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Weimarer Rede 2022Angriff auf die Ukraine: Krieg, Manipulationen und die Macht der Bilder

Stand: 10. März 2022, 21:29 Uhr

Die erste der Weimarer Reden hält in diesem Jahr die Netzexpertin Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs. "Diese Daten können gegen Sie verwendet werden" ist ihr Thema. Mit Carsten Tesch von MDR KULTUR war sie im Gespräch zur Macht der Bilder in Kriegszeiten, den stattfinden Informationskrieg, die wichtige Rolle seriöser Medien bei der Wahrheitsfindung und die Einflussnahme durch Zensur und Manipulation.

Die Autorin und Informatikerin Constanze Kurz ist Sprecherin des Chaos Computer Clubs. Sie wird am Sonntag die erste der Weimarer Reden in diesem Jahr im Weimarer Nationaltheater halten. Ihr Thema lautet "Diese Daten können gegen Sie verwendet werden".

Bilder prägen Sichtweisen

Die Macht der Bilder war in Kriegen schon immer groß, man denke an die Friedensbewegung im Zuge der Berichte aus dem Vietnamkrieg. Durch die sozialen Medien und die blitzschnelle Verfügbarkeit von Bildern und Videos auch aus schwer erreichbaren Regionen sind sie auch zu einem Faktor in modernen Kriegen geworden. Telegram und TikTok sind Kanäle für die ukrainische Regierung, Russland hat den Zugang zu Facebook erschwert.

Wir hätten es mit einen wirklich großen Informationskrieg zu tun, sagt Kurz, bei dem viele Seiten mitspielten: Russland, die Chinesen, die Ukraine und auch die westliche Welt. Schwer sei es, hier Informationen auf die Schnelle zu verifizieren, bemerkt sie und verweist darauf, dass man sich gerade in diesen Kriegszeiten sehr gut darauf verlassen könne, dass seriöse Medien diese Funktion übernehmen.

Demonstration in Moskau gegen den Krieg in der Ukraine Bildrechte: dpa

Schon in anderen jüngeren Konflikten habe man erfahren, dass man beispielsweise durch Handyfilmer sehr unmittelbar habe teilnehmen können. Beim Ukraine-Konflikt sei dies aus ihrer Sicht noch einmal sehr viel deutlicher, was auch daran läge, dass in der Ukraine noch ein sehr guter Netzempfang sei und die Mobiltelefone auch benutzt werden können.

Ich glaube, es ist das erste Mal, dass man so unmittelbar hineingezogen werden kann – durch Bewegtbilder – in den Krieg.

Constanze Kurz

Die Lust an den Bildern

Kurz bemerkt auch in der westlichen Welt eine gewisse Lust daran, diese Bilder und Filme zu verbreiten, sie würden sehr schnell viral gehen. Dazu kämen "Propaganda-Influencer", die versuchen würden, ein bestimmtes Bild zu malen. All das mache es für den Einzelnen manchmal schwierig, sich seriös zu informieren. Es sei aber auf der anderen Seite auch schwer, Bildern zu entgehen.

Constanze Kurz Bildrechte: IMAGO / Future Image

Krieg ist nun mal brutal. Und sich diesen Bildern zu entziehen, wird sehr schwer, finde ich.

Constanze Kurz

Wer nun die kommerziellen Netzwerke nutzen will, um bestimmte Informationen an den Mann zu bringen oder das Meinungsbild einer ganzen Gesellschaft zu manipulieren, sagt Kurz, der habe hier auch ein mächtiges Werkzeug – für vergleichsweise wenig Geld. Das sei schon bei anderen politischen Konflikten gesehen worden, meint sie, ganz deutlich etwa beim Brexit oder beim US-Präsidentenwahlkampf.

Die Debatte um den Brexit war auch ein Kampf der Bilder Bildrechte: IMAGO

Gefahr für die Demokratie

Beim Thema Krieg würde diese Auseinandersetzung jedoch nochmal härter, meint Kurz, was auch für Demokratien gefährlich sei. In diesem Informationskrieg spiele die öffentliche Wahrnehmung und auch die Bespielung der Social-Media-Kanäle eine große Rolle, erläutert sie, viel stärker als in anderen Konflikten.

Kurz glaubt, dass die vorher so noch nie gesehenen Sanktionen, die von Seiten des Westens gegen Russland ausgesprochen wurden, damit zu tun hätten, wie dieser Informationskrieg läuft. Der politische Druck wäre nicht so stark gewesen, meint sie, wenn man diese gesamte mediale Darstellung nicht auch mit betrachten würde.

Wenn man sich eine gewisse politische Meinung kaufen kann, indem man die richtigen Profile mit bestimmten Informationen bespielt, wird das natürlich auch für Demokratien gefährlich.

Constanze Kurz

Wolodymyr Selenskyj zeigt sich selbstbewusst auf der Straße in Kiew während sein Land überfallen wurde. Bildrechte: imago images/ZUMA Press

Selenskyj – Gewinner des Informationskrieges

In den letzten Tagen habe man ihrer Meinung nach den Eindruck, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den Informationskrieg gewinnen würde. Er nutzte die sozialen Netzwerke sehr stark und sei ist oft als Person sehr präsent, was man auch vor dem Hintergrund seine Generation sehen müsse, dass er es gewohnt sei, mit Medien in so einer Form umzugehen.

Das sei aber auch eine westliche Sicht, gibt Kurz zu bedenken, denn die Bilder, die wir hier sehen, würden in sozialen Netzwerken und über unsere Medien verstärkt. In Russland sehe das ganz anders aus. Hier würde stark zensiert.

Dieses Foto von Wladimir Putin mit seinem Außenminister Sergej Lawrow zeigt eine große bildliche Distanz von mehreren Metern. Bildrechte: dpa

Reaktionen auf den Krieg gegen die Ukraine

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 11. März 2022 | 07:10 Uhr