Ausstellung im Kunstforum Gotha zeigt Fotografien von Naturfilmer Andreas Kieling

Mareike Wiemann
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Andreas Kieling ist Dokumentarfilmer und Abenteurer. Nun präsentiert er im Kunstforum Gotha erstmals Fotografien aus dreißig Arbeitsjahren, im Fokus dabei: sein Sehnsuchtsort Alaska, mit kämpfenden Grizzlys, stoischen Elchen und entspannten Seeottern.

Ein Kameramann filmt Grizzlybären
"Unter alten Bekannten, Aleuten, Alaska 2004" Bildrechte: Andreas Kieling

Diese Ausstellung ist wahrlich ein Heimspiel: Andreas Kieling wurde in Gotha geboren, sein Interesse für die Tiere dieser Welt wurde bei langen Besuchen im Museum der Natur auf Schloss Friedenstein geweckt. Nun zeigt er im Kunstforum Momentaufnahmen aus seiner mittlerweile 30-jährigen Arbeit als Dokumentarfilmer. Im Fokus dabei: Aufnahmen aus Alaska, das schon in jungen Jahren zu seinem Sehnsuchtsort wurde, wie er erzählt: "Ich kannte Alaska aus Jack-London-Romanen oder von Ernest Hemingway. Wir haben in Luisenthal im Winter Alaska nachgespielt. Das hat Fantasien beflügelt und angeregt."

Ganz nah dran

Zwei Grizzlybären kämpfen
"Weiße Grizzlys sind sehr selten, Aleuten, Alaska 2006" Bildrechte: Andreas Kieling

Kieling hielt es nicht lange in Gotha. Bereits mit 16 Jahren flüchtete er nach Westdeutschland und heuerte dort als Seemann auf Überseeschiffen an. Anfang der 90er-Jahre dann der Wechsel ins Filmbusiness: Mit einer Kamera im Gepäck fuhr er das erste Mal nach Alaska. Mehrere Monate verbrachte er in völliger Einsamkeit, nur umgeben von Braunbären, Eisbären, Ottern und Elchen. Tausende Kilometer legte er mit einem Kanu zurück. "Es war eine Zeit großer Entbehrungen: Ich habe gefroren, war manchmal halb verhungert. Aber ich habe das gerne gemacht." Der Lohn waren für damalige Verhältnisse sensationelle Aufnahmen, etwa als er Küstenbraunbären im Watt dabei filmte, wie sie große Muscheln aus dem Boden gruben.

Die Fotos in der Gothaer Ausstellung zeigen nun Momentaufnahmen aus diesem und weiteren Aufenthalten in Alaska: Seeotter, die entspannt ein Bad nehmen. Eine Bärenmutter, die gerade ihr Junges säugt. Oder ein Eisbär, der alle Viere von sich gestreckt hat und etwas irritiert den Fotografen betrachtet, der sich ihm auf rund einen Meter genähert hat. Es seien teilweise sehr intime Aufnahmen dabei, sagt Kieling: "Hierbei muss man aber wissen - ich bin in diesen Situationen nicht einfach hingegangen und habe losgeknipst. Sondern bevor solche Fotos möglich waren, habe ich schon lange bei den Tieren gelebt."

Abenteuer früher und heute

Andreas Kieling, Naturfotograf und Tierfilmer
Andreas Kieling bei der Ausstellungseröffnung im Kunstforum. Bildrechte: dpa

Für die Ausstellung hat Kieling gemeinsam mit seiner Partnerin Lea Goldberg hunderte Dias angeschaut und ausgesucht. Für den heute 60-Jährigen ein Anlass, auf die vergangenen Arbeitsjahre zurückzuschauen. Das Reisen sei früher um einiges entbehrungsreicher gewesen als heute. Gleichzeitig aber auch freier und unbeschwerter: "Heute kommt man oft an Orte, wo man sagt - Mist, das ist die letzte Rettungsinsel auf der Erde für diese oder jene Tierart. In Alaska dagegen hatte meine Arbeit eine Selbstverständlichkeit. Tiere waren mal da und mal nicht da. Aber man wusste - auch wenn sie nicht da waren, gab es sie. Man sah sie nur nicht."

Noch immer zieht es Andreas Kieling regelmäßig nach Alaska. Aber auch in Deutschland ist er unterwegs: Im kommenden Frühjahr etwa wird er einmal mehr im Nationalpark Hainich drehen. Ein weiterer Ort seiner Kindheit, damals noch Sperrgebiet, in dem der Gothaer Junge seine ersten Abenteuer erlebte.

Informationen zur Ausstellung Andreas Kieling - mit den Grizzlys durch Alaska
Kunstforum Gotha
Querstraße 13-15, 99867 Gotha

08. Januar bis zum 22. März 2020
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 – 17.00 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Januar 2020 | 07:10 Uhr