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Tanzbühne in Corona-Zeiten

Villa Wigman – Dresdens Tanzhaus sieht Licht am Ende des Corona-Tunnels

Stand: 13. Februar 2021, 04:00 Uhr

Seit 2019 zog in der legendären Villa Wigman wieder künstlerisches Leben ein, sie wurde wieder ein Haus des Tanzes. Parallel zur Renovierung fanden zahlreiche Künstler hier einen Platz zum Proben. Doch dann kam Corona. Wie die Betreiber mit den aktuellen Beschränkungen umgehen und warum sie positiv in die Zukunft blicken, hat Heike Schwarzer für MDR KULTUR erkundet.

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Tanzbühne in Corona-ZeitenVilla Wigman – Dresdens Tanzhaus sieht Licht am Ende des Corona-Tunnels

Ein bisschen Vorfreude will sich Performerin Julia Amme nicht nehmen lassen, sie koordiniert seit Januar die Vermietung der Villa Wigman.

Das hieß bislang vor allem die Absagen, Verschiebungen, Anpassung – je nach aktueller Corona-Vorschrift. Doch seit einer Woche, sagt sie, kommen unglaublich viele Reservierungsanfragen rein. Es seien Menschen, die Förderung bekommen haben und nun im Sommer bzw. Herbst produzieren wollen.

Und wir hoffen echt, dass wir das durchziehen können. Dass wir jetzt den Sommer auch Compagnies hier haben können – mit bis zu zehn Leuten – die hier im großen Saal z.B. proben wollen.

Julia Amme, Theatermacherin und Schauspielerin sowie Raumvermietung der Villa Wigman

Ein offenes Haus

Die Villa Wigman in der Bautzner Straße in Dresden ist ein idealer Ort für Proben in Lockdown-Zeiten. Und zwar nicht nur in dem 200 Quadratmeter großen Saal. Ein offenes Haus war die Villa von Anfang an:

Unter dem Dach der Villa Wigman, in diesem Produktionshaus sammeln sich verschiedene Formen der Künste. Es ist natürlich das Haus für Tanz, aber Tanz ist ja auch weiter gefasst.

Julia Amme

Amme probt mit ihrem Theaterkollektiv "Missing Dots" selbst in der Villa. Sie arbeiten interdisziplinär – mit bildender Kunst, Schauspiel, Tanz – weswegen sie ihre Truppe auch nicht als klassische Tanzcompagnie begreift. so wie viele andere, die in dem Haus produzieren.

Die Villa Wigman in Dresden Bildrechte: Villa Wigman für TANZ e.V.

Katja Erfurth ist Mitbegründerin und gehört zum dreiköpfigen Team der künstlerischen Leitung der Villa Wigman. Die Tänzerin und Choreographin liebt das Haus gerade für seine Diversität. Wichtig ist ihr der vielschichtige Austausch, sowohl innerhalb von Probenzeiten und Prozessen, wie auch mit dem Publikum und ebenso mit Menschen, die an der Historie des Hauses interessiert sind oder an Mary Wigman.

Hoffnungsvoller Start 2019

Erfurth blickt zurück auf den hoffnungsvollen Start 2019. Auch wenn es gerade coronabedingt still im Haus ist – nach der Wiedereröffnung im August 2019 zog in der der Villa Wigman sofort Leben ein:

Wir sind im August 2019 mit der Villa gestartet, parallel mit Erstinstandsetzungen, ersten Sanierungsschritten – und sofort Betreibung.

Katja Erfurth, Künstlerische Leitung der Villa Wigman

Bereits 400.000 Euro, vor allem vom Tanzpakt und verschiedenen Stiftungen, flossen bereits in die Sanierung auch von Heizung, Wasserleitungen und Brandschutz. Mittlerweile hat der große Probensaal einen neuen Tanzboden, neue Fenster und ein neues Dach.

Wir hatten hier sofort die Büros für Tanztheaterschaffende belegt. Wir hatten sofort ein Haus, wo gearbeitet wurde. Wir konnten die Säle gleich zum Produzieren zum Trainieren, für Workshops nutzen – und das war ein ganz beflügelndes Gefühl.

Katja Erfurth

Schwierige aktuelle Situation

65.000 Euro institutionelle Förderung von der Stadt Dresden sind die schmale Arbeitsbasis für den Verein, dazu kommen die Einnahmen durch die Vermietung. Doch die Folgen der Corona-Beschränkungen zeigen sich:

Katja Erfurth Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Für uns ging es wirklich überraschend gut los. Die Einträge sind höher gewesen, als wir erwartet haben. Aber durch den ersten Mietausfall letzten Jahres ist dann einfach der Grat schmal, dass wir absolut in Defizite kommen – und trotzdem die Kosten für das Haus weiterlaufen.

Katja Erfurth

Auf dem Schreibtisch von Erfurth und Amme, die beide gerade die Geschäfte führen, türmen sich die Aufgaben. Die Sanierung ist voranzutreiben, Ausschreibungen warten, der Schnee muss auch selbst geschippt werden. Wer in der Villa Wigman arbeitet, arbeitet freiberuflich. Privatwirtschaftlich lässt sich dieser historisch gewachsene Ort des Tanzes und der Künste nicht denken, betont Erfurth.

Studenten der ursprünglichen Mary-Wigman-Tanzschule Bildrechte: imago/United Archives International

Die Villa auf der Bautzner Straße in Dresden wird von vielen Sponsoren und Unterstützern durch diese schwierige Pandemiezeit getragen. Vielleicht erschließt sich erst jetzt, wie wichtig es war, um diesen Ort zu kämpfen.

Mary Wigman Bildrechte: imago images/Artokoloro

Stichwort: Villa WigmanDie Villa Wigman ist die ehemalige Schule Mary Wigmans, der Tänzerin, Choreographin und Pionierin des deutschen Ausdruckstanzes. Sie machte von 1920 bis 1942 auf der Bautzner Straße 107 in Dresden unter anderem Gret Palucca zur Tänzerin und hat bis heute eine weltweite Strahlkraft.

Fünf Jahre hatte der Verein Villa Wigman Dresden e.V. um den Erhalt des Hauses gekämpft. Im Sommer 2019 haben der Stadtratsentscheid und die Unterzeichnung eines Erbbaurechtsvertrages der Landeshauptstadt Dresden mit dem Verein die Weichen in die Zukunft gestellt.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 12. Februar 2021 | 06:10 Uhr