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Joachim Klement, Intendant des Staatsschauspiels Dresden Bildrechte: MDR/Alexandra Fröb

Corona-Pandemie

Warum sind die Kirchen geöffnet – aber die Theater geschlossen?

Stand: 23. Januar 2021, 13:45 Uhr

Die Theater sind momentan geschlossen und werden es noch viele Wochen sein. Wieder brechen Einnahmen weg, findet kein Kontakt mit dem Publikum statt und bleiben aufwändige Inszenierungen ungesehen. Was das für die Häuser bedeutet, dazu ist der Intendant des Staatsschauspiels Dresden, Joachim Klement, mit MDR KULTUR im Gespräch.

MDR KULTUR: Die Kirchen sind während des Lockdowns geöffnet – und die Theater sind zu. Sie haben das im Magazin "Theater heute" kritisiert und schreiben dort "wer Kultur mit Freizeit gleichsetzt, zerstört die Fundamente der offenen Gesellschaft. Und wer als Staatsvertreterin signalisiert, dass Religionsausübung wichtiger ist als Kultur und Kunstfreiheit, der eröffnet eine Wertedebatte, die überflüssig ist. Ich erwarte Besserung!" Wie könnte so eine Besserung aussehen? Indem man Kultur ins Grundgesetz schreibt?

Joachim Klement: Möglicherweise. Das ist doch gar keine schlechte Idee! In Sachsen ist es ja schon in die Verfassung eingeschrieben und Staatsauftrag. Und das kann ich mir für die Bundesrepublik sehr gut vorstellen. Es würde auch Zeit.

Ich fand einfach auch nicht schwierig, dass die offen sind sondern ich fand diese Unterscheidung schwierig. Ich bin selber ein gläubiger Mensch. Ich habe nur Schwierigkeiten, mir bei dieser unlauteren Wortwahl im Begründungszusammenhang vorzustellen, dass man da Trennungen vornimmt. Und ich habe mich ein bisschen darüber geärgert, mit welcher Nachlässigkeit da formuliert wird. Es ist einfach unnötig.

Was bedeutet es eigentlich für die Theater, wenn ein Lockdown immer wieder verlängert wird? Ihre "Macbeth"-Inszenierung zum Beispiel stand vor fast einem Jahr kurz vor der Premiere. Dann kam Corona. Und inzwischen ist sie zur Eröffnung der Spielzeit 2023 geplant. Große Terminkollision oder großer Verschiebebahnhof?

Ja, der Verschiebebahnhof, den gibt es. Ich würde das nur überhaupt nicht so negativ sehen. Wir haben "Macbeth" verschoben, weil wir keine Rahmenbedingungen gefunden haben, um die Vielfalt von dem, was dort auf der Bühne präsentiert werden sollte, also mit 37 Beteiligten, die unter diesen Umständen jetzt auf die Bühne zu bringen. Und "Schmalhans ist Küchenmeister" ist ja nicht immer die beste aller Lösungen. Also haben wir gesagt: Wann könnte denn der sicherste nächste Zeitpunkt sein, nachdem die Pandemie sich verlängert hat, wo wir es verlässlich zeigen können? Und das ist dann dieser Zeitpunkt. Der hat auch mit der Möglichkeit zu tun, dass der Hauptdarsteller und Regisseur einfach ein Zeitfenster hat oder sich blockieren konnte.

Das gilt aber für viele andere Arbeiten auch. Wir probieren jetzt im Moment und probieren Arbeiten, von denen wir wissen, dass wir sie zum geplanten Zeitpunkt nicht herausbringen. Aber wir suchen dann nach Premierenmöglichkeiten, beziehungsweise Wiederaufnahmemöglichkeiten in der neuen Spielzeit. Wir haben, im Gegensatz zur ursprünglichen Planung, einen Großteil der ersten Jahreshälfte in der neuen Saison, also in der zweiten Jahreshälfte, dem Beginn der neuen Saison, wirklich leer geräumt. Damit wir das, was wir produziert haben unter diesen Bedingungen – weil wir auch noch mit Einschränkungen nach dem Sommer rechnen für den Bereich der Zuschauer – dann auch unserem Publikum zeigen können. Um auch dort, wie beim letzten Mal schon, eine große Bandbreite von dem zeigen zu können, was zeitgenössisches Theater heute sein kann.

Befürchten Sie nach dem Lockdown eine Sparwelle bei den Theatern? Also finanzielle Engpässe, die immer größer werden, je mehr die Theater in der Provinz liegen?

Ich glaube, dass das erstmal mit der Größe nix zu tun hat. Es werden im Moment sehr viele Mittel ausgegeben, um diese Folgen der Pandemie in irgendeiner Form einzudämmen. Wenn da jetzt verantwortliche Politikerinnen am Start sind, die sagen, 'das können wir nicht einfach der nächsten Generation überhelfen', dann muss man dafür Lösungen finden. Und das wird, glaube ich, zu Einschnitten führen. Also, das ist doch die Diskussion, die es jetzt schon gibt. Darauf muss man sich einstellen.

Das Staatsschauspiel Dresden Bildrechte: IMAGO

Ich habe aber trotzdem den Eindruck, dass die Pandemie – trotz aller Einschnitte – auch dazu geführt hat, dass die Menschen noch mal Bewusstsein auf eine andere Art und Weise dafür bekommen haben, im Zusammenhang mit den Diskussionen um Kultur, was einem alles fehlt, wenn das nicht mehr greifbar ist und unseren Alltag mitgestaltet. Und ich hoffe darauf, dass sich das dann in den Finanzierungsdebatten auch niederschlägt.

Das Interview führte Annett Mautner für MDR KULTUR.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 22. Januar 2021 | 18:05 Uhr