Wissenschaft Biografin Wulf: Warum Humboldt heute fehlt

Die Humboldt-Biografin Andrea Wulf vermisst in der Klima-Debatte die emotionale Dimension. Wulf sagte MDR KULTUR: "Das ist eine Debatte, die ausschließlich auf Statistiken und trockenen Zahlen basiert. Keiner traut sich, über den Zauber der Natur zu reden."

Dieser Missstand habe katastrophale Auswirkungen. So wüssten die Menschen zwar, dass die Ölproduktion für den Planeten katastrophal sei. Aber erst das Foto eines pechschwarzen, ölverklebten Vogels nach einem Unglück lasse sie innehalten.

Schon Humboldt warnte vor den Folgen des Klimawandels

Andrea Wulf 26 min
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Während heutzutage also Wissenschaft und Kunst stets getrennt voneinander betrachtet würden, habe der Naturforscher Alexander von Humboldt (1769–1859) beides immer zusammengedacht, so Wulf. Gerade wegen seines umfassenden Denkens sei er noch heute aktuell.

Humboldt habe nicht nur als einer der ersten vor den Folgen des Klimawandels gewarnt. Auch seine Vorstellung von der Natur als Ökosystem präge unser Denken noch heute, ebenso seine interdisziplinären Methoden.

Sie seien auch der Grund, warum Humboldt nicht so bekannt sei wie Charles Darwin, so die Sachbuchautorin: Es gebe nicht eine riesengroße Entdeckung, mit der sein Name verbunden sei. Stattdessen seien Humboldts Entdeckungen für uns heute so selbstverständlich, dass der Mann dahinter fast in Vergessenheit geraten sei.

Bestseller-Autorin

Andrea Wulf wurde 1972 in Neu-Delhi geboren und wuchs in Deutschland auf. Sie studierte Designgeschichte am Royal College of Art in London und lebt seitdem in Großbritannien. Ihre Biographie "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur" wurde in Deutschland ein Bestseller und in mehr als 25 Sprachen übersetzt. Zuletzt erschien "Die Abenteuer des Alexander von Humboldt", eine Graphic Novel zu Humboldts berühmter Südamerikaexpedition.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. September 2019 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. September 2019, 04:00 Uhr

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