Interview 2G am Theater Nordhausen: "Wir spielen wieder vor vollem Haus"

Angesichts der dramatischen Corona-Lage gilt in Sachsen seit Montag die 2G-Regel. Die Kulturszene im Freistaat reagierte unterschiedlich. Als Diskriminierung von Teilen des Publikums lehnte sie der Intendant der Jazztage Dresden, Kilian Forster, ab. Auch Thüringen kämpft mit der vierten Welle. Bereits vor vier Wochen entschied sich der Intendant des Theaters Nordhausen, Daniel Klajner, freiwillig, auf 2G zu setzen. Er zieht eine positive Bilanz und fordert von der Politik mehr Konsequenz, sprich den Mut, eine Impfpflicht anzuordnen.

Theater Nordhausen 11 min
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MDR KULTUR: Warum haben Sie sich entschieden, auf 2G zu setzen?

Daniel Klajner, Intendant Theater Nordhausen: Das ist ganz simpel. Es gibt in Thüringen die Zusage, dass jetzt im Winter gesichert spielen kann, wer 2G oder 3G+ praktiziert. In unserem Orchestergraben sind beispielsweise keine Abstände möglich. Wir wollten vor allem, einen verlässlichen Spielplan bieten. Unsere Erfahrung der Pandemie ist, dass das Publikum dann auch wieder zurückkommt. Da geht es uns wie der Reisebranche: Wer bucht jetzt etwas für März, wenn er nicht weiß, was dann ist? Wenn ich aber weiß, das Stück oder Konzert wird stattfinden, dann gucke ich den Spielplan ganz anders an. Wir kennen Besucherinnen und Besucher, die haben ihren Urlaub nach dem Theaterkalender gebucht! Gestern hatten wir ein Sinfoniekonzert mit einer Auslastung von über 70 Prozent. Davor hat das unglaublich gedümpelt.

Sie haben mehr Zuschauerinnen und Zuschauer gewonnen als verloren?

Ja, ganz klar.

Was heißt 2G konkret, lasten Sie das Haus wieder voll aus?

Ja, genau. Wir spielen wieder vor vollem Haus, so wie gerade beim "Symphonic Queen"-Konzert, das war voll bis unters Dach. Die Leute kommen mit Maske, legen sie dann im Saal ab. Das heißt, man ist nicht in einer Umgebung des absoluten Schutzes. Dennoch kann man sich mehr als zuvor wieder auf die Kunst konzentrieren.

Was machen Sie mit denen, die nicht mehr kommen können wegen 2G? Die Impfquote im Landkreis Nordhausen liegt ja etwa bei 65 Prozent. Wie waren die Reaktionen?

Es gab am Anfang ein paar sehr laute und unanständige Kommentare. Es gab auch einige, die gesagt haben, da geht es jetzt um Solidarität. Die Zustimmung des Publikums überwiegt. Dennoch waren das bei der Einführung Anfang Oktober zwei, drei harte Tage für uns, vor allem natürlich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Publikumsverkehr an den Kassen, die diese negativen Kommentare abbekamen.

In Sachsen gilt 2G seit heute verpflichtend, der Intendant des Dresdner Jazz-Festivals empfindet das als Diskiminierung von Teilen des Publikums und kündigte die Absage von Veranstaltungen an. Können Sie seinen Unmut nachvollziehen?

Jeder Standpunkt hat seine Berechtigung. Die Frage bleibt trotzdem: Was machen wir, um aus dieser Pandemie zu kommen? Wir haben jetzt die Fakten auf dem Tisch und im Grunde gibt es nur zwei radikale Lösungen. Entweder setzt man auf den Impfschutz oder sagt, wir machen gar nichts mehr, alles wird gelockert. Dann müssen wir aber auch mit vielen Toten, mit Triage-Situationen umgehen. Was natürlich keine wirkliche Option ist.

Da es immer noch viele Menschen gibt, die sich aus für sie guten Gründen nicht impfen lassen wollen, müsste wohl die Politik mal die Hände aus der Tasche nehmen und eine Ansage machen.

Sie wären für eine bundesweite Impfpflicht?

Ja.

Das Gespräch führte Vladimir Balzer, MDR KULTUR.

2G-Regel: Reaktionen aus der Kulturszene in Sachsen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. November 2021 | 07:10 Uhr