„Alfons Zitterbacke“ –Neuverfilmung Nachwuchsdarsteller Tilmann Döbler, Alexandra Maria Lara und Devid Striesow als die Eltern
Nachwuchsdarsteller Tilmann Döbler als Alfons, Alexandra Maria Lara und Devid Striesow als die Eltern Bildrechte: MDR/X-Verleih/Edith Held

Filmkritik Neuverfilmung: Alfons Zitterbacke als Slapstick-Komödie

Alfons Zitterbacke hat schon Generationen von Kindern unterhalten. Auch in "Alfons Zitterbacke – das Chaos ist zurück" von Regisseur Mark Schlichter, der mittlerweile dritten Verfilmung des Stoffes, sprüht der Pechvogel nur so vor Ideen. Ein komischer Film mit einem überzeugende Tilman Döbler als Hauptdarsteller und Devid Striesow und Alexandra Maria Lara als Eltern. Eine Filmkritik.

von Hartwig Tegeler, MDR KULTUR-Filmkritiker

„Alfons Zitterbacke“ –Neuverfilmung Nachwuchsdarsteller Tilmann Döbler, Alexandra Maria Lara und Devid Striesow als die Eltern
Nachwuchsdarsteller Tilmann Döbler als Alfons, Alexandra Maria Lara und Devid Striesow als die Eltern Bildrechte: MDR/X-Verleih/Edith Held

Das muss mal einer hinkriegen: Erst elf Jahre alt und schon Astronaut auf der ISS. Und nicht nur das. Als da oben in der Raumstation im Orbit nur noch 17 Prozent Sauerstoffgehalt vorhanden sind, hat Alfons Zitterbacke die Lösung parat: "Ich könnte die Neutronenantriebszelle mit dem Empfängermodul verbinden und eine X-Wellen-Reaktion hervorrufen. – Das könnte klappen!"

Toll, meint Raumfahrerkollege Sergej, um dann allerdings auf den casus knacksus hinzuweisen: "Vergiss nicht, du darfst auf keinen Fall an die zwei roten Schalter kommen." "Natürlich nicht", meint Alfons und wacht dann glücklicherweise aus seinem Traum auf, als er natürlich an die roten Knöpfe gekommen ist und die Raumstation, nun ja, wir wollen das gar nicht wissen.

Kurzum: Alfons ist blitzgescheit, sprudelt nur so vor cleveren Ideen … und … ist gleichzeitig ein veritabler Pechvogel.

Ein sympathischer Mensch mit vielen Problemen

Aber zunächst das Wesentliche: "Eltern sind doof", meint Alfons. Und Freundin Emilia stimmt natürlich zu: "Ja, manchmal schon." Alfons pendelt also in seinem Alltag zwischen dem profanen Alltag und seinem visionären Geist und den Patzern, die eben selbiger Geist verursacht. So sicher wie das Amen in der Kirche.

Man könnte auch sagen: Alfons ist ein sehr, sehr sympathischer Mensch. Während sich die Probleme bei ihm häufen und häufen: "Jetzt muss ich diese blöde Deutscharbeit unterschreiben lassen. Eine Fünfminus. Wenn die das jetzt sehen, kriege ich bestimmt lebenslang Hausarrest."

Komödie mit ziemlich komischen Slapstick-Einlagen

Trotzdem trotzt Alfons Tag für Tag den Lebens-Widrigkeiten, die die Schule in Sachen Mobbing und Dämlichkeit bereithält. Und er wehrt sich gegen die Versuche von Vater und Mutter – gespielt von Devid Striesow und Alexandra Maria Lara –, ihn wieder in die Bahn zu kriegen.

Aus dem Film "Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück" "Mein Vater sagt immer: 'Wer immer alles anders macht, kriegt Probleme im Leben.' Und dann sagt meine Mutter: 'Hör auf, Alfie unter Druck zu setzen.' Dann streiten die sich wieder, und ich bin Schuld. Papa muss im Zelt schlafen."

"Alfons Zitterbacke – das Chaos ist zurück" ist ein Film über jemanden, wie Regisseur Mark Schlichter sagt, den Kinder auch mögen, weil er nach einer Niederlage Sekunden später wieder aufsteht und den nächsten tollen Plan verfolgt. Damit ist dieser Film ein wunderbares Plädoyer über jemanden, der gegen alle Widerstände seiner Vision folgt. Ein wunderbarer Charakter.

Überflüssige Cameo-Auftritte

Mark Schlichter macht aus dem alten Alfons-Zitterbacke-Stoff eine Komödie mit ziemlich komischen Slapstick-Einlagen. Da geben sich dann in teilweise doch recht überflüssigen Cameo-Auftritten die Klinke in die Hand: Helmut Rossmann, der Alfons 1960 in Konrad Petzolds DEFA-Version von 1966 spielte, Olaf Schubert, "Checker Tobi" – Tobi Krell – oder ISS-Mann Alexander Gerst.

Tilman Döbler gibt dabei eine schöne Alfons-Zitterbacke-Vorstellung, Lisa Moell als Freundin Emilia und Leopold Ferdinand Schill als bester Freund Benni fallen da aber mit ihrer Schauspielkunst heftig hinten runter. Das alles macht den Film von Mark Schlichter nicht perfekt. Trotzdem, die Philosophie des Alfons-Zitterbacke-Universums und nun auch die des Films lautet, sehr sympathisch: durchhalten, aushalten und weitermachen, egal, was die Leute von einem halten.

Weitermachen, egal, was die Leute von einem halten

So unternimmt Alfons nun alles, um den Fluggeräte-Wettbewerb an der Schule zu gewinnen, auch wenn seine Ideen, wie gesagt, dazu neigen, das eine oder andere Inferno zu entzünden. Soll heißen, Backpulver mit unbekannten anderen Substanzen aus dem Chemielabor einfach zu mischen, ist vielleicht nicht die beste Idee. Aber Freundin Emilia hilft Alfons aus tiefsten Identitätskrisen heraus.

Dialog aus dem Film "Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück" "Ich habe ja Ideen, aber dann geht immer alles schief, oder ich werde ausgelacht." – "Ich dachte, alle großen Erfinder werden am Anfang ausgelacht. Gehört das nicht dazu?" – "'Zitterbacke hat 'ne Macke, oi, oi, oi!' Das meine ich." – "Na klar hast du eine Macke. Das ist doch nicht gemein. Jeder hat eine Macke, eine Macke ist was völlig Normales."

Eine Erkenntnis, die beste Voraussetzung ist für die Akzeptanz des anderen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. April 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2019, 07:56 Uhr

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