Kritik "Alles muss glänzen" am Theater Gera – (k)eine Weltuntergangs-Komödie

In Noah Haidles Komödie "Alles muss glänzen" durchlebt das Publikum den Countdown des Weltuntergangs. Das Stück wurde bereits an Theaterhäusern in Hannover und Berlin aufgeführt und feierte nun in Gera Premiere. Regisseur Matthias Thieme hat bei seiner Inszenierung jedoch die Komödie aus den Augen verloren, zu lachen gibt es wenig.

Szene aus dem Theaterstück Alles muss glänzen" am Theater Altenburg-Gera
Die Komödie "Alles muss glänzen" feierte am 23. April 2022 Premiere auf der Bühne am Park in Gera. Bildrechte: Ronny Ristok

Willkommen in der Bühne am Park in Gera. Auf dem Spielplan steht mit "Alles muss glänzen" ein Stück, "in dem Autor Noah Haidle mit leichter Hand den Komödienfaden spinnt und das Publikum beschwingt den Countdown des Weltuntergangs durchlebt", so steht es in der Vorankündigung zu lesen und das klingt vielversprechend. Doch das Ergebnis ist ernüchternd. Obwohl der Autor Noah Haidle ein Profi ist.

Stück made in  Hollywood

Der 1978 geborene Amerikaner lebt in Los Angeles und schreibt neben Theaterstücken auch Drehbücher für Hollywood und Fernsehserien, in denen auch schon mal Al Pacino oder Jim Carrey spielen. Auch in Deutschland ist er kein ganz unbekannter. "Alles muss glänzen" war schon in Hannover und am Theater am Kurfürstendamm in Berlin zu sehen.

Sound und Bühne bereit für die Sintflut

Die Szene ist die Sintflut. In einem imaginierten Ort, irgendwo in der amerikanischen Provinz unserer Tage. Auf die Studiobühne des Theaters am Park hat die Bühnenbildnerin Heike Mondschein als einziges Objekt einen drehbaren großen Würfel gesetzt. Auf dem liegt zu Beginn eine Gestalt in Grasgrün und beginnt zu erzählen. Von ihrem Sohn, der sich als Kind von einem Baumhaus gestürzt hat, inzwischen aber erwachsen und weg ist. Auf der Suche nach dem verschwundenen Vater.

Szene aus dem Theaterstück Alles muss glänzen" am Theater Altenburg-Gera
Die Bühne wird zur Unterwasserlandschaft. Bildrechte: Ronny Ristok

"Wo sind sie alle?", fragt die Frau in Grün und klagt, dass sie allein und die Stille am schlimmsten ist. Und plötzlich verwandelt sich die Szene in eine Unterwasserlandschaft. Eine sphärische Musik erklingt, Fische schwimmen durch einen gefluteten Wald. Sounddesigner Sebastian Wolf und Julian Mosbach als Videoproduzent haben gute Arbeit geleistet.

Auf einem Screen an der Decke meldet sich auch noch ein gewisser Ahab zu Wort. Später wird auch noch ein Video-Wal durchs Bild schwimmen. Plötzlich tauchen vier kuriose Taucher auf und klagen ihr Leid. Sie entpuppen sich als reale Mitmenschen, die offenbar auch überlebt haben: die Tochter, deren Freund, eine Freundin der Mutter und ein an Leben und Beruf verzweifelter Lateinlehrer.

Szene aus dem Theaterstück Alles muss glänzen" am Theater Altenburg-Gera
Auf die Studiobühne des Theaters am Park in Gera hat Bühnenbildnerin Heike Mondschein als einziges Objekt einen drehbaren großen Würfel gesetzt. Bildrechte: Ronny Ristok

Im Prinzip erzählt der Autor eine dieser amerikanischen Provinz-Gesellschaftsgeschichten, wie wir sie von Tennessee Williams kennen. Er vermischt das mit Motiven aus Herman Melvilles "Moby Dick" und verleiht dem Ganzen dann noch eine biblische Dimension, indem er seine Protagonistinnen Rebecca und Rachel nennt und den verlorenen Sohn als ein Mischwesen aus Kapitän Ahab und Jesus Christus durch die Fluten treiben lässt.

Eine Komödie, in der es nichts zu lachen gibt

Der Autor nimmt inhaltlich den Mund ziemlich voll. Zu voll, als dass man das alles bierernst nehmen sollte – zumal in einer Weltuntergangs-Komödie. Aber das hat der Regisseur des Abends, Matthias Thieme, entweder überlesen oder mit voller Absicht vergessen. Und das macht das ganze zu einem echten Drama. Denn hier gibt es nichts zu lachen, sondern echt zu leiden. Nicht lange. Nach gut 80 Minuten ist der Spuk vorbei und wir allesamt so klug als wie zuvor. Außer ein paar Verzweiflungslachern gab es auch keine Reaktionen aus dem Publikum. Und dabei wäre es so einfach gewesen. Der gleiche Text wie von den Simpsons präsentiert, schon wären wir drin in der bitterbösesten Gesellschafts-Komödie.

Klares Regie-Versagen

Szene aus dem Theaterstück Alles muss glänzen" am Theater Altenburg-Gera
Zum Textabliefern verdammt: Ines Buchmann als Rebecca Bildrechte: Ronny Ristok

Die Schauspieler hängen dabei in der lauen Luft. Ines Buchmann ist Rebecca, die zentrale Mutterfigur. Ist es Absicht oder Zufall, sie sieht in ihrem grünen Anzug und mit ihrer platinblonden Perücke aus wie ein Anke Engelke-Double. Und genauso wie diese Komödiantin hätte sie das auch spielen müssen. Sie ist aber zum weitgehend emotionslosen Textabliefern verdammt. Fazit: Statt Lady-Kracher ein Rohrkrepierer.

Mehr Informationen zu "Alles muss glänzen" in Gera "Alles muss glänzen" Bühne am Park Gera

Schauspiel von Noah Haidle
Deutsch von Brigitte Landes
Ab 15 Jahren

Inszenierung: Matthias Thieme
Bühne und Kostüme: Heike Mondschein
Dramaturgie: Jörg Neumann

Weitere Aufführungen:
Sonntag, 1. Mai, 18 Uhr
Samstag, 14. Mai, 18:30 Uhr
Sonntag, 5. Juni, 14:30 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. April 2022 | 13:15 Uhr

Mehr MDR KULTUR