90. Geburtstag Fünf Fakten zu "Pop-Art"-Ikone Andy Warhol

Andy Warhol gilt als einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Wie kaum ein anderer hat er die Kunstwelt mit seiner "Pop Art" geprägt – und das weit über seinen Tod im Jahr 1987 hinaus. Heute wäre er 90 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass stellen wir Ihnen fünf wissenswerte Fakten zu dem extravaganten Künstler vor.

1. Erkrankung als Grundstein seiner Karriere

Im Alter von acht Jahren wurde bei Andy Warhol, der zu dem Zeitpunkt noch Andrew Warhola hieß, die Diagnose "Chorea minor" gestellt. Diese neurologische Erkrankung und eine seltene Pigmentstörung waren der Grund, weswegen der junge Andy Warhol seine Tage bettlägerig verbrachte und sich deswegen in Filme und Comics vertiefte. Seine Mutter, eine Kunsthandwerkerin, unterrichtete ihn zu Hause und förderte schon zu dieser Zeit die künstlerischen Talente ihres Sohnes.

Andy Warhole im Alter von zwei Jahren gemeinsam mit seinem Bruder und seiner Mutter auf einem Foto.
Andy Warhol im Alter von zwei Jahren (rechts, auf dem Arm seiner Mutter) mit seinem Bruder Bildrechte: IMAGO

2. Seine erste und letzte Ausstellung

Das Schicksal wollte es wohl, dass es die gleiche Person gewesen ist, die für Andy Warhols erste Einzelausstellung und die letzte vor seinem Tod verantwortlich war. Alexander Iolas leitete in den späten 1940er-Jahren die Hugo Gallery in New York. Ihm fiel zu dieser Zeit ein junger Mann auf, der jeden Tag an dem Schaufenster der Galerie vorbei lief und dabei eine Mappe bei sich trug. Eines Tages fragte er den Unbekannten, der sich als Andy Warhol herausstellen sollte, wer er sei und was er immer dabei habe. Zu dieser Zeit arbeitete Warhol als Werbegrafiker und hatte Design-Entwürfe eines Schuhs dabei. Iolas erkannte das Talent des noch unbekannten Warhols und soll zu ihm gesagt haben: "Das ist der letzte Tag, an dem du Schuhe designst."

Und Iolas sollte recht behalten: Er war es, der Andy Warhol im Jahr 1952 zu seiner ersten Einzelausstellung verhalf. Dabei handelte es sich um Zeichnungen, bei denen sich Warhol von den Schriften Truman Capotes inspirieren ließ. Iolas war es dann auch, für den Warhol seine letzte Ausstellung zu Lebzeiten kreierte. Dabei setzte sich der Künstler mit Leonardo da Vincis "Abendmahl" auseinander.

Truman Capote und Andy Warhol in einer Schwarz-Weiß-Aufnahme im Studio 54.
Truman Capote (vorne rechts) war eine Inspirationsquelle für Andy Warhol (im Hintergrund). Bildrechte: IMAGO

3. Filmwerke, bis zur Unendlichkeit gedehnt

Während seiner Karriere setzte sich Warhol auch intensiv mit dem Thema Film auseinander. Bei fast 100 Produktionen hat er während seines Lebens Regie geführt. Dabei reizte er die Grenzen des Mediums immer wieder aufs Neue aus - und auch die Geduld der Zuschauer. Oft verwendete er dabei nur eine unbewegte Kamera, die ein einziges Objekt oder auch nur eine einzige Handlung einfing. So zeigt sein Film "Eat" 40 Minuten lang, wie der Maler Robert Indiana einen Pilz verzehrt. Im Jahr 1964 filmte Wahrhol den Beat-Künstler John Giorno, wie dieser schläft. Der Film dauert 311 Minuten und hat damit eine Laufzeit von mehr als vier Stunden.

Im gleichen Jahr fand dann auch die Uraufführung seines Experimentalfilmes "Empire" statt. Das Werk geht in seiner gesamten Länge 485 Minuten und dauert damit acht Stunden und fünf Minuten. Zu sehen sind in einer einzigen, statischen Aufnahme, die oberen Etagen und die Spitze des Empire State Buildings - von der anbrechenden Dunkelheit bis zur Nacht. Allerdings wurde der Film von Warhol auch nicht als Spielfilm, sondern als Werk der Konzeptkunst konzipiert und soll das Zusehen beim "Verstreichen der Zeit" ermöglichen.

Ein Standbild aus Andy Warhols Film "Empire".
Ein Standbild aus dem mehr als achtstündigen "Empire". Bildrechte: dpa

4. Herausgeber eines Kochbuches

Andy Warhol der Koch? Eine Episode, die nicht unbedingt sehr bekannt ist in der Vita des Künstlers. Doch auch Warhol hat schon ein echtes Kochbuch herausgegeben. Gemeinsam mit der Designerin Suzie Frankfurt gestaltete und erdachte er 1959 "Wild Rasperries". Ein vermutlich nicht ganz ernstgemeintes Kochbuch. In ihm finden sich kulinarische Gerichte wie "Omelette Greta Garbo" (was man übrigens nur allein essen soll), "andalusischer Iguana Braten" oder "Gefilte Kampffisch". Obwohl das Buch 19 Illustrationen von Warhol enthielt, war es bei seiner Veröffentlichung kein großer Verkaufsschlager. Heute ist es jedoch ein beliebtes Sammlerstück.   

Andy Warhol
Als Andy Warhols Kochbuch veröffentlicht wurde, war es ein Flop. Bildrechte: IMAGO

5. Warhols eigene "Zeitkapseln"

In den letzten 13 Jahren seines Lebens hatte Andy Warhol begonnen, Kartons mit Objekten zu füllen, die ihn geprägt oder für ihn eine Bedeutung hatten. Somit wurden ab 1974 bis zu seinem Tod insgesamt 610 solcher Kartons befüllt. In ihnen ließ sich von Kunst bis Müll wirklich alles finden: Flyer und alte Fotos, Werbe-Broschüren, ungeöffnete Briefe, LPs, pornografische Objekte, Briefmarken und Tüten mit Süßigkeiten. Aber auch äußerst skurrile Gegenstände kamen zum Vorschein, wie ein benutztes Kondom und sogar ein mumifizierter Fuß.

Was wirkte, wie das Werk eines Messies, hatte jedoch System. Benjamin Liu, der ein persönlicher Assistent von Warhol war, erklärte: "Es ist eine bewusste Auswahl. Es war nicht so, dass wir da einfach Sachen reingeschmissen haben. Es war wie: 'Das geht hier rein, das gehört dahin'." In den Zeitkapseln befänden sich die Quellen, die Warhol bei seinen Arbeiten inspiriert hätten, so Liu.

Kartons von Andy Warhols "Zeitkapseln" in einer Ausstellung.
Einige von den über 610 Kartons, in denen Andy Warhol Erinnerungen sammelte. Bildrechte: dpa

Letzer Fakt zur letzten Ruhe

Andy Warhol ist auf dem katholischen Friedhof "St. John the Baptist Byzantine" in Pittsburgh neben seinen Eltern Julia und Andrej Warhola begraben. Das Grab kann 24 Stunden, sieben Tage die Woche live im Internet betrachtet werden.

Persönlichkeiten

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. August 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. August 2018, 10:25 Uhr

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