Ausblick auf neue Spielzeit Bühnen Halle: Neustart mit "Sommernachtstraum", Kafka, Dracula

Pressekonferenz der Bühnen Halle am 8. Juli 2021 4 min
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Auf der Pressekonferenz der Bühnen Halle ging es heute u.a. um die coronabedingte Brachlegung des Spielbetriebes und die nicht enden wollende Personaldebatte. Anne Sailer hat die Pressekonferenz für MDR KULTUR verfolgt.

MDR KULTUR - Das Radio Do 08.07.2021 15:30Uhr 04:08 min

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Mit gut 40 Premieren von Theater und Ballett sowie Konzerten der Staatskapelle starten die Bühnen Halle im September 2021 in die neue Spielzeit. Dabei betonte Uta van den Broek als Geschäftsführerin der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH) die gravierenden Folgen der Pandemie, die 2020 zu einem Abbruch des laufenden Spielbetriebs vor Publikum und zu Einnahmeverlusten von mehr als zwei Millionen Euro geführt habe. Andererseits habe die Zeit das Team zusammengeschweißt: "Bei aller Tragik konnten wir auch viel lachen."

Blick nach vorn mit Opernintendant Sutcliffe

Verbunden mit dem Blick nach vorn und der Hoffnung auf eine "wunderschöne neue Spielzeit" ist der Amtsantritt von Walter Sutcliffe als Opernintendant. Der 1976 in London geborene Brite probt bereits seit Monaten am Haus und lobte bei der Spielzeit-Vorstellung am Donnerstag das "sehr engagierte Ensemble".

Britten, "Brockes Passion", "Orlando" bei den Händel-Festspielen 2022

Als seine erste Opern-Inszenierung in Halle wird Sutcliffe Benjamin Brittens Version von Shakespeares "Sommernachtstraum" zeigen, er verspricht "ein absolutes Fest für die Imagination". Premiere soll am 18. September sein, dem Tag, an dem in Halle die Feierlichkeiten zur Einheit beginnen, wie Sutcliffe erklärt, der den britisch-deutschen Bogen dann schließen möchte mit "Brockes Passion" nach der Musik von Georg Friedrich Händel, dem in Halle geborenen Komponisten, der später in London große Erfolge feierte.

Als eine Reflexion über das Wesen der Religion versteht Sutcliffe das Oratorium, das bereits bei den Händel-Festspielen im April 2021 Premiere feiern sollte. Jetzt wird sie in Festivalbesetzung am 3. Oktober nachgeholt. Zum großen 100-jährigen Jubiläum der Festspiele 2022 plant Sutcliffe, Händels Oper "Orlando" auf die Bühne zu bringen.

Premiere feiern werden in der kommenden Spielzeit außerdem Inszenierungen von Wagners "Tristan und Isolde", Verdis "Rigoletto" oder Monty Python's "Spamelot", auch das Broadway-Musical von John Du Prez und Eric Idle war eigentlich schon für die letzte Spielzeit vorgesehen. Uraufgeführt wird mit "Manru" schließlich eine Oper von Ignacy Jan Paderewski.

Neuer "hallescher Stil"

Oper Halle
Opernhaus Halle Bildrechte: IMAGO

Der neue Opernintendant erklärte außerdem, einen eigenen "halleschen Stil" kreieren zu wollen. Als Regisseur stelle er sich in den Dienst des Werkes und des Ensembles: "Ein Kollege von mir hat einmal gesagt: 'Der beste Regisseur ist eigentlich der, der es schafft zu verschwinden.'" So verstehe auch er seine Arbeit.

Kafkas "Urteil", Molière und Dracula im Puppenstück

Fürs Schauspiel blickte der Intendant des neuen theaters, Matthias Brenner, voraus und kündigte auch digitale Angebote an: "Wir werden neue Wege beschreiten, aber das Kerngeschäft bleibt, vor Publikum zu spielen", so Brenner. Die Bühne wolle sich weiterhin mit künstlerischen Mitteln politisch einmischen, betonte er. Premiere feiern wird Kafkas "Das Urteil". Aus Anlass des 400. Geburtstages von Molière wird sein Stück "Donna Juanita" aufgeführt.

Puppentheater-Intendant Christoph Werner kündigte eine Koproduktion mit einem französischen Ensemble zum Stück "Dracula – Mächte der Finsternis" an, auf das sich "die Hallenser wirklich freuen können".

"Peer Gynt" als Gesamtkunstwerk

Das Ballett wird mit "Peer Gynt" eine Grieg-Inszenierung auf die Bühne bringen, in der alle Sparten vereint sein sollen. Beteiligt sind neben Staatskapelle und Chor auch die Puppentheater-Sparte und das Schauspiel.

Pandemie-Folgen wiegen schwer

Das Programm sehe neue Aufführungen wie auch corona-bedingt verschobene Inszenierungen vor, so TOOH-Geschäftsführerin van den Broek, die außerdem bilanzierte, die Einnahmen seien in der letzten Spielzeit pandemie-bedingt "in den Keller gerutscht": "Wir konnten nur überleben durch Kurzarbeit", so van den Broek. Von den ursprünglich erwarteten rund drei Millionen Euro an Ticket-Einnahmen kamen am Ende demnach nur rund 915.000 Euro zusammen. Statt 210.000 geplanter Besucherinnen und Besucher seien es nur 57.000 gewesen. Von den 1.015 Veranstaltungen hätten pandemie-bedingt nur 367 stattgefunden.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. Juli 2021 | 16:40 Uhr

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