Konzerte unter Corona-Auflagen Thees Uhlmann: "Live-Auftritte in heiliger Atmosphäre"

Singer-Songwriter Thees Uhlmann ist einer der wenigen Künstler, die sich nach der Corona-Zwangspause wieder zaghaft auf die Bühne mit Publikum davor trauen. Am Donnerstag eröffnet der Musiker die Reihe "Picknick-Konzerte", die in den kommenden Wochen in Dresden und Leipzig stattfinden – unter Abstands- und Hygieneauflagen. Die Corona-Situation macht ihm zufolge die Konzerte ganz besonders. Er sagte MDR KULTUR, es entstehe derzeit bei Live-Auftritten eine schöne und heilige Atmosphäre.

Thees Uhlmann. 7 min
Zu Gast bei Katrin Bauerfeind: Thees Uhlmann. Bildrechte: MDR/WDR/Thomas von der Heiden

Singer-Songwriter Thees Uhlmann Musiker eröffnet die Reihe "Picknick-Konzerte", die in den kommenden Wochen in Dresden und Leipzig stattfinden. Der Musiker über Live-Auftritte während der Corona-Pandemie.

MDR KULTUR - Das Radio Do 30.07.2020 12:00Uhr 07:04 min

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MDR KULTUR: Herr Uhlmann, Konzerte von Ihnen und Ihrer früheren Band Tomte waren recht energiegeladen. Rumtanzen und springen geht ja jetzt nicht. Wie soll das funktionieren?

Thees Uhlmann: Ganz selten spielen wir auch Konzerte, wo die Leute sitzen. Das ist dann schon eine sehr feierliche Stimmung. Ich glaube, das Publikum nutzt die Verrücktheit der Situation, um sich auch in eine andere Geisteshaltung zu bringen. Das ist wirklich dieses konzentrierte Sitzen und Zuschauen, eben ohne Tanzen oder sich mit einem Kumpel anschreien, wer das nächste Bier holt. Die Leute sitzen da und lauschen.

Wie groß ist die Hoffnung, dass Sie in ein, zwei Jahren wieder normale Konzerte geben werden?

Wir verlassen uns da auf die Experten in der Regierung, die sagen: Unter den Parametern könnt ihr live spielen. Wir haben die ersten Auftritte hinter uns und ich finde das Konzept sehr schlüssig. Es ist natürlich eine ganz besondere Atmosphäre. Wir haben in Lübeck gespielt und jeder hatte einen kleinen Tisch vor sich. Das sah mehr aus wie eine Uni-Vorlesung. Aber gerade dieses Besondere und, dass sich jeder auch der Gefährlichkeit bewusst ist, aber auch Lust und Freude auf Kunst hat, das hat dem Ganzen eine Art heilige Atmosphäre verpasst. Das sind eben auch Auftritte, die man nicht vergisst.

Weniger Menschen bei den Konzerten bedeutet weniger Einnahmen. Das ist für Künstler und Veranstalter auf Ewig nicht durchzuhalten. Wie wichtig ist Ihnen, das zu machen?

Ich mache schon lange Musik mit ein bisschen Erfolg, ich habe erfolgreiche Bücher geschrieben. Ich halte das finanziell aus. Aber wenn ich zum Beispiel meine Band angucke: Da habe ich meinen schottischen Gitarristen Martin Kelly, der spielt nur in Bands: bei Annette Louisan, bei mir, er spielt in seiner eigenen Band. Das was er beruflich macht, gibt es de facto zurzeit nicht. Auch mein Techniker ist sonst das ganze Jahr unterwegs, um Bands den Sound hinzuzaubern. Und da muss ich sagen: Es ist gefährlich, wir minimieren das Risiko, machen das aber auch, damit meine Crew weiß, dass mal wieder ein bisschen Geld reinkommt.

Es gibt Veranstalter, die machen da nicht mit, weil sie eben nicht wirtschaftlich buchen können, und schon vorher wegen der Corona-Auflagen viel Geld verloren haben. Was sagen Sie denen?

Ich finde, dass man in Krisensituationen immer auch andere Meinungen akzeptieren soll. Wenn jemand sagt: 'Das bringt nichts, wenn so Leute kommen können, da verdiene ich zu wenig Geld', kann ich nur sagen: 'Ich versteh dich total […]'. Manche sagen aber eben: 'Wir ziehen das jetzt durch.' Das finde ich dann eben auch toll. Gerade in Corona-Zeiten, wie die Leute mit Meinung rumschmeißen – irgendwie ist inzwischen jeder Virenexperte. Ich bin der Meinung, vier, fünf Expertinnen sollen das besprechen und dann wird das durchgezogen. Dieses Rausgegröle von Meinung zu hochkomplizierten Komplexen ist nicht meine Sache. Das Bundesland Sachsen hat gesagt: 'Thees Uhlmann und Band ihr dürft das so machen.' Dann machen wir das so, weil wir uns auf die Leute verlassen, die davon Ahnung haben.

Mehr Informationen Picknick-Konzerte mit Thees Uhlmann und Band:
Dresden: 30. Juli, Rinne im Ostragehege, Beginn
Leipzig, 2. August, Agra-Gelände

Beginn: 19:30 Uhr
Preis: 44,40 Euro

Das Interview führte Annett Mautner.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. Juli 2020 | 12:10 Uhr