Debatte Verdient der Erfurter Theaterintendant Guy Montavon zu viel?

Mareike Wiemann
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Theaterintendantinnen und -intendanten machen einen anstrengenden Job: Sie führen künstlerisch, fungieren aber auch als Manager. Für ihre Leistungen werden sie deswegen gut bezahlt – die Frage ist nur, nach welchen Kriterien diese Vergütung erfolgt und wie transparent alles ist. Ein interner Prüfbericht, der MDR KULTUR vorliegt, zeigt, dass die Stadt Erfurt viel Nachholbedarf hat.

Guy Montavon, Intendant des Theaters Erfurt, steht nach einer Pressekonferenz zum Programm des Philharmonischen Orchesters im Treppenhaus.
Guy Montavon ist seit 2002 am Theater Erfurt. Im vergangenen Sommer entschied sich der Stadtrat für eine weitere Amtszeit, von 2022 bis 2027. Bildrechte: dpa

Das Theater Erfurt ist ein Eigenbetrieb der Stadt. Es wird aber bei weitem nicht so transparent kontrolliert, wie etwa der Zoo oder der Entwässerungsbetrieb. Deutlich wird das in einem Bericht des Rechnungsprüfungsamts aus dem vergangenen Jahr. Darin wird empfohlen, dass künftige Intendantenverträge nach einem Ordnungsrahmen abgeschlossen werden sollten, der die folgenden Regelungen umfasst:

- Maximale Höhe des monatlichen Gehalts
- Maximaler Vomhundersatz der jährlichen Zuwendung
- Maximal zulässiges Honorar für eigene Inszenierungen etc.
- Höchstzulässige Länge des Gastierurlaubs und
- Regelungen zur Dienstwagennutzung

Der Vertrag des aktuellen Intendanten Guy Montavon ist nicht anhand eines solchen Ordnungsrahmens geschlossen worden. Viele Punkte sind scheinbar geregelt, aber nicht anhand von nachvollziehbaren Kriterien. Weder Gehalt noch die konkrete Vertragsausgestaltung sind für Außenstehende einsehbar. Im Stadtrat hat das Papier dementsprechend für Wirbel gesorgt, vor allem, weil der Prüfbericht erst kurz nach der Entscheidung zur Vertragsverlängerung publik wurde. "Der zentrale Punkt ist der der Transparenz", analysiert Niklas Waßmann, der für die CDU im Werkausschuss des Theaters sitzt. "Das ist etwas, was wir seit Jahren eingefordert haben und jetzt auch schriftlich haben. Jetzt müssen endlich Taten folgen."

Wenig Kontrolle, viel Spielraum?

Thomas Schmidt, Professor für Theatermanagement
Thomas Schmidt, Professor für Theatermanagement, ist in Erfurt aufgewachsen. Von 2003 bis 2012 war er geschäftsführender Direktor des Deutschen Nationaltheaters Weimar. Bildrechte: Thomas Schmidt

Auch für Thomas Schmidt, Professor für Theatermanagement an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main, stellt die Undurchsichtigkeit des aktuellen Vertrags ein großes Problem dar. Weil die öffentliche Kontrolle in den vergangenen Jahren fehlte, falle das Dokument sehr intendantenfreundlich aus, so Schmidt: "Ich kenne ca. 60 Prozent aller Vertragstypen an deutschen Theatern von Intendantinnenverträgen. Und ich muss sagen – das Erfurter Theater hat vertraglich etwa die Besonderheiten wie der Vertrag von Daniel Barenboim an der Staatsoper in Berlin."

Laut Schmidt haben diese Besonderheiten für die Stadt Erfurt ganz konkrete finanzielle Folgen. Etwa, wenn es um Montavons Engagement an anderen Häusern gehe. Der Intendant inszeniere regelmäßig im Ausland und sitze in Jurys zu Gesangswettbewerben, ungewöhnlich oft sei er deswegen auch innerhalb der Spielzeiten nicht vor Ort: "Normalerweise würde die Stadt in einem solchen Falle sagen: Alles was du, lieber Intendant, in Japan verdienst, musst du an uns abführen. Denn du bekommst bei uns ein gutes Gehalt, was alles inkludiert. Aber hier ist das On Top!"

Rechtlich alles in Ordnung

Tobias Knoblich, Kulturdezernent der Stadt Erfurt
Tobias Knoblich, Kulturdezernent der Stadt Erfurt Bildrechte: imago images/VIADATA

Was für Thomas Schmidt extrem ungewöhnlich ist, wird bei der Stadt Erfurt als normal angesehen. Der Kulturbeigeordnete Tobias Knoblich sagt, die Stadt profitiere von Montavons internationalem Renommee, alles sei genehmigt, der Intendant werde seinen Verpflichtungen in Erfurt vollumfänglich gerecht: "Die Erfolgsbilanz ist im Stadtrat gelobt worden. Keiner hat gesagt, er macht eine schlechte Arbeit. Alle waren bemüht zu betonen, dass das Musiktheater aufgeblüht ist in dieser Zeit."

Komplett glücklich ist der Kulturbeigeordnete mit dem aktuellen Vertrag allerdings auch nicht. Knoblich vermisst ebenfalls Transparenz – ihm seien jedoch weitgehend die Hände gebunden gewesen, nachdem der Stadtrat sich im vergangenen September für eine weitere Amtszeit von Guy Montavon ausgesprochen hätte: "Es ging um eine Verlängerung. Und im alten Vertrag war geregelt, wie die Bedingungen dafür sind. Der Prüfbericht fokussiert dementsprechend auf einen neuen Vertrag mit einer neuen Intendantin. Und da werden wir uns natürlich von ein paar Dingen frei machen und versuchen, einen für die Stadt Erfurt noch günstigeren Vertrag auszuhandeln."

Beim nächsten Mal will man es besser machen

Guy Montavons letzte Amtszeit beginnt in einem Jahr und endet 2027. Eine notwendige Zeitspanne, um die Nachfolge sorgfältig und zeitgemäß zu regeln, betonen Kulturbeigeordneter Knoblich und Stadtrat Waßmann. Thomas Schmidt hingegen sieht die Interessen der Bürgerinnen und Bürger, der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, grundsätzlich verletzt. Er hinterfragt die in Erfurt gern kommunizierte Erfolgsbilanz des Theaters kritisch, und fordert, dass die Stadt mit Guy Montavon bald einen Aufllösungsvertrag verhandeln sollte.

Hinweis der Redaktion: Auch Guy Montavon wurde für eine Stellungnahme angefragt, er möchte sich jedoch nicht zur Thematik äußern.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. März 2021 | 08:10 Uhr

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