/Julia Hemmerling

Diese Bühnenkleider werden laut den Betreibern nicht verramscht und sollen angeblich auch keine Coronamiesen ausgleichen. Und es gibt auch Liebhaberstücke, die vom Lido de Paris übernommen wurden, oder dem Theater des Westens, ebenso Originale von Mary und Gordy oder Lilo Wanders. Doch davon können sich die Theatermacher nicht trennen und sammeln sie daher in einer Vitrine.

Auf dem Weg ins Treppenhaus kommt man an Requisiten vorbei, die gerade für das Kindermärchen "Rotkäppchen und der Wolf" fertiggestellt waren. Sie wecken traurige Erinnerung, denn als man dem zwölfjährigen Darsteller eines Hasen mitteilen musste, dass die Darbietung abgesetzt sei, flossen bei ihm die Tränen und auf die Vertröstung auf das nächste Jahr erwiderte er traurig: "Aber dann pass ich doch nicht mehr ins Kostüm."

Die Gemeinschaft vor Ort hilft

Ein Theater wie das Clack am Leben zu erhalten ist eine Gemeinschaftsaufgabe – und die Gemeinschaft funktioniert in Wittenberg. Welker erzählt "die Stadt Wittenberg steht sehr hinter uns. Das ist ja auch ein städtisches Objekt und der Oberbürgermeister Torsten Zugehör kommt auch hier vorbei und fragt, braucht ihr irgendwas, sollen wir irgendwas stunden?"

Blick auf die Bühne
Die Bühne des Clack Theaters. Bildrechte: MDR/Julia Hemmerling

Auch andere helfen. Bereits im ersten Lockdown gab es die Aktion "Groß hilft Klein" bei der die Stickstoffwerke Piesteritz der Altstadt und fast jedem Betrieb in Wittenberg zwischen drei und zehntausend Euro einfach geschenkt haben, berichtet Welker begeistert: "Das sind halt so Sachen, das müsste eigentlich deutschlandweit rumgetragen werden, dass es in so einer Kleinstadt sowas gab. Tja, und das Geld war pünktlicher auf dem Konto als die Soforthilfen."

Einzelpersonen unterstützen ebenso, sei es im Kleinen durch eine Schokoladenschachtel mit "einem Fünfer drin", beschreibt Welker, oder so wie eine Frau, die hat "den ganzen Saal mit Show gemietet und gesagt: Kommt behaltet das Geld. Wir holen das irgendwann nach, wenn es euch besser geht."

Ich denke, es ist die Nähe, die wir selber auch zum Publikum haben, dass wir selber auch immer präsent sind. Darum bemühen wir uns. Meistens sind wir es auch.

Mario Welker über die Gründe für die Hilfsbereitschaft für ihr Theater

Die erste Show nach dem Lock Down soll "Keep Smiling" heißen – ein Potpourri aus Stücken, die das Publikum noch nicht gesehen hat. Das passt.

Mehr aus der Theatelandschaft

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. März 2021 | 13:10 Uhr

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei