Von 2025 bis 2029 Deutsches Nationaltheater Weimar: Vor Sanierung noch viele offene Fragen

Wie wird das Deutsche Nationaltheater der Zukunft aussehen? Diese Frage stellt man sich derzeit in Weimar. Denn das Theater muss dringend saniert werden, und Bund und Land wollen dafür mit 167 Millionen Euro eine wahre Rekordsumme geben. In den vergangenen Monaten war angesichts des Geldsegens darüber nachgedacht worden, den Zuschauersaal aus den 70er-Jahren komplett neu zu gestalten. Ein Stück DDR-Moderne wäre mit dem Abriss des holzvertäfelten Saals verlorengegangen. Diese Option ist nun aber vom Tisch.

Blick in den Zuschauerraum des Deutschen Nationaltheaters Weimar
Ein Blick ins Deutsche Nationaltheater Weimar (DNT), das demnächst saniert werden soll: Viel ist um das künftige Erscheinungsbild dieses Saals gerungen worden – jetzt gibt es eine Einigung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Er hatte sich gewünscht mit einem komplett neuen Zuschauersaal ein Stück Theatergeschichte zu schreiben: Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine hat sich in den vergangenen Monaten für eine völlige Entkernung des alten Saals stark gemacht, auch wenn damit der Verlust des Denkmalstatus einhergegangen wäre. Jetzt aber rudert er zurück: "Es hätte einer Wahnsinnsabwägung bedurft. Und vor allem hätte der neue Ausbau auch ein großer Wurf sein müssen, mit einem vorgeschalteten Wettbewerb natürlich. Als uns das klar wurde, wussten wir – wir können gar nicht einschätzen, was das für Kosten verursachen wird."

Große Pläne in Weimar und noch größere Baukosten

Die explodierenden Baukosten haben die großen Ideen gestoppt. Bereits jetzt ist ein Drittel des Budgets als Puffer eingeplant, niemand wollte dieser Rechnung noch mehr Unwägbarkeiten hinzufügen. Nun soll also behutsam und denkmalgerecht saniert werden.

Hans-Rudolf Meier, Professor für Denkmalpflege an der Bauhaus-Uni Weimar, ist erleichtert darüber. Er hat sich mit einem Offenen Brief über das Internationale Heritage-Zentrum der Uni vor ein paar Wochen gegen den radikalen Umbau ausgesprochen, unter anderem aus Klimaschutzgründen: "Vielleicht ist einfach die Zeit vorbei, wo jeder regierende Staatspräsident oder regierende Bürgermeister sich ein Denkmal setzt mit einer großen Baumaßnahme. Vielleicht ist es tatsächlich im Zeichen einer klimapolitisch geforderten Bauwende heute für Politiker attraktiver zu sagen – ich habe den Bestand erneuern lassen."

Finanzierungszusage des größten Geldgebers gilt nicht unbegrenzt

Das fehlende Geld hat am Ende für Frieden zwischen diesen beiden Seiten gesorgt – nun muss es an die Feinjustierung gehen. Denn die Probleme, die mit dem komplett neuen Zuschauersaal behoben werden sollten, sind ja nicht weg. Oberbürgermeister Peter Kleine spricht von der Barrierefreiheit, die hergestellt werden müsse. Zudem solle es mehr Besucherkomfort geben, Stichwort Beinfreiheit durch eine Reduzierung der Sitzplätze. Und auch der Orchestergraben solle vergrößert werden, um dort eine bessere Arbeitssituation zu schaffen.

Das erleuchtete Deutsche Nationaltheater Weimar bei Nacht
Das DNT war nach dem Zweiten Weltkrieg das erste der zerstörten deutschen Theater, das wieder aufgebaut wurde. Nun will es sich für die Zukunft aufstellen. Bildrechte: Thomas Müller

Die Zeit drängt, denn der Bund als größter Geldgeber wird seine Finanzierungszusage nicht ewig aufrechterhalten, bald muss ein konkreter Plan stehen. Für Theaterintendant Hasko Weber stellen sich neben technischen Fragen auch die der künftigen Ausrichtung des Hauses – wie offen soll das Theater zur Stadt hin sein?

Schon im Eingangsbereich ergäben sich hier Probleme, so Weber, die wiederum mit dem Denkmalstatus nach außen hin zu tun hätten: "Die Leute müssen erst durch ein Säulenportal, dann durch vier Meter hohe Türen. Das ist eine hohe Schwelle. An dieser Architektur können wir aber nichts ändern, also müssen die Dinge, die drinnen sind, eine Einladung generieren."

Spitzenkunst vs. Offenheit in Weimar?

So wird im Theater etwa darüber nachgedacht, ob ein Café eingerichtet werden könnte, die Menschen aus der Stadt also auch hereinschauen können, wenn sie keine Vorstellung besuchen wollen. Außerdem wird darüber diskutiert, wie zugänglich die Infrastruktur des Hauses für andere sein könnte, ob etwa Probensäle künftig auch von Künstlerinnen und Künstlern von außerhalb genutzt werden können.

Webers Prognose: "Da wird sich die Grenze der institutionellen und der freien Kultur in den nächsten Jahren deutlich vermischen. Gleichzeitig geht es bei so einer Generalsanierung eben auch darum, die Exzellenzfähigkeit im Opernbereich, Konzertbereich, Schauspielbereich zu gewährleisten. Wir müssen Vieles berücksichtigen."

Hasko Weber, Generalintendant des DNT, in grünem Pullover
Hasko Weber, Generalintendant des DNT Bildrechte: dpa

Ein Bauprojekt also, das am Ende die verschiedensten Bedürfnisse befriedigen soll. Rund 2,5 Jahre Zeit haben Stadt und Theater noch, um alles auf einen guten Weg zu bringen, 2025 soll die Mammutsanierung beginnen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Juli 2022 | 16:10 Uhr

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