Corona-Pandemie Theater in Sachsen und Sachsen-Anhalt wohl bis Ende März geschlossen

Nach der offiziellen Ankündigung aller Thüringer Theater, den Spielbetrieb bis Ende März auszusetzen, rechnen auch die Theater in Sachsen und Sachsen-Anhalt frühestens mit einer Öffnung im April. Der Probebetrieb wird dabei aber individuell gehandhabt. MDR KULTUR hat mit Theaterintendanten aus allen drei Ländern über die weitere Planung und die aktuelle Lage gesprochen.

Alle Sitzplätze im Zuschauerraum der Urania sind wegen der Corona-Pandemie durch Seile abgesperrt während der Präsentation der Biographie "Markus Söder - Der Schattenkanzler".
Die Corona-Oause der Theater zieht sich im Winter über mehrere Monate Bildrechte: dpa

Seit letzter Woche ist es offiziell: Der Spielbetrieb der Thüringer Theater wird frühestens im April wieder anlaufen. Auch die sächsischen Staatstheater bleiben offiziell geschlossen. Die nichtstaatlichen Theater in Sachsen und die Theater in Sachsen-Anhalt planen intern mit ähnlichen Fristen.

Notwendig, aber schmerzlich – Die Theaterschließungen in Thüringen

Für Hasko Weber, dem Intendanten des Weimarer Nationaltheaters, ist es die logische und vernünftige Konsequenz. Einerseits wegen der hohen Infektionszahlen in Thüringen, andererseits, um planen zu können. Wirkliche Planungssicherheit habe deswegen im Moment aber trotzdem niemand:

Die Veränderungen im Plan sind langfristig und reichen manchmal über die nächste Spielzeit hinaus.

Hasko Weber, Intendant des Weimarer Nationaltheaters
Hasko Weber, 2017, auf dem Balkon des Deutschen Nationaltheater in Weimar
Intendant Hasko Weber Bildrechte: dpa

Vor allem die Bedingungen der Probe seien entscheidend. Die seien unter den verschärften Hygienebedingungen nur eingeschränkt möglich. Der ursprüngliche Plan, die szenischen Proben im Februar wieder aufzunehmen, sei am Dienstag zum Beispiel schon geändert worden. Das sei schmerzlich: "Wir werden also dadurch die Premiere 'Buddenbrocks' in dieser Spielzeit nicht erleben", meint Weber. Man hoffe nun auf den März.

Auch die Theater in Jena, Rudolstadt und Altenburg haben den Probenbetrieb bis Ende Februar erst einmal ausgesetzt. Im Theater Erfurt finden sie hingegen weiter statt. "Diese Prozesse sind natürlich stark minimiert. Sie müssen aber stattfinden, um für die Wiederaufnahme des Spielbetriebes gut vorbereitet zu sein", so Generalintendant Guy Montavon.

(In)Offiziell bereits beschlossene Sache in Sachsen

In Sachsen haben die Staatstheater ebenfalls bereits entschieden, den Spielbetrieb bis Ende März auszusetzen. Eine Entscheidung, die auch Signalwirkung für die anderen Theater in Sachsen habe, so Lutz Hillmann vom deutsch-sorbischen Theater Bautzen.             

Lutz Hillmann, 2012
Lutz Hillmann Bildrechte: dpa

Es ist nicht zu erwarten, dass es eine Corona-Schutzverordnung geben wird, die uns die Möglichkeit einräumt, zu spielen, bevor die Staatstheater wieder aufmachen. Sodass eigentlich jetzt fast alle Theater Sachsens diesbezüglich nachgezogen haben.

Lutz Hillmann, Intendant des deutsch-sorbischen Theaters Bautzen

Den mit der Entscheidung entstandenen Vorlauf von zwei Monaten begrüßt Hillmann. Er gebe Sicherheit, etwa um Einnahmenverluste auszugleichen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten so in die Kurzarbeit geschickt, Fixkosten heruntergefahren, Gastspiele und Proben koordiniert werden. Hillmann beschreibt: "Wenn ich im Stau stehe, dann muss ich den Motor laufen lassen und stehe mit einem Fuß auf der Kupplung und muss warten, dass es jeden Moment wieder losgeht. Da ist es mir doch eigentlich lieber, dass ich weiß: 'In zwei Stunden geht es wieder los.' Dann kann ich den Motor ausmachen, noch mal rausgehen und mir die Füße vertreten." So gehe es jetzt auch den Theatern.

