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Auch in Leipzig wird jetzt offiziell gespukt: Vom 18. bis 20. Juni ist "Spookai" im LOFFT – DAS THEATER zu sehen. Bildrechte: MDR/Heike Schwarzer

"Ein Spaziergang in die Welt der Geister"

Jetzt in Leipzig: Gruseliger Theaterrundgang "Spookai" im LOFFT

Stand: 15. Juni 2021, 14:45 Uhr

Mit dem Theaterrundgang "Spookai – ein Spaziergang in die Welt der Geister" startete das deutsch-japanische transkulturelle Kollektiv "Post Theater" vergangenen April am Societaetstheater Dresden den ersten Versuch in die coronageschützte Spielzeit. Nun, da viele Bühnen des Landes wieder für Publikum zugänglich sind, ist "Spookai" auch am am LOFFT – DAS THEATER in Leipzig zu sehen. Heike Schwarzer erinnert sich für MDR KULTUR an den Rundgang in Dresden zurück.

Turbulente Zeiten brauchen tröstliche Geschichten. Station Nummer eins auf dem Theaterrundgang "Spookai" führt erstmal ins Dunkel und dann ins Licht. Max Schumacher vom "Post Theater" begrüßt im Stundenrhythmus die kleinen Besuchergruppen, lädt ein in einen mit japanischen Reisstrohmatten – sogenannten Tatami – ausgelegten Raum. Teezeremonie? Fehlanzeige. Geisterstunde! Zwischen Tatami, Bühne, Backstage und Foyer: flackernde Schatten, sprechende Objekte, rumpelnde Roboter, Ton aus der aerosolsicheren Konserve, Licht in der Stockfinsternis.

Der Parcours "Spookai" wurde von der deutsch-japanischen Theaterkompanie "Post Theater" konzipiert. Bildrechte: Andre Wirsig

"Spookai ist unser dritter Theaterparcours", sagt Max Schumacher von "Post Theater", einer deutsch-japanischen Company mit Sitz in Berlin und Stuttgart: "Das Societaetstheater sucht als Gastspieltheater der freien Szene nach neuen Formen, und unser Theater ist voll davon."

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Beitrag hören: Theaterrundgang "Spookai" in Dresden – coronasicheres Gruselerlebnis

"Post Theater": Markenzeichen Exklusivität

Die Idee für Spookai ist lange vor Corona entstanden. Animation, Sounddesign, Videoperformance, Robotik, Maskenbau oder Illustration – in "Spookai" verbindet sich vieles, was "Post Theater" ausmacht. Das Spielen für kleine Zuschauergruppen gehört auch zur Handschrift der vor 20 Jahren gegründeten Company.

"Spookai" wird nur für kleine Gruppen von drei bis vier Personen angeboten. Dadurch wird ein intensives Kunsterlebnis garantiert. Bildrechte: Andre Wirsig

"Wir suchen kleine, individuelle Zuschauergruppen, also wenig Zuschauer, Exklusivität. Dass es jetzt durch Corona noch exklusiver ist als ursprünglich gedacht, wer konnte das ahnen", erklärt Max Schumacher, der mit "Post Theater" für zwei Jahre als Residenz-Company Station im Societaetstheater macht und neben neuen Arbeiten auch viele ältere Stücke in Dresden zeigen will.

Wir hatten mal gedacht, das können wir immer acht Leuten präsentieren. Jetzt sind es nur vier und die auch nur dann, wenn sie aus einem Haushalt sind. Aber typisch ist es für uns, dass wir auch für wenige Menschen viel Aufwand betreiben möchten, weil wir glauben, dass es zu einem intensiveren Kunsterlebnis führt.

Max Schumacher von Post Theater

Mit dem Arbeitsprinzip langer Recherchen und paralleler Produktionsphasen kam "Post Theater" bisher ganz glimpflich durch die Corona-Zeit. Schumacher sagt dazu: "Trotzdem freuen wir uns, dass das jetzt live stattfindet."

"Wir lechzen richtig nach Kunst"

Wie sieht ein analoges Theaterereignis in Pandemiezeiten aus, die Versuchsphase am Societaetstheater hat mit "Spookai" begonnen. "Das Stück wirkt zugeschnitten auf die Coronasituation, aber es ist eine besondere Art, Theater anzuschauen", betont Heiki Ikkola, der 2020 Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Societaetstheaters geworden ist. "Wenn alltägliche Dinge, die uns umgeben, auf Dämonen treffen, dann passt das offensichtlich gut in unsere Zeit."

Am Premierenabend von "Spookai" steht selbstverständlich keine Schlange vor dem Societaetstheater Dresden. Eine vierköpfige Familie, die Söhne zwischen 9 und 12 Jahren alt, sind die ersten, die ihr Zeitfenster reserviert hatten und die coronakonforme Spielzeit eröffnen. Mit glücklichen Gesichtern haben sie nach einer Stunde das Theater im Dresdner Barockviertel verlassen. "Für Alt und Jung war das wirklich schön", sagt der Besucher. Und seine Frau: "Wir sind rege Follower vom Societaetstheater und als ich gelesen habe, dass es wieder Theater gibt, habe ich sofort Karten bestellt. Wir lechzen richtig nach Kunst."

"Spookai" gibt intime Einblicke in das Seelenleben von Weckern, Kameras und Smartphones. Denn: In Japans animistischer Kultur haben auch unbelebte Objekte eine Seele. Bildrechte: Andre Wirsig

"Spookai" am LOFFT – DAS THEATER in Leipzig"Spookai – ein Spaziergang in die Welt der Geister"
Ein Gastspiel des Post Theaters (Berlin/Stuttgart)

LOFFT – DAS THEATER
Spinnereistraße 7, Halle 7
04179 Leipzig

Dauer: ca. 60 Minuten
Pro Durchgang maximal drei Personen ab 10 Jahren

Karten können online oder an der Theaterkasse gekauft werden.
Zutritt nur mit einem offiziellen Nachweis über ein tagesaktuelles, negatives Corona-Testergebnis, Nachweis über eine vollständige Impfung gegen Covid-19 oder Bescheinigung über eine überstandene Covid-19-Infektion. Mehr Infos auf der Website des LOFFT.

Eintritt: 17,55 Euro, ermäßigt 12,38 Euro. Tickets können Online und an der Abendkasse erworben werden.

Aufführungen:
• 18.06 jeweils um 18, 19:30 und 20:30 Uhr
• 19.06 jeweils um 14, 15, 16:30, 17:30, 19, 20 und 21 Uhr
• 20.06 jeweils um 13, 14, 15:30, 16:30 und 18 Uhr

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 28. März 2021 | 09:40 Uhr