Julia (Nele Mueller-Stöfen) und Hund Nero in Turin
Julia (Nele Mueller-Stöfen) und Hund Nero in Turin - Szene aus "All my Loving" Bildrechte: Jens Harant

Filmrezension "All my Loving" – Über das Gefangensein in der Familie

Drei erwachsene Geschwister stehen an einem Wendepunkt ihres Lebens - hervorragend gespielt von Nele Mueller-Stöfen, Lars Eidinger und Hans Löw. Jeder hat seine Leerstelle im Leben, die er nicht anerkennt. Doch als der Vater (Manfred Zapatka) erkrankt, müssen sie sich dem bisher Verdrängten stellen. Regisseur Edward Berger interessiert vor allem auch für die Rollenzuweisungen innerhalb einer Familie. Der ruhige Schauspielerfilm hinterlässt den Zuschauer keineswegs hoffnungslos.

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

von Knut Elstermann, MDR KULTUR-Filmkritiker

Julia (Nele Mueller-Stöfen) und Hund Nero in Turin
Julia (Nele Mueller-Stöfen) und Hund Nero in Turin - Szene aus "All my Loving" Bildrechte: Jens Harant

Drei erwachsene Geschwister stehen an einem Wendepunkt ihres Lebens. Gespielt werden sie von Nele Mueller-Stöfen, die auch Co-Autorin des Drehbuchs ist, Lars Eidinger und Hans Löw. Stefan etwa, den Eidinger spielt, verliert sein Gehör und kann deshalb nicht mehr als Pilot arbeiten. Seine Schwester Julia kann einen tragischen Verlust nicht bewältigen. Jeder spürt das Defizit, uneingelöste Hoffnungen und Gefährdungen im Alltag, aber alle drei weigern sich, die Leerstellen für sich zu erkennen und zu benennen. Erst als der Vater (Manfred Zapatka) schwer erkrankt, sind sie gezwungen, sich dem bisher Verdrängten zu stellen.

Tobias Hoffmann (Hans Löw) mit seinem Vater Pit Hoffmann (Manfred Zapatka)
Tobias Hoffmann (Hans Löw) mit seinem Vater Pit Hoffmann (Manfred Zapatka) Bildrechte: Jens Harant

Regisseur Edward Berger stellt uns die Krisen der drei hervorragend gespielten Figuren in starken Einzelgeschichten vor, die auch für sich stehen könnten. Doch gerade im Kontext der gesamten Familie bekommen sie eine besondere Wirkung. Berger, der selbst viele Geschwister hat, weiß sehr genau, dass Rollenzuschreibungen in einer Familie unentrinnbar sind. So sind auch seine Helden Geschöpfe und zugleich Gefangene der schwierigen Familie, aus der sie stammen. Die Familie ist Fessel, aber auch Heimathafen in diesem schönen, ruhig und schlüssig inszenierten Schauspielerfilm, der uns keineswegs hoffnungslos entlässt.

Genre: Drama
Regie: Edward Berger
Darsteller: Nele Mueller-Stöfen, Lars Eidinger, Hans Löw, Manfred Zapatka
Im deutschen Kino ab: 23.05.2019
Produktionsland: Deutschland
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Filme der Woche | 23. Mai 2019 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Mai 2019, 04:00 Uhr

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