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Das Stück betrachtet das Verhältnis von Mensch und Künstlicher Intelligenz. Bildrechte: Lysann Weber

"Die vorletzten Tage der Menschheit"Ein-Mann-Theater über künstliche Intelligenz in Wernigerode

von Wolfgang Schilling, MDR KULTUR-Theaterkritiker

Stand: 12. August 2022, 10:20 Uhr

Im Konzerthaus Liebfrauen, in einer ehemaligen Kirche in der Harz-Stadt Wernigerode, wird am Freitag das Theaterstück "Die vorletzten Tage der Menschheit" uraufgeführt. In dem Monolog versucht eine künstliche Intelligenz namens Karl (gespielt von Karl Schaper) die Menschheit auf einen besseren Weg zu bringen – denn Karl kommt aus der Zukunft und weiß um das Ende des Menschen in 3.000 Jahren. Mit Einsatz von Videokunst behandelt die Inszenierung von Janek Liebetruth also ein existenzielles Thema.

Der Name des Regisseurs Janek Liebetruth war im Harz bislang mit dem von ihm gegründeten Festival "Theater Natur" auf der Waldbühne Benneckenstein verbunden. Dem Ort, in dem er auch aufgewachsen ist. Nachdem diese Zusammenarbeit vor anderthalb Jahren im nicht ganz gegenseitigen Einvernehmen beendet worden war, hat der Theatermacher seiner alten Heimat künstlerisch den Rücken gekehrt und sich in Berlin neuen Herausforderungen zugewandt. Doch nun kam ein neuerlicher Ruf aus dem Harz. Diesmal aus Wernigerode, wo das Betreiberteam des neu eröffneten Konzerthauses Liebfrauen einen kompetenten Partner für die Theaterarbeit suchte.

Der Regisseur Janek Liebetruth wurde 1980 in Wernigerode geboren Bildrechte: Zydre Venckus

Janek Liebetruth ist zurück im Harz

"Das Angebot fühlte sich gut an. Auch deshalb, weil es aus Wernigerode und damit aus einem anderen Ort im Harz kam, der übrigens meine Geburtsstadt ist. Ein Angebot, bei dem ich und die anderen nicht nein sagen konnten", gibt Liebetruth zu Protokoll. Die "anderen" sind alte Mitstreiter im neu gegründeten Kollektiv für Künstlerische Intelligenz, der Bühnenbildner Hannes Hartmann und der Autor Sören Hornung, dessen aktuelles Stück "Die vorletzten Tage der Menschheit" nun in Wernigerode zur Uraufführung kommt.

Ein Monolog und deswegen schon mal nicht so unspielbar lang wie die bekannten "Letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus. Aber wie diese auch eine ziemlich existenzielle Geschichte – für die Menschheit im Allgemeinen und die einzige Person auf der Bühne im Besonderen.

Eine künstliche Intelligenz namens Karl kommt aus der Zukunft

Der einzige Darsteller heißt Karl. Auf der Bühne und im wirklichen Leben. Der Schauspieler Karl Schaper spielt eine künstliche Intelligenz namens Karl. Die sozusagen zurück aus der Zukunft kommt und verzweifelt versucht, die Menschheit unserer Tage, im Wissen um deren Ende in 3.000 Jahren, von einem besseren Weg in die Zukunft zu überzeugen.

Karl Schaper spielt die einzige Rolle in dem Stück "Die vorletzten Tage der Menschheit" Bildrechte: Lysann Weber

Eine große Aufgabe also für den jungen Schauspieler, den man vor einigen Jahren als einen der "Räuber" auf der Waldbühne in Benneckenstein erleben und seither vor allem in diversen Fernsehkrimis und zuletzt im Kino in Leander Haußmanns "Stasikomödie" sehen konnte. Statt Filmsets in Babelsberg oder München nun also die Bretter, die für ihn endlich wieder mal die Welt bedeuten.

 

Karl Schaper: ein Profi vom Filmset allein auf der Bühne

"Das Spiel allein auf der Bühne ist für mich schon sehr spannend und ich bin ziemlich aufgeregt. Es ist eine komplett andere Arbeitsweise, und da musste ich mich als Filmschauspieler erstmal rantasten. Aber ich bin hier in guten Händen", lacht Schaper und bezieht das nicht nur auf das künstlerische Team, sondern auf die gesamte Umgebung. Denn auch er ist in Wernigerode geboren. Kein schlechter Ort also für diese Produktion, nicht nur wegen der heimatlichen Verbundenheit der Macher, sondern auch wegen des hier zu bespielenden Ortes, wie Liebetruth findet.

Über der Bühne sieht man die Orgel der ehemaligen Kirche, die nun das Konzerthaus Liebfrauen ist Bildrechte: Lysann Weber

Theater in einer ehemaligen Kirche in Wernigerode

Denn wie er sagt, "geht es im Stück ja auch um Schöpfungsprozesse und die Frage, was danach kommt." Wie sich das mit dem Verhältnis zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz verhält. Ist da der Mensch der Schöpfer? Übernimmt die künstliche Intelligenz diese Funktion dann von ihm? "Deswegen ist ja auch so interessant, dieses Stück in einer Kirche aufzuführen", so Liebetruth über diese neue Arbeit von ihm in seiner alten Heimat Harz.

Informationen zum Stück"Die vorletzten Tage der Menschheit"
Konzerthaus Liebfrauen
Liebfrauenkirchhof 2, 38855 Wernigerode

Termine:
Uraufführung am 12. August 2022, 20:30
Weitere Aufführungen am 13. und 14. August 2022, 20:30 Uhr

Eintritt:
22 Euro, ermäßigt 12 Euro

Besetzung:
Janek Liebetruth, Inszenierung
Sören Hornung, Text
Hannes Hartmann, Ausstattung
Stefan Haberkorn, Videokunst
Karl Schaper, Darsteller

Redaktionelle Bearbeitung: Hendrik Kirchhof, Olaf Parusel

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 12. August 2022 | 08:40 Uhr