Szene aus Nussknacker am Theater Chemnitz
Winterliche Inszenierungen wie der Nussknacker am Theater Chemnitz können derzeit nicht aufgeführt werden. Bildrechte: Nasser Hashemi

Die Planbarkeit ist auch für Generalintendant Dr. Christoph Dittrich entscheidend. Das Theater Chemnitz habe deshalb bereits vor dem Jahreswechsel intern alles darauf ausgerichtet, dass ein Spielbeginn voraussichtlich nicht vor Ostern liegen wird. Proben fänden derzeit keine statt, im Februar wolle man aber allmählich und der hygienischen Situation angemessen wieder beginnen.

Dem schließt sich auch das mittelsächsische Theater an. Als "hart, aber richtig" bezeichnet Intendant Ralf-Peter Schulze die Entscheidung: "Das ist unser Beitrag zu Pandemiebekämpfung." Praktisch würde das aber nicht unbedingt zu mehr Sicherheit führen. Klare Entscheidungen würden derzeit sowieso meist gleich wieder infrage gestellt. Es sei schwierig, damit umzugehen. "Es ist ein unnatürlicher, fremder Prozess, nicht künstlerisch arbeiten zu können."

Auf die Proben sei das Mittelsächsische Theater aber im Moment glücklicherweise nicht zwingend angewiesen, so der Intendant.

Ralf-Peter Schulze
Ralf-Peter Schulze Bildrechte: Jörg Metzner

Da wir mehrere Produktionen direkt nach der Premiere oder sogar kurz davor stoppen mussten, haben wir ein den Hygieneregeln entsprechendes Repertoire angesammelt, das wir relativ kurzfristig einsetzen können.

Ralf-Peter Schulze, Intendant Mittelsächsische Theater

Zwischen Hoffnung und Frust - die Lage der Theater in Sachsen-Anhalt

Auch Intendant Johannes Rieger vom Nordharzer Städtebund-Theater favorisiert die klare Entscheidung, die die Thüringer Theater, aber auch viele Theater in Sachsen und Sachsen-Anhalt bereits getroffen haben:

Das ständige Umplanen im Zwei-Wochen-Rhythmus ist auf Dauer wirklich zermürbend.

Johannes Rieger, Intendant Nordharzer Städtebund-Theater

Die Proben wären bereits jetzt stark eingeschränkt, vermutlich werde man mit der Verlängerung des Lockdowns nun noch weiter reduzieren, so Schulze. Ein realistisches Ziel vor Augen sei nun sicherlich am besten, auch wenn eine Verschiebung bis zum April trotzdem schmerze.

Das Anhaltische Theater in Dessau
Das Anhaltische Theater in Dessau Bildrechte: IMAGO

Das Anhaltische Theater Dessau hat seinen Spielbetrieb bis zum 31. März 2021 ausgesetzt. Laut einer Pressemitteilung des Hauses haben sich die Mitarbeitenden des Theaters bereit erklärt, ihren Urlaub vom Sommer 2021 in den Februar vorzuverlegen, wodurch sich die Spielzeit des Anhaltischen Theaters bis zum 11. Juli 2021 verlängern würde. Auch hofft man, ab Ende Februar mit Schauspiel-Proben den Betrieb vorsichtig und unter strengen Hygienebedingungen wieder starten zu können.

Das Opernhaus des Theaters Magdeburg, in Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Das Opernhaus des Theaters Magdeburg Bildrechte: dpa

Intendantin Karen Stone vom Theater Magdeburg überlegt ebenfalls, den März komplett auszusetzen. Proben würde man allerdings in Absprache mit Gesundheitsamt und Betriebsärzten erst einmal weiterführen. "Das ist ein Rattenschwanz", so die Intendantin. "Es geht nicht nur um die Künstler". An einer Produktion hingen auch beispielsweise Werkstätten, Kostüm- oder Orchesterproben. Den zweiten Lockdown empfindet sie aus psychologischer Sicht schlimmer als den Ersten:

Karen Stone
Karen Stone Bildrechte: IMAGO

Der erste [Lockdown] war eine große Überraschung. 'Wir halten alle zusammen. Wir tun, was wir können.' – Und jetzt sind alle ein bisschen so verloren im Nebel. Und das spürt man.

Karen Stone, Intendantin Theater Magdeburg

Hygienemaßnahmen wie etwa Händewaschen würden von den Menschen längst nicht mehr so akribisch umgesetzt. Man habe sich an die Situation gewöhnt und das mache ihr Sorgen. Die Schließung sei schließlich abhängig von den Krankheitsfällen. Wie lange das anhält, kann Stone, wie alle anderen, nicht sagen. Sie alle hoffen darauf, dass die Theater in Mitteldeutschland im April wieder öffnen können. Ob zu Ostern also auch die Theater wieder auferstehen, bleibt abzuwarten.

Theater und Corona

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Januar 2021 | 18:05 Uhr

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