Ausblick auf neue Spielzeit Theater Magdeburg verspricht Premieren-Reigen und den Fall der Grete Minde als Oper

Theater Magdeburg 9 min
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Mit großem Aufschlag geht Karen Stone in ihre letzte Spielzeit als Generalintendantin am Theater Magdeburg. Nach monatelanger Corona-Pause kündigte sie am Dienstag einen wahren Reigen von Premieren an.

Karen Stone
Generalintendantin Karen Stone inszeniert "Don Giovanni" und "Falstaff" Bildrechte: Theater Magdeburg

Im Musiktheater kommen Mozarts "Don Giovanni" oder Verdis "Falstaff" in Stones Regie sowie das Musical "My Fair Lady" inszeniert von Erik Petersen auf die Bühne. Im Schauspiel reicht die Spanne von Goethes "Urfaust" über Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" bis hin zu Film- und Literatur-Adaptionen wie "Solo Sunny" oder Judith Schalanskys Roman "Der Hals der Giraffe".

Ich wünsche mir einen vollen Zuschauerraum. Und diese innige Beziehung zwischen Bühne und Zuschauerraum. Das füttert unsere Seele. Das brauchen wir. Ich kann nur sagen, ich arbeite seit über 40 Jahren im Theater. Am Anfang meiner Karriere haben viele gesagt: Karen, du bist immer so begeistert. Wenn du 20 Jahre hier bist, dann wird sich das ändern. Nein! Das hat sich Null geändert.

Karen Stone Generalintendantin Theater Magdeburg

Nach zweimaliger, coronabedingter Absage soll es im Juni 2022 mit "Rebecca" dann auch wieder ein Musical beim beliebten Domplatz-Open-Air geben.

Blick auf den  Magdeburger Domplatz mit dem Dom im Hintergrund. Auf dem Platz sind eine Bühne und eine Tribüne aufgebaut.
Über Magdeburg hinaus bekannt: Das DomplatzOpenAir, 2022 soll es wieder eins geben mit dem Musical "Rebecca" von Michael Kunze und Sylvester Levay. Bildrechte: Theater Magdeburg/Andreas Lander

"Herzensprojekt": Uraufführung der Oper "Grete Minde"

Als "Herzensprojekt" stellte Generalmusikdirektorin Anna Skryleva die Uraufführung der Oper "Grete Minde" vor.

Eine Skulptur von Grete Minde am Rathaus Tangermünde.
Grete Minde-Skulptur am Rathaus Tangermünde. Bildrechte: IMAGO

Sie erinnert an das Schicksal der Tangermünderin, die 1617 als Brandstifterin verurteilt auf dem Scheiterhaufen landete. Der Schriftsteller Theodor Fontane hatte Mindes Schicksal berühmt gemacht. Auf Basis seiner Novelle entstand vor rund 100 Jahren die Oper. Geschrieben hat sie der Komponist Eugen Engel, der 1943 im KZ umkam. Über persönliche Kontakte zu seinen Nachfahren sei das Theater Magdeburg an das Stück gekommen, so Skryleva. Die Premiere, die von Lesungen und einem Symposium begleitet werden soll, sei für den 13. Februar 2022 geplant.


Schauspiel wartet mit "Kohlhaas", "Kleiner Hexe" und "Sparwasser" auf

DDR-Stürmer Jürgen Sparwasser (M) von der jubelt am 22.06.1974 im Hamburger Volksparkstadion nach seinem Treffer zum 1:0 gegen die Bundesrepublik Deutschland mit erhobenen Armen, der geschlagene westdeutsche Torhüter Sepp Maier (l) und Verteidiger Berti Vogts (r) sind konsterniert.
DDR-Stürmer Jürgen Sparwasser trifft 1974 gegen die Bundesrepublik. Bildrechte: dpa

Von September an sollen insgesamt zehn Neuinszenierungen im Musiktheater auf die Bühne kommen, zwei Ballettpremieren, zehn Sinfoniekonzerte, außerdem aber auch 15 Schauspielpremieren und sieben Premieren im Jungen Theater. Als Weihnachtsmärchen wird "Die kleine Hexe" nach Ottfried Preußler ab Ende November aufgeführt. Schauspiel-Chef Tim Kramer plant und inszeniert nicht nur Kleists "Kohlhaas" und Schnitzlers "Der einsame Weg", sondern streckt weiter seine Fühler in die Stadtgesellschaft und -geschichte aus. So wird die Magdeburger Fußball-Legende Jürgen Sparwasser im Familienstück "Sparwasser" von Jörg Menke-Peitzmeyer in Erinnerung gebracht. Kramer, der selbst Schauspieler ist und im Musical "My Fair Lady" als Phonetik-Professor Higgins mitwirken wird, liegt das junge Publikum besonders am Herzen. Für Kinder ab acht Jahren ist seine Inszenierung von Kristo Sagors Stück "Ich lieb dich" im Programm.

Stone verabschiedet sich, Julien Chavaz übernimmt

Die gebürtige Engländerin Stone verabschiedet sich nach 13 Jahren in Magdeburg. Nach der Spielzeit 2021/22 wird Julien Chavaz ihr Nachfolger. Der 1982 in Bern geborene Regisseur ist derzeit Intendant an der Neuen Oper Freiburg in der Schweiz. Seine Inszenierung von Schostakowitschs "Moskau, Tscherjomuschki" am Pariser Théâtre de l'Athénée schaffte es 2018 auf die Shortlist der besten Produktionen des Jahres in der Tageszeitung Le Monde. Als Regiemitarbeiter und Assistent arbeitete er unter anderem bei der Opéra de Paris und bei der Komischen Oper in Berlin.

Einen Neuanfang dürfte es mit seinem Amtsantritt auch in der Ballett-Sparte geben, da der Vertrag von Gonzalo Galguera nicht verlängert wird. Seine Mischung aus Klassik und Moderne kam beim Magdeburger Publikum gut an. Der auch mit internationalen Preisen ausgezeichnete Choreograf und Ballettchef plant für die kommende Spielzeit den "Nussknacker", sein eigenes Stück "Paquita" sowie einen großen Tanzabend unter dem Titel "Das Leben. Ein Fest" zur Musik von Haydn, Ravel oder Grieg, der im April 2022 auf die Bühne kommen soll.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Juni 2021 | 16:10 Uhr

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