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Das Theater der Jungen Welt in Leipzig-Lindenau Bildrechte: dpa

Theater der Jungen Welt

"Ein besonderes Projekt": So gibt das Leipziger Jugendtheater dem Publikum Einfluss

von Luise Tasler, MDR KULTUR

Stand: 01. Februar 2021, 13:47 Uhr

Winnie Karnofka leitet seit dieser Spielzeit das Theater der Jungen Welt in Leipzig. In ihrer ersten Saison ist sie nicht nur mit außergewöhnlichen Problemen konfrontiert, sondern hat auch besondere Projekte mitgebracht. In einem Experiment sollen Menschen aus Leipzig Ideen für die Spielplan entwickeln und das Programm vielfältiger machen. Der neue Beirat hat sich nun zum ersten Mal getroffen.

Im virtuellen Konferenzraum des Theaters der Jungen Welt in Leipzig ist viel los. Popmusik schallt aus Computerlautsprechern. Während die Mitarbeitenden in die Webcam winken, schalten sich minütlich Menschen dazu. Ungefähr 40 Leipzigerinnen und Leipziger aus verschiedenen Altersgruppen wollen wissen, was es mit dem "Stadt-Theater-Zukunft-Experiment" auf sich hat.

Hinter dem sperrigen Titel steckt tatsächlich ein Experiment: Das Kinder- und Jugendtheater möchte enger mit seinem Publikum zusammenarbeiten. Deshalb hat es einen Beirat ins Leben gerufen, in dem das Publikum sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichberechtigt diskutieren können.

Konkrete Ideen des Leipziger Publikums umsetzen

Katrin Maiwald ist Theaterpädagogin am Theater der Jungen Welt Leipzig Bildrechte: Theater der jungen Welt/Sebastian Schimmel

Katrin Maiwald, Theaterpädagogin am Theater der Jungen Welt, war an der Gründung beteiligt. Sie glaubt, dass auch andere Theater versuchen, ihre Spielpläne im Austausch mit dem Publikum zu erstellen. "Aber dass man sagen kann: Hier ist eine konkrete Idee von einem 10-Jährigen aus Leutzsch und die versuchen wir in unserer nächsten Probe mit einer Schauspielerin und Licht und dem ganzen Team umzusetzen – ich glaube, das passiert relativ selten", so Maiwald. Das liege an der langfristigen Planung bei Theatern. "Ich glaube, diese kurzfristige Direktheit ist auch das, was besonders an diesem Projekt ist", findet Maiwald.

Das Gremium wird sich zunächst einmal im Monat, später sogar wöchentlich treffen. Mittels der Videokonferenz-Software "Zoom" besprechen die Mitwirkenden künstlerische Ideen und probieren sie aus. So sollen konkrete Projekte entstehen und in den Spielplan aufgenommen werden.

Das Gremium soll dauerhaft Einfluss behalten

Aber wie nachhaltig wird der Einfluss des Gremiums sein? Es ist schließlich, wie der Name sagt, ein "Experiment". Das klingt nicht nach langfristiger Veränderung. Dennoch glaubt Theaterpädagogin Maiwald, dass es nicht bei einer Utopie bleibt, "die wir auf einer Bühne präsentieren und danach machen wir alles so wie immer." Stattdessen gehe es um einen Prozess und eine nachhaltige Auseinandersetzung, die "auch einfließt in das alltägliche Tun im Theater der Jungen Welt."

Winnie Karnofka, Intendantin des Theaters der Jungen Welt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Diese Vorstellung teilt Winnie Karnofka, Intendantin des Theaters der Jungen Welt. Sie glaubt, dass ein Publikumsgremium ein wichtiger Baustein für den Theaterbetrieb sein könne. Wichtig sei aber, dass Theaterschaffende und ihr Publikum gleichberechtigt diskutierten und sich auch gegenseitig als Experten wahrnähmen, erklärt Karnofka. Es gehe nicht nur um die Auswahl der Stücke, sondern um eine langfristige Diskussion darüber, wie ein Theater aussehen könne: "Da empfinde ich auch Bürgerinnen und Bürger als die Experten ihrer Stadt."

Das Theater will neues Publikum erreichen

Formate mit Laien sind im Theater der Jungen Welt nicht neu. Es gibt eine Bürgerbühne und mehrere Amateurclubs. Dadurch sei der Input von außen schon immer da gewesen, sagt Karnofka. Mit dem neuen Gremium soll die Nähe zum Publikum nun aber institutionalisiert werden. Für Karnofka ist das eine Chance: "Für mich ist Theater eine Kommunikationsform. Ich will mit jemandem in Kommunikation über Kultur, über Theater, über Kunst geraten." Es gehe darum, miteinander Distanz zu verringern, so die Intendantin.

Wichtig sei außerdem, dass das Gremium divers ist und damit die Zuschauer des Theaters der Jungen Welt möglichst gut repräsentiert. So soll die Hälfte des Beirates aus Kindern und Jugendlichen bestehen. Außerdem will das Team Gruppen ansprechen, die sich sonst nicht ins Theater trauen. Deshalb sind die Sitzungen für alle offen – das Theater der Jungen Welt sucht weiter nach passenden Mitgliedern.

Hier setzt Theaterpädagogin Maiwald auf die Zusammenarbeit mit Vereinen und Initiativen aus ganz Leipzig. Die Idee sei ein Dialog mit möglichst unterschiedlichen Menschen, die die Stadt unterschiedlich wahrnähmen. So sollen das Theater und sein Publikum bunter und engagierter werden.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 01. Februar 2021 | 13:10 Uhr