DNT Weimar Weimarer Theaterintendant fordert: Kultur darf nach Corona nicht in alte Gleise zurückfallen

In der Corona-Pandemie hat die Kultur leiden müssen. Das sei aber auch ein Anlass für neue Denkwege, sagt Hasko Weber, der Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar. So seien Synergien mit Bereichen wie Gastronomie oder Sport denkbar, gemeinsame Angebote beispielsweise. Was er vorschlägt, hat er im Gespräch mit Thomas Bille von MDR KULTUR dargelegt.

Hasko Weber, Generalintendant des DNT, beobachtet den Aufbau der Sommertheaterbühne des Deutschen Nationaltheaters Weimar (DNT) wird auf dem Gelände des e-werks.
Der 1963 in Dresden geborene Hasko Weber ist seit 2013 Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar Bildrechte: dpa

Die Kultur müsse sich öffnen, fordert der Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar (DNT), Hasko Weber. Das habe sich nach zwei Jahren Pandemie-Erfahrungen gezeigt. Weber hat zu seinen konkreten Vorstellungen jüngst in der Sächsischen Zeitung einen Artikel veröffentlicht und diese Gedanken nun im Gespräch mit Thomas Bille von MDR KULTUR vertieft.

Weber sieht Handlungsbedarf für Veränderungen und neue Sichtweisen und führt an: "Wenn ich das jetzt so ringsherum sehe, auch mit der Öffnung vor Augen, ist natürlich die Gefahr, dass man in die Gleise zurückfällt, auf denen man gefahren ist. Und daran, dass das dann erfolgreich weitergeht, glaube ich nicht. Definitiv nicht."

Gesellschaftliche Spaltung überwinden

Von einer Spaltung der Gesellschaft sei aktuell viel die Rede, sagt Weber und das sei in seinen Augen eine richtige Wahrnehmung. Auf dem Spiel stehe letztlich der demokratische Konsens im Land und in der Gesellschaft.

Dauerausstellung des Bauhaus Museum Weimar
Nach dem Besuch des Bauhaus Museums Weimar ins ausgewählte Restaurant – solche Kombinationen haben für Hasko Weber Potential Bildrechte: CLAUS BACH PHOTOGRAPHY/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Weber beschäftigt sich mit der Frage nach einer Alternative. Ein Ziel könnte sein, "dass wir uns als öffentliche Einrichtung, als Kultureinrichtungen auch als Künstlerschaft um einen Zusammenhalt in dieser Gesellschaft bemühen", sagt er. Doch wie soll man das erreichen? Für Weber fängt das Engagement für mehr Zusammenhalt schon damit an, dass man sich mit anderen zusammentut.

In der Sächsischen Zeitung schlug Weber daher gemeinsame Veranstaltungen und konzeptionelle Verknüpfungen für ein potenziell gemeinsames Publikum aus verschiedenen Bereichen vor. Denn ein "Kinobesuch, ein Konzert, eine Einladung zum Essen, ein Sportevent, ein Abend im Theater" rangieren für viele auf gleicher Höhe nebeneinander. Sie ließen sich somit auch kombinieren.

Bei MDR KULTUR betonte Weber, dass in den beiden Pandemiejahren alle Bereiche der öffentlichen Kultur in Probleme geraten sind – in der Gastronomie sei dies ähnlich kompliziert gewesen. Diese Erfahrung könne man zusammenbringen und überlegen, was man gemeinsam machen kann, sagt Weber. Hier sei für ihn keine Metaebene gemeint, sondern "Verbindungen, die man vielleicht erst in kleineren Schritten miteinander knüpft". Das könne man dann noch ausdehnen.

Bildung und Kultur gemeinsam denken

Einen weiteren Ansatz sieht Weber in der Überwindung der Trennung der Welten von Bildung und Kultur, die ja "vielerorts dazu führt, dass Entscheidungen getroffen werden, die jeweils die andere Seite gar nicht mit im Blick haben." Diese müssen raus, sagt Weber im Gespräch mit MDR KULTUR. Ihm gehe es dabei nicht unbedingt um eine Bündelung der politischen Ressorts in einem Ministeramt, denn das habe es schon gegeben. Es sollte aber allen klar sein, dass diese beiden Bereiche miteinander verknüpft seien und die Entscheidungsfindung in gegenseitiger Abhängigkeiten erfolge.

Theaterszene aus dem Stück "Aida" am DNT Weimar
Weimar steht auch für für Hochkultur wie diese Aida-Aufführung. Bildrechte: Candy Welz/Deutsches Nationaltheater Weimar

Zum Beispiel Weimar

Für den DNT-Intendant waren seine Überlegungen auch ein konkreter Anknüpfungspunkt, darüber nachzudenken, mit wem man sich in seiner Stadt zusammentun könnte. Weimar sei schließlich mit 65.000 Einwohnern keine Riesenmetropole. Der Vorteil der kleinen Stadt sehe er darin, dass "die Wege zu möglichen Partnern kurz und begehbar seien". So könne man ungewöhnliche, gemeinsame Projekte auf den Weg bringen und damit die Leute ansprechen. Und da sei er jetzt dran.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Februar 2022 | 08:40 Uhr

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