Happening am 17. Juni Dadamenta XI – Wie der Dadaismus nach Weimar kam

Es ist weitgehend in Vergessenheit geraten, aber: Die Klassikerstadt Weimar war einst auch Stadt des Dadaismus. 1922 fand hier ein großer Kongress der künstlerischen Anti-Bewegung statt, zu dem etwa Hans Arp, Kurt Schwitters und László Moholy-Nagy anreisten. Der Weimarer Musiker Michael Hintzenstern erinnert seit zehn Jahren daran, mit der "Dada-Dekade". Mit einer Peformance am Freitag findet das Projekt nun seinen Abschluss.

Dadamenta Weimar
Das Ensemble der Dadamenta am Gründungsort des Dadaismus, im Cabaret Voltaire in Zürich. Rechts im Bild: Michael von Hintzenstern Bildrechte: Michael von Hintzenstern

Die Liebe zum Dadaismus ist Michael Hintzenstern nicht unbedingt in die Wiege gelegt worden. Er wuchs in der DDR auf, in der die staatliche Kultur nur wenig Platz für Absurdes ließ und studierte zunächst Orgel und Chorleitung. Dann arbeitete er als Kirchenmusiker, bis in den 80er-Jahren der Erweckungsmoment kam: "Das war die Sonate mit Urlauten von Kurt Schwitters", erinnert sich der 66-Jährige, "da ist der Ansatzpunkt, dass Sprache zu Musik wird. Ich dachte einfach – das ist ja faszinierend! Die Sprache wird zum Klang. Und sie wird auch von ihrem Inhalt befreit."

Ein Straßenzug mit Musikern
Seit 2012 erinnert die Dadamenta in Weimar an die Dada-Bewegung. Bildrechte: Maik Schuck

Von Hintzenstern begann, sich mit dem Dadaismus zu beschäftigen, dieser Kunstbewegung, die während des Ersten Weltkriegs vor allem als Anti-Bewegung entstand. Künstler wie Hugo Ball, Emmy Hennings und Tristan Tzara trafen in der neutralen Schweiz aufeinander, schockiert von der industrialisierten Kriegsführung. Sie wollten nichts mehr zu tun haben mit dieser Art von bürgerlichen Werten – so entstand mit Dada eine satirische Revolte gegen die Kunst an sich. In Zürich wurde die Bewegung groß, breitete sich dann in den deutschen Metropolen wie Berlin, Dresden und Köln aus.

Wie das Absurde in die Klassikerstadt Weimar einzieht

1921 erreichte der Dadaismus auch das beschauliche Weimar. In Form von Theo van Doesburg, einem Niederländer, der – neben Piet Mondrian – heute als einer der Mitbegründer der abstrakten Kunst zählt, wie von Hintzenstern berichtet: "Van Doesburg hatte die Hoffnung, dass Walter Gropius ihn ans Bauhaus ruft. Als er dann hier war, hat er sich aber sehr enttäuscht gezeigt. Für ihn war das, was Itten machte, Spätromantik, oder höchstens Expressionismus. Dabei wollte er doch zu ganz neuen Ufern aufbrechen."

Die Gegenseite wiederum fremdelte ebenfalls. Walter Gropius lehnte es ab, van Doesburg als Meister einzustellen. So bildete dieser einfach ein Netz um die Kunsthochschule herum, arbeitete in verschiedenen Ateliers in Weimar und gab von dort Privatkurse für die Studierenden. Dann lud er seine Künstlerfreunde ein, doch einmal nach Weimar zu kommen, zu einem "Internationalen Kongress der Dadaisten und Konstruktivisten".

Tristan Tzara beschwört das Ende

Hans Arp, Hans Richter, Kurt Schwitters, Tristan Tzara und László Moholy-Nagy – sie alle kamen, gerieten jedoch schnell in Streitigkeiten, wie von Hintzenstern erzählt. Dada sei 1922 bereits im Begriff gewesen, nach einer kurzen, intensiven Zeit wieder zu verschwinden: "Es war absehbar, dass Dada endet. Und da hat man gedacht: Gibt es eigentlich einen schöneren Ort zu sterben, als in der Stadt der Klassiker?"

Dadamenta Weimar
Der Absurde Chor Weimar beim "Dada-Feldzug" in Amsterdam. Bildrechte: Michael von Hintzenstern

Ein letztes Aufbäumen des Dadaismus in Weimar also, an das Michael von Hintzenstern nunmehr seit bereits zehn Jahren erinnert. Mit einem augenzwinkernden Blick in Richtung Luther-Dekade hat er 2012 die Dada-Dekade ausgerufen und seitdem regelmäßig Happenings, genannt "Dadamentas", organisiert.

XI. Dadamenta in Weimar findet statt

Am Freitag ist es wieder soweit, dann zum letzten Mal. Von Hintzenstern hat die Neue Bauhauskapelle eingeladen, den Absurden Chor aus Weimar, dazu kommen auch die Tänzerin Julia Heß aus Erfurt und die Oberton-Sängerin Natascha Nikeprelevic aus Köln. Aus Japan hat sich die Sängerin und Dada-Freundin Norico Kimura angekündigt, aus den Niederlanden die Malerin und frühere Bürgerrechtlerin Gabriele Stötzer. Mit ihnen an der Spitze wird sich ein Zug in Bewegung setzen, mit Musik und Sprechchören. Das Publikum ist ausdrücklich eingeladen, mitzumachen.

Informationen zur XI. Dadamenta in Weimar Freitag, 17. Juni 2022, 18 bis 20 Uhr

Start: Treppe des Museums Neues Weimar
Weitere Stationen: Vorplatz des Bauhausmuseums, Weimarhallen-Park

Veranstalter: Galerie Markt 21, Klang Projekte Weimar, Galerie Eigenheim

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. Juni 2022 | 16:10 Uhr

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