Maryse Conde
Die französische Schriftstellerin Maryse Condé im Jahr 2008. Bildrechte: imago/Leemage

Auszeichnung Maryse Condé erhält alternativen Literaturnobelpreis

Maryse Conde
Die französische Schriftstellerin Maryse Condé im Jahr 2008. Bildrechte: imago/Leemage

Die französische Schriftstellerin Maryse Condé erhält den "Neuen Preis der Literatur", der als alternativer Literaturnobelpreis gedacht ist. Das teilte die Neue Akademie in Stockholm mit, die den Preis vergibt. In der Begründung erklärte Jury-Präsidentin Ann Palsson, die 81-Jährige Condé sei eine großartige Geschichtenerzählerin, die mit Respekt, aber auch Humor, über Kolonialismus und die postkoloniale Zeit schreibe.

Der Preis war ins Leben gerufen worden, weil der eigentliche Literaturnobelpreis in diesem Jahr nicht vergeben wird. Am 9. Dezember soll der Preisträger bei einem Festakt präsentiert werden. Anschließend wird die Neue Akademie, ein Zusammenschluss von Persönlichkeiten aus der schwedischen Kulturszene, aufgelöst.

Gaiman, Thúy und Murakami auf Shortlist

Auf der Shortlist hatten auch der Engländer Neil Gaiman, die Vietnamesin Kim Thúy und der Japaner Haruki Murakami gestanden. Murakami wurde aber auf eigenen Wunsch wieder gestrichen. Nach Angaben der Neuen Akademie erklärte er, er wolle sich lieber abseits der Öffentlichkeit auf seine Arbeit konzentrieren.

Vor Beginn des Auswahlprozesses hatte die Neue Akademie schwedische Bibliothekare aufgefordert, Autorinnen und Autoren zu nominieren. So entstand eine Liste mit den Namen der 47 meistnominierten Kandidaten. Daraus wurde per öffentlichem Online-Voting die Shortlist ermittelt. Eine Experten-Jury wählte schließlich die Siegerin aus.

Französin mit karibischen Wurzeln

Die französische Autorin Maryse Condé in den 1980er-Jahren
Maryse Condé mitte der 1980er-Jahre in Paris. Bildrechte: imago/Leemage

Maryse Condé wurde 1937 auf Guadeloupe geboren, einer Insel in der Karibik. Später zog es sie nach Paris, wo sie Literaturwissenschaften studierte. In den 1960er-Jahren arbeitete sie in Guinea, Ghana und im Senegal an verschiedenen Schulen und Sprachinstituten. Während der 1980er-Jahren lehrte sie an der Pariser Sorbonne und zog dann nach New York, wo sie an der Columbia University französischsprachige afrikanische Literatur unterrichtete.

Im Jahr 1984 veröffentlichte Condé den Bestseller "Segu – Die Mauern aus Lehm", für den sie später mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet wurde. Der Preis wird an Autoren aus Afrika, Asien und Lateinamerika vergeben. Zu ihren weiteren Romanen zählen "Ich, Tituba, die schwarze Hexe von Salem", "Unter den Mangroven" und das Werk "Insel der Vergangenheit". Die 81-Jährige schrieb auch Kinderbücher, Theaterstücke und zahlreiche Essays.

Kein Literaturnobelpreis 2018

Der Literaturnobelpreis wird 2018 wegen einer Krise innerhalb der zuständigen Schwedischen Akademie nicht vergeben. Wegen eines Skandals um den Franzosen Jean-Claude Arnault, den Ehemann eines Akademiemitglieds, hatten mehrere Mitglieder ihre Mitarbeit aufgegeben, darunter die Chefin Sara Danius. Deshalb war das Gremium zeitweise nicht beschlussfähig. Als Ausgleich sollen 2019 zwei Literaturnobelpreise vergeben werden.

In der Folge hatte sich die Neue Akademie gegründet, um auch 2018 einen internationalen Literaturpreis zu vergeben. Zur Begründung erklärte das Gremium, der Preis solle auch eine Erinnerung daran sein, dass Literatur mit Demokratie, Offenheit, Empathie und Respekt assoziiert werden sollte.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Oktober 2018 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2018, 13:11 Uhr