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Bei dieser Inszenierung ist nicht nur Robin Hood in Not. Bildrechte: Ronny Küttner / Photoron

SommertheaterRobin Hood auf der Naturbühne Greifensteine lässt nicht nur Niveau vermissen

von Wolfgang Schilling, MDR KULTUR

Stand: 26. Juli 2022, 04:00 Uhr

Auf der Naturbühne Greifensteine wird Robin Hood aufgeführt, keine schlechte Ortswahl für diesen naturnahen Stoff. Wenn nur die Umsetzung nicht wäre. Unser Kritiker zeigt sich enttäuscht. Sogar sein achtjähriger Sitznachbar machte seine Oma auf Logikfehler aufmerksam. Und auch der hohe Krankenstand in der Schauspieltruppe spielte wohl eine Rolle.

Man kennt ihn aus unzähligen Filmen, als Held im Musical, aus Büchern und Comics. Die Rede ist von Robin Hood, dem Rächer der Enterbten, der es den Reichen nimmt und den Armen gibt.

Nun treibt er sein Unwesen auch im Erzgebirge, das ja eigentlich das Stammland von Stülpner Karl ist, seinem räuberischen Bruder im Geiste. Doch wenn man mit dem ein solch übles Spiel getrieben hätte, wie mit dem Kollegen aus dem Sherwood Forest, würde der Volkszorn im Erzgebirge wohl wieder mal hochkochen.

Chaos auf der schönsten Naturbühne Europas

Was hier auf der Naturbühne Greifensteine geboten wird, spottet nicht nur jeder Beschreibung, sondern lässt auch Niveau vermissen. Wenn da etwa vom "Ohrenschmalz Jesu" gesprochen wird, das Bruder Tuck in einer Flasche bei sich trägt. Oder sich der Bösewicht Guy von Gisborne gegenüber Lady Marian in sexistischen Gurken- und Bananen-Obszönitäten ergeht, meint man sich im falschen, zumindest nicht mit öffentlichen Steuergeldern finanzierten Familienspektakel.

Die Bühne der Greifensteine bietet viel Natur und Grün, was dem Stoff des verwegenen Helden im Wald entgegen kommt. Bildrechte: Ronny Küttner / Photoron

Eine Story aus dem Nebel der Geschichte

Gespielt wird eine Stückfassung von Robert Strauß, die nicht so sehr den Rächer der Enterbten in den Mittelpunkt stellt, sondern den englischen Patrioten, den man der Sagengestalt Robin Hood ja auch gern andichtet.

Im konkreten Fall verhindert er die vom bösen Prinzen John eingefädelte Ermordung des englischen Königs Richard, der auf der Kreuzfahrtdurchreise dem deutschen Kaiser in die Hände gefallen ist. Der will in guter alter Erpressermanier eigentlich nur Lösegeld, soll auf Geheiß aus dem fernen England den König aber lieber gleich ermorden. Ein Komplott, das Robin Hood mit seinen Kumpanen erfolgreich verhindert. Soweit, so ungefähr ist die Story aus dem Nebel der Geschichte zusammengeklaubt.

Der Sheriff von Nottingham (Leander de Marel) lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Bildrechte: Ronny Küttner / Photoron

Helden ohne Strumpfhosen – vom guten Geist der Regie verlassen

In der Inszenierung von Jasmin Sarah Zamani gerät das Ganze aber derart außer Kontrolle, das gegen Ende selbst ein neben mir sitzender Achtjähriger zu seiner Oma sagte: "Das ist jetzt aber nicht logisch." Recht hat der kleine Mann. Denn zu diesem Zeitpunkt war das Bühnengeschehen mal wieder ziemlich aus dem Ruder gelaufen. Was zum einen etwas mit krankheitsbedingtem Probenproblemen zu tun haben könnte.

Moritz Gogg, der Intendant des gastgebenden Eduard-von-Winterstein-Theater aus Annaberg Buchholz, informierte das Publikum zu Beginn über acht Corona-Erkrankungen während der Proben und den finalen Stich einer Wespe in die Zunge einer Darstellerin. Das sind Unwägbarkeiten der Zeit und des Freilufttheaters.

Dass eine Inszenierung aber trotzdem derart außer Rand und Band gerät, liegt aber eher an der Unfähigkeit der Regisseurin, ein einigermaßen logisches Spiel aufführen zu lassen. Man hat den Eindruck, das Ensemble ist immer mal wieder von dem überrascht, was da so passiert. Oder eben auch nicht.

Die Mischung macht's leider nicht

Der von Benjamin Muth gespielt Titelheld Robin Hood soll mit seinen Fuchsohren am grünen Hütchen wohl wie aus dem Zeichentrickfilm entsprungen aussehen. Auch seine Gefährten tragen entsprechende Accessoires und geben Wolf, Maus, Bär und Gockel. Oder sind Eisenigel im Dienste des fiesen Sheriffs von Nottingham, dessen Sohn einen als Pfau geschmückten infantilen Quälgeist spielt. Während alles, was bis auf eine echte Reiterin, zu Pferde unterwegs ist, mit Kokosnüssen klappert, wie weiland bei Monty Python. Dazu kommen diverse musikalische Zitate aus der Filmgeschichte. Da das Ganze aber nie einen Rhythmus hat und zusammenfindet, kommt wenig Freude auf.

Robin Hood (Benjamin Muth) und Lady Marian "Luisa Maria Bruer) mit Tierohren an der Kopfbedeckung Bildrechte: Ronny Küttner / Photoron

Vielleicht geht man ja noch mal in Klausur. Denn dass die Schauspieler mehr können, beweisen zumindest die sehr präsente und resolute Gisa Kümmerling als Ritterin Heroldine und Nenad Zanic als böser Guy von Gisborne, der dann auch noch einen ansehnlichen Stockkampf mit der von Luisa M. Bruer gespielten Lady Marian abliefert. Die, ganz nebenbei, auch einhändig Rad schlägt und damit deutlich macht, was hier für ein Potenzial verschenkt wurde.

Die AufführungRobin Hood
Familienstück von Robert Strauß

Eduard-von-Winterstein-Theater

Aufführungen:
Sonntag, 24.07., 15.00 Uhr (Premiere)
Dienstag, 26.07., 10.30 Uhr
Mittwoch, 27.07., 10.30 Uhr
Montag, 01.08., 10.30 Uhr
Mittwoch, 03.08., 10.30 Uhr
Mittwoch, 10.08., 17.00 Uhr
Sonntag, 14.08., 17.00 Uhr
Montag, 15.08., 10.30 Uhr
Donnerstag, 25.08., 10.30 Uhr
Sonntag, 28.08., 17.00 Uhr

Inszenierung: Jasmin Sarah Zamani

Aufführungsort:
Naturbühne Greifensteine
09427 Ehrenfriedersdorf

Redaktionelle Bearbeitung: OP

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